Diebstahl

Polizei warnt vor Luxus-Autoschlüsseln

Die „Keyless-Go“-Technik macht es Dieben oftmals leicht, Autos zu stehlen. Die Polizei rät jetzt zu einem drastischen Schritt.
Neubrandenburg

Obwohl die Anzahl von Fahrzeugdiebstählen in Mecklenburg-Vorpommern seit 2013 rückläufig ist, scheinen Autodiebe im Land aktuell auf Beutetour zu sein. Erst vor Kurzem berichtete der Nordkurier von zahlreichen entwendeten Fahrzeugen, die einen Gesamtschaden von knapp 200.000 Euro nach sich zogen. In Anbetracht dieser Aktivitäten veröffentlichte das Landeskriminalamt MV eine Liste von Hinweisen, wie man sich schützen kann.

Heiß begehrt sind Modelle von Volkswagen, aber auch die Marken Ford und Mazda. Eben jene, bei denen die „Keyless Go“-Technik weit verbreitet ist. Dabei wird das Fahrzeug mittels eines Senders geöffnet und gestartet. Der Schlüssel wird zum Start zwar benötigt, es reicht aber, wenn der Fahrer ihn in der Hosentasche bei sich trägt – die Bordelektrik „merkt“ das per Funk.

Allerdings macht es diese Technik Dieben leicht, das Funksignal mit speziellen Geräten abzufangen beziehungsweise zu verlängern und sich mit dem Auto aus dem Staub zu machen. Bei herkömmlichen Funk-Schlüsseln, die inzwischen fast jedes Auto hat, lassen sich hingegen nur die Türen öffnen – für den Motorstart sind dann noch weitere Manipulationen nötig.

LKA rät zum Schlüssel

Um Dieben einen Strich durch die Rechnung zu machen, rät das LKA MV nun zur kompletten Abschaltung der „Keyless Go“-Technik – zurück zum Schlüssel. Dafür solle man sich mit dem Fahrzeughersteller oder einer Fachwerkstatt in Verbindung setzen, heißt es.

Darüber hinaus wird zu einer Abschirmung des Signals geraten. Schon 2016 riet die Polizei Besitzern solcher „Keyless Go“-Systeme den Sender etwa in Alufolie einzuschlagen, um somit das Signal abzuschirmen. Ein „Schlüsseltresor“ aus Metall könne eine andere Möglichkeit sein.

Vom ADAC heißt es, dass Abschirmungsversuche nur selten helfen. „Außerdem weisen wir seit Jahren darauf hin, wie leicht diese Funksignale abzufangen sind“, sagt Hans Pieper, Pressereferent des Autoclubs. Zudem hätten Autobesitzer oft extra dafür gezahlt, dass ihnen diese bequeme Technik zur Verfügung stehe, heißt es weiter. Da wolle man sie ja wohl anschließend auch nutzen.

BMW hat Sicherheitslücke im Auge

Doch trotz der Kritik an der „löchrigen“ Technik tun sich die Autohersteller schwer die Lücke zu schließen – bislang findet man sie lediglich im Oberklasse-Segment. „Bei Jaguar wurde ein neues System verbaut, bei dem die Dauer der Funkübertragung, also der Funkweg, verglichen wird“, so Pieper.

Wenn das Signal zu lang unterwegs sei, erkenne dies die Technik und öffne die Tür nicht, erklärt der Fachmann: „Eine Verstärkung beziehungsweise Verlängerung des Signals ist somit nicht möglich.“ Auch bei BMW haben Techniker die Sicherheitslücke im Auge und rüsten Schlüssel nach.

„Dafür werden sie mit einem Bewegungssensor ausgestattet“, so der Mann vom ADAC. Wenn der Schlüssel nicht in Bewegung ist, werde der Öffnungsmechanismus nicht ausgelöst. Diese Technik wäre auch in günstigeren Fahrzeugen denkbar, „aber die müsste dann extra verbaut werden und das ist mit Kosten verbunden“, sagt Pieper.

Mehr als 1500 Diebstähle in Brandenburg

Im bundesweiten Vergleich liegt MV bei den Autodiebstählen im Mittelfeld. In Berlin registrierten die Versicherer 3355 Diebstähle. Das waren 3,6 gestohlene Autos auf 1000  kaskoversicherte Pkw. Es folgen Brandenburg (1,4), Sachsen (0,7) und Sachsen-Anhalt (0,7). Autos, die nur haftpflichtversichert sind, tauchen in der Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nicht auf.

Die tatsächlichen Zahlen liegen also noch höher: Für Brandenburg weist die GDV-Statistik 1531 gestohlene Autos aus. Die Polizeistatistik erfasst hingegen allein für das östlichste Bundesland 2513 Fälle. Dabei sind auch die Diebstähle erfasst, in denen die Autos gar keine Kaskoversicherung hatten.

Deutlich weniger Autodiebstähle als in den 90er-Jahren

Trotz der vermehrten Autodiebstähle in jüngster Vergangenheit weist Anna Lewerenz vom LKA in MV darauf hin, dass die Fallzahlen seit geraumer Zeit stetig sinken. „Tatsächlich ist es aktuell eher so ein Gefühl, dass mehr Autos gestohlen werden“, sagt die Pressesprecherin.

Kein Vergleich mit den 90er-Jahren: „Da hatten wir im Schnitt 3000 bis 4000 gestohlene Fahrzeuge jährlich.“ Dank neuer Konzepte habe man die Fallzahlen bis zum vergangenen Jahr auf 600 drücken können, sagt sie. Auch in den drei Jahren zuvor lagen die Fallzahlen unter 1000.

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