Bleiben die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern künftig am fünften Wochentag geschlossen und die Stühle auf den T
Bleiben die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern künftig am fünften Wochentag geschlossen und die Stühle auf den Tischen? In Sachsen-Anhalt wird das 4-Tage-Modell getestet. Jens Büttner
FDP-Vorstoß

Pro und Kontra zur 4-Tage-Woche an Schulen in MV

Die 4-Tage-Woche an Schulen in MV? Der FDP-Vorschlag hat zumindest eines geschafft: Der Graben zwischen Rot-Rot und der Jamaika-Opposition wurde weiter vertieft.
Schwerin

Vier Tage Schule wie üblich, und einen Wochentag für den Besuch von Unternehmen, für ein Praktikum und digitales oder hybrides Lernen von zu Hause aus – diese Idee ist jüngst durch die Schweriner FDP-Fraktion vorgebracht worden. Das Modell soll in Sachsen-Anhalt an einigen Schulen getestet werden und hat nun auch in Mecklenburg-Vorpommern ein großes Echo ausgelöst.

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An oberster Stelle, im Bildungsministerium, haben die Verantwortlichen gleich abgewunken. „Das 4+1-Modell steht bei uns nicht zur Diskussion. Ich bin der Überzeugung, dass ein solches Konzept keine Vereinfachungen im Schulablauf bringen würde. Denn auch der fünfte Tag muss geplant werden und mit Lehrerwochenstunden pro Klasse versorgt werden”, betonte Ministerin Simone Oldenburg (Linke). Durchschnittlich seien dies mindestens sechs Stunden pro Klasse. Das wären pro Tag, an dem an einer mittelgroßen Schule nicht unterrichtet werde, 120 Stunden.

SPD: „Idee nur nett gedacht”

Ähnlich skeptisch reagierte Kay Czerwinski, Sprecher des Landeselternrates. „Das ist ein Sommerloch-Thema und ist einfach nur ein unqualifizierter Vorschlag. Der beste Ort zum Lernen ist und bleibt die Schule. Das hat die Corona-Pandemie mit aller Deutlichkeit bewiesen”, sagte Czerwinski und wies gleichzeitig auf das Betreuungsproblem der Schüler am fünften Tag hin. Da müssten erneut die ohnehin belasteten Eltern mit in die Verantwortung.

Und auch die SPD lehnte den FDP-Vorschlag ab. „Die Idee ist schlicht nur nett gedacht”, zerriss Andreas Butzki, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, die FDP-Gedanken mit einem Mix aus Sarkasmus und Spott. Wer solch eine Idee äußere, sollte vorab auch sagen, wie sichergestellt werden könne, dass alle Lehrplaninhalte umgesetzt und Schüler beim Lernen nicht benachteiligt würden. Verantwortungsvolle Bildungspolitik und Verantwortung für die Kinder heiße auch, dass solche Modelle nicht Hals über Kopf in die Welt gesetzt würden. Butzki wörtlich: „Sonst sind sie nichts anders als Sparmodelle, die leise die Unterrichtsstatistik frisieren sollen.”

GEW, CDU und Grüne mit Sympathien

Durchaus differenzierter bewertet die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) den liberalen Vorstoß. „Zum 4+1-Modell gibt es keine einfache Antwort. Oft ist es in der Praxis so, dass wir fächerübergreifende Projekte, Exkursionen oder Theaterfahrten planen und dann das Problem haben, wann diese durchgeführt werden können, ohne dass regulärer Unterricht ausfällt”, machte Nico Leschinski, GEW-Chef in MV, deutlich. Das 4+1-Modell könnte die dafür notwendigen Räume schaffen. Allerdings benötige auch der fünfte Tag Vorbereitung und Begleitung, da werde nicht etwa weniger Arbeit fällig. „Eine Unterrichtskürzung durch die Hintertür wird es mit der GEW MV nicht geben”, so der Gewerkschafter.

Ein klares Pro für den FDP-Vorschlag kommt von Torsten Renz, Bildungsexperte der CDU-Fraktion. „Die Idee, den Schülern durch mehr Praktika und Einblicke in betriebliche Abläufe das Handwerk und eine Berufsausbildung näher zu bringen, halte ich für durchaus diskussionswürdig. Alleine das Fach Berufsorientierung genügt da nicht und nicht jeder Gymnasiast hat das Zeug zu einem Akademiker, zumal das Handwerk und die beruflichen Aufstiegschancen in der heutigen Zeit nicht zu unterschätzen sind”, sagte der Ex-Innenminister.

AfD lehnt Vorschlag ab

Sympathie bekundeten auch die Grünen und machen damit das oppositionelle Jamaika-Bündnis im MV-Landtag komplett. „Der Lehrkräftemangel ist unübersehbar und wir brauchen Lösungen. Die Grundidee, einen Schultag in der Woche zu nutzen, um Kindern selbständiges Erarbeiten von Aufgaben zu ermöglichen oder auch für Praxistage, ist nicht grundsätzlich abzulehnen, sondern gehört in eine lösungsorientierte Debatte”, meinte Jutta Wegner, Landtagsabgeordnete aus Neubrandenburg. Allerdings bräuchte man für die Umsetzung vor allem digitale Voraussetzungen an allen Schulen und für alle Schüler, damit auch digital gearbeitet werden könne.

Für die AfD betonte Enrico Schult: "Nach den monatelangen Schulschließungen im Zuge der Pandemie jetzt noch weniger Unterricht zu fordern oder auf den mehr schlecht als recht funktionierenden Digitalunterricht zu setzen, ist ein, man möchte meinen, recht abenteuerlicher Vorschlag. Wir lehnen diesen Vorschlag aus Gründen des gesunden Menschenverstandes und Wissens um die Sachlage rundheraus ab."

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