Unhaltbare Zustände
Prozess gegen Ex-Betreiberin von Krakower Pflegeeinrichtung beginnt

Eine 33-Jährige muss sich ab Mittwoch vor dem Amtsgericht Güstrow wegen Freiheitsberaubung und Misshandlung von Schutzbefohlenen verantworten.
Eine 33-Jährige muss sich ab Mittwoch vor dem Amtsgericht Güstrow wegen Freiheitsberaubung und Misshandlung von Schutzbefohlenen verantworten.
Jana Bauch

In einer Pflegeeinrichtung in Krakow am See herrschten offensichtlich unhaltbare Zustände. Nun beginnt der Prozess gegen die Betreiberin.

Drei Jahre nach der Aufdeckung schwerer Missstände in einer privaten Pflegeeinrichtung in Krakow beginnt am Mittwoch der Prozess gegen die 33-jährige ehemalige Betreiberin. Sie muss sich vor dem Amtsgericht Güstrow wegen Freiheitsberaubung in mehreren Fällen, Misshandlung von Schutzbefohlenen, Körperverletzung und Betrug verantworten.

Der Fall hatte im Frühjahr 2016 nicht nur Bewohner der Kleinstadt mit rund 3500 Einwohnern in Aufruhr versetzt.

Im April 2016 war der Fall bekannt geworden, als der Landkreis Rostock wegen erheblicher Mängel die Räumung von zwei Pflegeheimen in Krakow am See angeordnet hatte.

Viele Vorwürfe in Anklageschrift

Als „würdelos” hatte der Sprecher des Kreises damals die Unterbringung bezeichnet. Nach der Durchsuchung und Räumung entspann sich ein mehrmonatiger Rechtsstreit, der schließlich im August 2016 mit der Schließung der Einrichtung endete.

Die Liste der Vorwürfe in der Anklageschrift ist lang: Die Ermittlungen ergaben, dass Pflegebedürftige in Zimmern eingesperrt und nachts im Haus alleingelassen wurden. Ein Notfalltelefon soll es nicht gegeben haben. Besuche seien nur nach Ankündigung möglich gewesen und die Angeklagte habe allein bestimmt, wann ein Arzt gerufen wurde.

Ausgang habe es sporadisch und nur mit Zustimmung der Betreiberin gegeben. Patienten, die eigentlich in einer Wohnung leben sollten, seien in unhygienischen Verhältnissen im Keller untergebracht worden.

Vorwurf: Misshandlung und Körperverletzung

Eine Pflegebedürftige sei allein in einem Dachgeschossraum ohne erreichbares Wasser oder eine Verständigungsmöglichkeit aufgefunden worden. Sei sei in einem schlechten Ernährungs- und Pflegezustand gewesen und musste mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht werden. Dies sei laut Gericht als Misshandlung zu werten.

Außerdem werde der 33-Jährigen Körperverletzung vorgeworfen. Während einer Durchsuchung sei bei einem Bewohner eine offene, unversorgte Wunde am Fuß festgestellt worden. Die Angeklagte soll es aus Gründen der Kostenreduzierung unterlassen haben, den Gesundheitszustand des Bewohners zu überwachen.

Kommentare (1)

Das wird ja wohl hoffentlich mit einer hohen Freiheitsstrafe enden!