Das Banner der Besetzer am Schornstein des Gas-Kraftwerkes in der Greifswalder Innenstadt.
Das Banner der Besetzer am Schornstein des Gas-Kraftwerkes in der Greifswalder Innenstadt ist weiterhin aufgehängt. iel Focke
Das Kraftwerk musste morgens sofort abgeschaltet werden, nachdem klar war, dass sich Demonstranten am Schornstein und auf dem
Das Kraftwerk musste morgens sofort abgeschaltet werden, nachdem klar war, dass sich Demonstranten am Schornstein und auf dem Vordach aufhalten. Henning Stallmeyer
Kraftwerk besetzt

▶ Protest bei 300 Grad Celsius –Stadtwerke kritisieren lebensgefährliche Aktion

Protest ja, aber nicht in der Form, so lautete die harsche Kritik der Stadtwerke an den Klimademonstranten, nachdem die ein Greifswalder Kraftwerk besetzten. Die Aktion hätte tödlich enden können.
dpa
Greifswald

Der Geschäftsführer der Stadtwerke Greifswald, Thomas Prauße, hat die gefährliche Besetzung eines 30 Meter hohen Kraftwerk-Schornsteins durch „sogenannte Klimaaktivisten” scharf kritisiert. „Ich habe jederzeit Verständnis für Protest, aber nicht für diese Art von Aktionen”, sagte Prauße am Freitag.

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Insgesamt fünf Frauen und Männer hatten am Morgen das Gasheizkraftwerk besetzt, das das Stadtzentrum versorgt. Sie waren teilweise auf das Vordach und den Schornstein geklettert, sodass die Stadtwerke das Heizwerk am Morgen aus Sicherheitsgründen abschalten mussten.

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Viele Haushalte ohne warmes Wasser

450 Haushalte und 25 Unternehmen seien zeitweise von der Warmwasserversorgung abgeschnitten, so ein Sprecher der Stadtwerke. Auch die Mobilfunkantenne auf dem Kraftwerkdach wurde deaktiviert, sodass es auch zu Störungen im Mobilfunknetz kam.

Schornstein kann bis zu 300 Grad heiß werden

Man habe nichts dagegen, wenn Umweltaktivisten Plakate aufhängen oder vor dem Heizwerk protestieren, sagte Prauße. Dann werde man ihnen sogar Tische und Stühle rausstellen. Aber sich in die lebensgefährliche Hitze von etwa 300 Grad Celsius Verbrennungstemperatur zu begeben – „das hat nichts mit Klimaprotest zu tun”. Zudem seien die Greifswalder Stadtwerke, die sich schon lange für erneuerbare Energie einsetzen, die falsche Adresse. Man baue gerade für 42 Millionen Euro den größten Solarthermiepark in Deutschland. Laut Prauße wurden die Stadtwerke am Morgen per E-Mail über die Besetzung unterrichtet. Dann habe man sofort abgeschaltet.

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Die Aktivisten beendeten erst nach mehreren Stunden und Vermittlungsgesprächen ihre Aktion. Nach Polizeiangaben gehörten der Gruppe sechs Personen an, von denen drei zu Feststellung der Personalien auf die Wache mitgenommen wurden. Der Protest richtete sich gegen die Verwendung fossiler Brennstoffe. Auf einem großen blauen Transparent stand "Gas is over" (in etwa: Die Zeit des Gases ist vorbei).

Die Polizei leitete mehrere Ermittlungsverfahren wegen Hausfriedensbruch und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz ein. Zudem würden durch die Polizei und die Feuerwehr geprüft, ob einzelnen Personen die Kosten des Einsatzes auferlegt werden könnten.

Grüne: Faires Angebot der Stadtwerke annehmen

Scharfe Worte fand der CDU-Bürgerschaftsfraktion in Greifswald für die Aktion. "Die sogenannten "Klimaaktivisten" haben mit ihrer Aktion den Rahmen der politischen Auseinandersetzung über Klimaschutzpolitik verlassen und sind für mich schlicht Kriminelle", sagte Fraktionschef Axel Hochschild. Sie schadeten Tausenden von Greifswaldern und den Stadtwerken. "Während der Aktion und in den anschließenden Gerichtsverfahren muss die ganze Härte des Gesetzes wegen dieses Hausfriedensbruchs gegen die Straftäter zum Einsatz kommen", so Hochschild.

Die AfD im Schweriner Landtag betonte, Klimaschutz sei kein Freischein für Kriminalität. Die vorsätzliche Störung eines Kraftwerksbetriebes sei kein "Klima-Aktivismus" oder "grüne Folklore" mehr, sondern ein staatsgefährdender Akt, sagte AfD-Fraktionschef Nikolaus Kramer.

Die Grünen-Bürgerschaftsfraktion zeigte sich erleichtert, dass der Protest friedlich habe aufgelöst werden können. "Wir befürworten Proteste, die sich für den Erhalt unserer Lebensgrundlage einsetzen – dabei teilen wir aber nicht jede Aktionsform", so Jörg König (Grüne), Vorsitzender des Ausschusses für Bauen und Klimaschutz. Man hätte es darum begrüßt, wenn die Aktivisten auf "die fairen Angebote" der Stadtwerke früher eingegangen wären und den Schornstein um 8.30 Uhr wieder verlassen hätten.

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