Lars Kaderali, Bioinformatiker, berät die Schweriner Landesregierung bei der Corona-Politik.
Lars Kaderali, Bioinformatiker, berät die Schweriner Landesregierung bei der Corona-Politik. Stefan Sauer
Corona-Maßnahmen

Regierungsberater findet Hospitalisierungsinzidenz „komplett ungeeignet”

Der Greifswalder Bioinformatiker Lars Kaderali benennt zwei Probleme, die sich aus der Nutzung der wichtigsten Maßzahlen zur Steuerung der Corona-Maßnahmen ergeben.
dpa
Greifswald

Der Greifswalder Bioinformatiker Lars Kaderali hat eine der aktuell wichtigsten Maßzahlen zur Steuerung der Corona-Maßnahmen kritisiert. Die Hospitalisierungsinzidenz halte er für „komplett ungeeignet”, sagte der Leiter der Bioinformatik der Universitätsmedizin Greifswald. Auch die Landesregierung sehe den Wert zur Steuerung kritisch. „Das kommt ja vom Bund”, sagte Kaderali, der die Schweriner Landesregierung bei der Corona-Politik berät.

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Bund und Länder hatten sich auf den Wert als wichtiges Kriterium für die Verschärfung der Corona-Regeln geeinigt. Als Grundlage dient die Sieben-Tage-Hospitalisierungsinzidenz, die angeben soll wie viele Menschen je 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen mit Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert worden sind.

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Ein Problem sei der teilweise riesige Meldeverzug, sagte Kaderali. „Die Krankenhäuser kommen mit Meldungen nicht nach.” Dadurch hinke der ausgewiesene Wert mehrere Tage hinterher und bilde nicht das reale Geschehen in den Krankenhäusern ab. „Das zweite Problem ist, dass die Hospitalisierungsinzidenz ja nur die Neuaufnahmen in die Krankenhäuser berücksichtigt.”

Es fließe nicht mit ein, wie lange die Menschen auf Station liegen. Bei der aktuellen Welle kämen vermehrt junge Menschen, die länger in den Krankenhäusern liegen und auch die Intensivstationen länger belasten. Das bilde die Hospitalisierungsinzidenz aber nicht ab.

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Kaderali plädiert weiter für die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen je 100.000 Einwohner als Maßstab. „Die ist immer noch sehr, sehr stark gekoppelt an das, was in den Krankenhäusern passiert.” Man könne mit ihr sehr genau vorhersagen, was zwei Wochen später in den Krankenhäusern passiert. „Und es ist halt vor allen Dingen auch ein Frühwarnindikator, der rechtzeitig anschlägt.” Die Hospitalisierungsinzidenz werde erst rot, wenn die Krankenhäuser schon jenseits von Gut und Böse seien. Wenn man dann reagiere, dauere es nochmals, bis die Maßnahmen anschlagen.

In Mecklenburg-Vorpommern greifen seit Donnerstag 2G-plus-Regeln – also abgesehen von Ausnahmen Zutritt nur noch für Geimpfte und Genesene mit negativem Corona-Test in einigen Bereichen. Maßgeblich für die Einführung war, dass die landesweite Hospitalisierungsinzidenz zuletzt über 6,0 lag.

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