MEDIZINISCHE GUTACHTEN

Prozess gegen Ex-KZ-Sanitäter verzögert sich weiter

Dem ehemaligen KZ-Sanitäter Hubert Z. wird Beihilfe zum Mord in 3681 Fällen zur Last gelegt. Deswegen steht er in Neubrandenburg vor Gericht. Doch sein Prozess verzögert sich nun erneut.
Zu Beginn des Prozesses im September 2016 wurde der ehemalige KZ-Sanitäter Hubert Z. mit einem Rollstuhl in das Landgericht in Neubrandenburg gebracht.
Zu Beginn des Prozesses im September 2016 wurde der ehemalige KZ-Sanitäter Hubert Z. mit einem Rollstuhl in das Landgericht in Neubrandenburg gebracht. Stefan Sauer
Neubrandenburg ·

Der Neubrandenburger Prozess gegen einen ehemaligen SS-Sanitäter aus dem Konzentrationslager Auschwitz verzögert sich weiter. Grund sind zwei medizinische Gutachten für den 96 Jahre alten Beschuldigten, die die Schwurgerichtskammer in Auftrag geben musste, wie ein Sprecher des Landgerichtes am Freitag in Neubrandenburg erklärte.

Dies werde mehrere Wochen dauern. Dem betagten Rentner aus der Nähe von Neubrandenburg wird Beihilfe zum Mord in mindestens 3681 Fällen vorgeworfen. Er war laut Anklage 1944 einen Monat als KZ-Sanitäter in Auschwitz tätig.

In der Zeit sollen 3681 Häftlinge dort in Gaskammern getötet worden sein. Die Verteidigung bestreitet eine Schuld ihres Mandanten. Der Prozess war 2016 zweimal kurz nach Beginn abgebrochen worden.

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Kommentare (7)

Ich gebe Ihnen vollkommen recht! Es reicht jetzt! Die meisten Menschen waren von der damaligen Politik überzeugt. Da ist man auch in die SS eingetreten. Ja freiwillig. Was wäre denn passiert wenn er sich den Befehlen widersetzt hätte?? Er wäre erschossen worden. Und zu dieser Zeit hat dann wohl jeder zugesehen seine eigene haut zu retten.
Und er würde dich schon verurteilt deswegen. Man kann nicht zweimal wegen derselben Sache verurteilt werden. Soviele Ranghöhere saßen nach dem Krieg in öffentlichen Ämtern, so wie viele die bei der Stasi waren. Da schreit kein Hahn nach.
Das ist wirklich ein Schauprozess der demütigt. Wobei ich nicht schönrede was damals alles passiert ist!
Laßt den alten Mann endlich in Ruhe!
Übrigens hoffe ich für alle anderen die für diesen Prozess sind, daß sie keine Eltern, Großeltern haben die in irgendeiner Partei im Krieg, in einem Unternehmen das Kriegslastig war vermerkt sind. Dann sind das womöglich die nächsten denen der Prozess gemacht wird.
Vielleicht werden auch wir in 60 Jahren angeklagt weil wir in der falschen Partei waren......

Im Neubrandenburger Prozess wird ihm eine Anwesenheit in Auschwitz von Mitte August bis Mitte September 1944 zur Last gelegt. Vermutlich gibt es keine aussagekräftigen Prozessunterlagen vom Krakauer Prozess am dortigen Kreisgericht. Vier Jahre Haft war damals das Urteil für seine "SS-Mitgliedschaft" (Mitwisserschaft "am Vernichtungsgeschehen" scheint ihm nicht zur Last gelegt worden zu sein, man fand anscheinend keine geeigneten Zeugen für persönlich nachweisbare Straftaten wie z.B. bei KZ-Aufseherinnen im KZ Ravensbrück, die im Gegensatz zu SS-Mitgliedern die Chance hatten ihre KZ-Tätigkeit jederzeit zu kündigen). SS-Angehörige in ihrer aktiven Zeit waren nicht weltanschaulich harmlos oder Zwangsverpflichtete.

Viele wollen es nicht begreifen weil sie zu dumm sind. Auch nur der Gebäudereiniger in SS Uniform ist für das Morden verantwortlich. Nur durch die vielen kleinen SS Helfer waren die Morde in den KZ Möglich. Und jeder der daran mitgewirkt hat und auch noch lebt hat sich endlich vor Gericht zu verantworten. Das haben die Opfer wenigstens Verdient. Ausreden wie sie waren nur kleine Befehlsempfänger gelten nicht. Den ein Mord War noch nie rechtens. Und gerade in der heutigen Zeit sollten wir sehr wachsam sein das diese Verbrecher und ihre Mitläufer nicht wieder an die Macht kommen.

Man gewinnt den Eindruck ein Staatsanwalt will sich profilieren....
Nachdem man 70 Jahre in beiden deutschen Staaten die wahren Täter in Ämter hievte und Konzerne im Westen sich freikauften.... werden jetzt die letzten und kleinsten Dienstgrade gejagt.
Übrigens der Dienst bei der SS war nicht immer freiwillig...
Wie wäre es zum Bspl. alle bis Bj. 1926 unter Generalverdacht zu stellen,
Ich kann jedem empfehlen mal in der eigenen Familie zu forschen... wer wann was machte.... die WAST ist da hilfreich.

Genauso und nicht anders. Gut geschrieben! Daumen hoch!

Hubert Z. kam 1940 freiwillig in die SS. Bis 1942 war er in der SS-Division "Wiking" bzw. später SS-Panzergrenadier-Division „Wiking“. Grundsätzlich wurden zuverlässige Leute für die KZs ausgewählt, die loyal waren und den Mund hielten. Im KZ Auschwitz neben dem Krematorium auf der anderen Straßenseite war jeder SS-Aufseher, SS-Wachpersonal, SS-Sanitäter oder SS-Fensterputzer ein bekennendes Rädchen im System. Wöchentlich, öffentlich verschwiegener Massenmord (Gerichtsurteile gibt es keine weil Diktatur) von Zivilisten per Gaskammer und Krematorium - und sei es "nur" als SS-Rottenführer bzw. SS-Unterscharführer im KZ - bleibt mindestens Beihilfe zum Massenmord.

Doch noch jemand mit Verstand in diesem Land. Danke für den Beitrag mit den Fakten. Leider haben dieeisten in der Schule nicht aufgepasst und waren ehr abwesend im Geschichtsunterricht.