RISIKOGEBIETE

Quarantäne-Pflicht in MV gilt längst nicht für alle

Wer aus einem Risikogebiet nach Mecklenburg-Vorpommern reist, muss einen negativen Corona-Test vorweisen und dann trotzdem in Quarantäne. Es gibt aber viele Ausnahmen.
Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern (Archivbild)
Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern (Archivbild) Jens Büttner
Schwerin.

Reisende, die aus Risikogebieten kommen und nach Mecklenburg-Vorpommern wollen, müssen einen negativen Corona-Test vorlegen können und dann trotzdem wenigstens fünf Tage in Quarantäne bleiben, bis ein zweites Testergebnis vorliegt. Erst dann dürfen sie ihre Unterkunft verlassen.

Das hat Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in Schwerin klargestellt. Für diese Regel gibt es aber eine Reihe von Ausnahmen, die nun mit einer neuen Quarantäneverordnung beschlossen worden sind. Sie gilt ab sofort.

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Kernfamilie muss nicht in Quarantäne

So sind die Mitglieder der sogenannten Kernfamilie (Eltern, Kinder, Enkel oder Großeltern) grundsätzlich davon ausgenommen. Enkel in Berlin dürfen also weiter die Großmutter in Röbel besuchen. Auch Personen, die einen Nebenwohnsitz oder Zweitwohnsitz in MV haben, müssen nicht in Quarantäne, wenn sie aus einem Risikogebiet einreisen.

Weiterhin gilt dies für Menschen aus MV, die für eine medizinisch notwendige Operation oder eine Reha-Maßnahme außerhalb des Landes reisen. In den Einrichtungen werde sowieso getestet, so Glawe. Dies gilt auch für Menschen, die beispielsweise eine pflegebedürftige Person bei der Reise begleiten.

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Pendler und Studenten

Auch Schüler, Studenten oder Auszubildene, die in andere Städte außerhalb des Landes pendeln müssen, sind von der Quarantänepflicht ausgenommen. Menschen, aus MV zur Arbeit in ein Risikogebiet reisen, müssen eine Bescheinigung des Dienstherren, des Arbeit- oder Auftraggebers vorlegen können. Handwerker, die für einen Auftrag nach MV reisen, müssen auch nicht in Quarantäne.

„Wir haben es uns nicht leicht gemacht, eine Verordung auf den Weg zu bringen die allen Anforderungen gerecht wird”, sagte Glawe bei einer Pressekonferenz im Anschluss nach der Kabinettssitzung in der Staatskanzlei.

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Corona-Bürgertelefon wird wieder hochgefahren

Vorangegangen waren große Irritationen in den vergangenen Tagen, was das Reisen aus Risikogebieten nach MV betrifft. Berlin ist zum Start der eigenen Herbstferien zum Corona-Risikogebiet erklärt worden, viele Touristen standen plötzlich vor der Frage, ob sie nach Mecklenburg-Vorpommern in den Urlaub reisen dürfen, oder nicht.

Der Landesregierung fiel es zunächst schwer, die eigenen Vorschriften zu erläutern, weswegen ein Erlass von Freitag am Sonntag schon wieder überarbeitet werden musste.

„Wir haben gemerkt, dass viele Bürger Fragen hatten und wollen die Kommunikation verbessern”, kündigte daher Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) an. Die Kritik, die es in den vergangenen Tage gegeben habe, nehme man ernst.

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Als erster Schritt werde laut Schwesig etwa wieder ein Bürgertelefon für Bürgerfragen im Innenministerium hochgefahren und soll wieder so erreichbar sein, wie zu Beginn der Pandemie. „Wir werden schauen, wie wir in der Staatskanzlei die Kommunikation nach außen verstärken können”, sagte die Ministerpräsidentin in der Pressekonferenz. „Wir brauchen klare Regeln und klare Kommunikation.”

Schwesig: „Wir stecken immer noch mitten in einer Pandemie.”

Schwesig forderte die Bürger im Land erneut auf, sich an die bestehenden Corona-Reglen zu halten: „Wir stecken immer noch mitten in einer Pandemie. Niemand kann erwarten, dass alles normal weiter läuft.” Der Staat könne nicht gleichzeitig seinen Bürgern alles ermöglichen und gleichzeitig seine Bürger schützen.

„Ich erlebe, dass die Mecklenburger und Vorpommern die Regeln in ganz großem Maße mittragen”, so Schwesig. An die wenigen, die dies nicht täten, sagte sie: „Bitte tragen auch sie Verantwortung, niemanden zu gefährden.” Sie wisse, dass manche Maßnahmen wie die Maskenpflicht anstrengend seien und nicht jeder damit einverstanden ist, so Schwesig. Dies sei aber aktuell nicht zu ändern.

5 Millionen Touristen im Sommer

Im Sommer haben nach Angaben der Landesregierung rund fünf Millionen Urlauber Mecklenburg-Vorpommern besucht. Das sind mehr als drei Besucher pro Einwohner.

Die Branche könne „sicheren Tourismus” anbieten, so Schwesig. Um dies auch weiter gewährleisten zu können, dürften die Maßnahmen jetzt nicht gelockert werden.

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