in den 1980er Jahren hatten Unterwasserarchäologen die Reste des fast 30 Meter langen Wracks der „Dispatch” u
in den 1980er Jahren hatten Unterwasserarchäologen die Reste des fast 30 Meter langen Wracks der „Dispatch” untersucht. Roland Obst, archaeomare
Marinehistoriker Egbert Lemcke von der Deutschen Gesellschaft für Schiffahrts- und Marinegeschichte zeigt in der neuen Au
Marinehistoriker Egbert Lemcke von der Deutschen Gesellschaft für Schiffahrts- und Marinegeschichte zeigt in der neuen Ausstellung Funde, die seinerzeit aus dem Wrack der „Dispatch” geborgen wurden. Sommer
Rund um Rügen und Hiddensee liegen mehr als 350 Wracks auf dem Meeresgrund, wie diese Karte in der Ausstellung dokumentie
Rund um Rügen und Hiddensee liegen mehr als 350 Wracks auf dem Meeresgrund, wie diese Karte in der Ausstellung dokumentiert. Sommer
Auch mehrere Tonpfeifen wurden aus dem Wrack der „Dispatch” geborgen.
Auch mehrere Tonpfeifen wurden aus dem Wrack der „Dispatch” geborgen. Sommer
Ausstellung

Rätsel über Wrack vor der Insel Rügen gelöst

Es dauerte viele Jahrzehnte, bis das Rätsel eines mysteriösen Schiffwracks vor der Insel Rügen gelöst war. Nun erzählt eine Ausstellung, warum das Schiff kenterte und was sein Ziel war.
Kap Arkona

Fast 60 Jahre ist es her, als Rügener Badeurlauber im Flachwasser, keine 300 Meter vom Strand von Varnkevitz am Kap Arkona entfernt, ein rätselhaftes Wrack entdeckten. 1972 wurde der Fregattenkapitän Horst Förster vom Kulturhistorischen Museum Stralsund mit Tauchuntersuchungen beauftragt. Und es sollte noch einmal mehrere Jahrzehnte dauern, bis sein Sohn Thomas als inzwischen anerkannter Unterwasserarchäologe den Fund genauer inspizierte, spektakuläre Fundstücke barg und das rätselhafte Wrack eindeutig identifizierte.

Ausstellung in 30 Meter langen Röhre

Inzwischen steht fest, dass es sich bei dem fast 30 Meter langen Schiff um die russische Brigg „Dispatch“ handelte, die in der Sturmnacht zum 6. Oktober 1805 in der Brandung vor Kap Arkona gestrandet war. Es folgten viele Recherchen, in denen Förster und deutsche Marinehistoriker spannende Details zum Schicksal der russischen Brigg und ihrer 130-Mann-Crew ans Licht brachten.

Ab Samstag beleuchtet eine ansprechende Ausstellung in einer etwa 30 Meter langen Röhre des ehemaligen Marineführungsbunkers am Kap spannende Hintergründe zur Strandung im Norden von Rügen, aber auch zur gesamten russischen Landungsoperation an der damals Schwedisch-Pommerschen Küste.

20.000 Russen gegen Napoleons Truppen

Seinerzeit sollten im Rahmen der 3. Koalition von England, Schweden, Russland und Österreich mit einem Landungsverband von über 160 Schiffen insgesamt rund 20.000 Mann russischer Kampftruppen gegen die vorrückenden Napoleonischen Truppen herangeführt werden.

Die „Dispatch“ sei im Rahmen dieser Operation das Führungsschiff eines aus 26 Handelsschiffen bestehenden Teilkonvois gewesen, der von Riga nach Rügen Kosakentruppen verlegen sollte, sagt Egbert Lemcke von der Deutschen Gesellschaft für Schiffahrts- und Marinegeschichte.

Geführt wurde dieser Teilkonvoi von einem Konteradmiral Gawriil Andrejewitsch Sarytschew (1763–1831), der sich auch einen Namen als international anerkannter Hydrograf gemacht hatte und dessen Wirken in der Ausstellung ausführlich beleuchtet wird. Sarytschew, der sich auch in jener Nacht an Bord der „Dispatch“ befand, hatte die Ereignisse über den gesamten Verlauf der Überfahrt bis zur dramatischen Strandung vor Varnkevitz akribisch dokumentiert. Zu lesen ist in seinen Aufzeichnungen, dass damals der Schiffsarzt in die tobende Flut gesprungen war und es ihm gelang, Kontakt zu den Insulanern herzustellen.

Rügens Bewohner halfen den Schiffbrüchigen

Sarytschew hatte sich seinerzeit sehr wohlwollend über die Einheimischen geäußert und dem damals herrschenden Klischees von Wegelagerern und Wrackplünderern widersprochen. Sofort nachdem die Bewohner Rügens vom Schiffsunglück erfuhren hätten, seien sie zu Hilfe gekommen, erinnerte er sich später: „Ich muss billigerweise den Einheimischen meine Dankbarkeit ausdrücken: Sie haben uns in jeglicher Weise in unserer Notlage geholfen, nicht nur bei der Rettung von Menschen während des Schiffsunglücks selbst, sondern sie nahmen uns auch mit herzlicher Bereitschaft in ihren Häusern auf, sie gaben uns allen, selbst den Bediensteten, anstelle unserer durchnässten Kleidung ihre eigene und sie verpflegten uns.“

In der mit öffentlichen Zuschüssen geförderten Dauerausstellung sind originale Fundstücke aus dem Wrack, von dem inzwischen nur noch eine Rumpfschale existiert, zu sehen. Darunter befinden sich diverse russische Kurantmünzen, Reste von Meißener Porzellangefäßen, ein Ballastbarren, eine große Anzahl von Tonpfeifen, Teile von Brandweinflaschen, ein filigraner Abdruck eines russisch-orthodoxen Umhängekreuzes sowie eine Vielzahl verschiedener Kanonenkugeln.

Moderne Schiffbautechnologie

Recherchiert haben die Ausstellungsmacher auch die Geschichte der „Dispatch“, die 1795 bei der britischen Bauwerft Samuel Nicholson in Chatham bei London im Auftrag der russischen Zarin Katharina II. (1729-1796) gebaut wurde. „Die Russen setzten seinerzeit beim Aufbau ihrer Marine insbesondere auf die damals fortschrittliche englische Schiffbautechnologie,“ sagt Lemcke. Nicht ganz uneigennützig hatten die Briten in jener Zeit auch die Baupläne weiterer Kriegsschiffe an Russland übertragen, wie aus russischen Quellen zu ersehen ist. „Auch insofern eröffne uns das Wrack den Blick in eine Zeitkapsel einer gemeinsamen jahrhundertealten europäisch-russischen Marinegeschichte”, sagt Lemcke.

Zeitgleich dazu ist jetzt im Bunker auch eine neue Ausstellung über die Geschichte von Seezeichen in der Ostsee zu sehen. Geöffnet sind die beiden Ausstellungen täglich von 11 bis 16 Uhr. Der Eintritt kostet 8,50 Euro.

 

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