:

Region am stärksten betroffen

Tierärzte in der Region Neubrandenburg haben landesweit die größte Menge an Antibiotika verordnet.
Tierärzte in der Region Neubrandenburg haben landesweit die größte Menge an Antibiotika verordnet.
Andreas Gebert

Gefährden zu viele Medikamente das gute Essen? Tierärzte sehen in besseren Haltungsbedingungen die Chance, mit weniger Antibiotika auszukommen. Das Landwirtschaftsministerium behält die Mäster im Blick.

„Die Geheimniskrämerei muss aufhören. Zahlenspielereien helfen uns wenig“, fasst Arndt Müller, Agrarexperte der Landtagsfraktion der Grünen, zusammen. Auch aus dem ersten Bericht des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gehe nicht hervor, wo welche Antibiotika in der Tiermast eingesetzt werden, bemängelt er. Klarheit sei aber wichtig, um die Gesundheitsgefährdung bei Menschen einschätzen zu können. Die massenhafte Verwendung von Antibiotika bei Tieren gilt auch als Auslöser dafür, dass die Wirkstoffe bei Menschen unter Umständen nicht mehr anschlagen.

Dem Bericht zufolge haben Tierärzte in der Region Neubrandenburg landesweit die größte Menge an Antibiotika verordnet. So wurden im Jahr 2011 im Postleitzahlgebiet 17 nach Angaben des Bundesamtes 28,4 Tonnen dieser Medikamente abgegeben. Im Bereich Schwerin lag der Wert bei 14,4 Tonnen und entlang der Küste bei 7,1 Tonnen. Deutschlandweit gingen insgesamt 1700 Tonnen Antibiotika an gewerbliche und private Tierhalter.

Allerdings sei der Anteil der modernen Antibiotika, die in erster Linie bei der Behandlung von Menschen zur Anwendung kommen, sehr gering gewesen, informiert das Bundesamt weiter. Diese Aussage decke sich mit den Beobachtungen des Landwirtschaftsministeriums, sagt Sprecherin Birgit Hamm. Seit zwei Jahren verfolge die Behörde den Einsatz von Antibiotika in der Geflügelmast in MV. 2011 war bei einer Untersuchung festgestellt worden, dass bei 33 von 34 Putenmästern in den Ställen Antibiotika zum Einsatz kommen. Daraus hatte Agrarminister Till Backhaus die Forderung abgeleitet, dass Stallhygiene und Tierhaltung verbessert werden müssten.

Während Grüne und BUND insbesondere der Tierhaltung in großen Stallanlagen der Schuld am Einsatz der Antibiotika geben, verneint Rolf Pietschke, Präsident der Tierärztekammer MV, einen solchen Zusammenhang. „Der Verwendung der Medikamente hat mit der Stallgröße nichts zu tun“, stellt er fest. Es gebe hervorragend gehaltenes Vieh in großen wie in kleinen Ställen ebenso wie vernachlässigte Tiere in großen und kleinen Anlagen. Grundsätzlich gelte: Je besser die Haltungsbedingungen, desto weniger Tiere würden krank.

Für wenig aufschlussreich hält Martin Piehl, Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbandes, den ersten Antibiotika-Bericht des BVL. Die unterschiedliche Verteilung der Viehbestände in Deutschland spiegle sich in den regional verwendeten Mengen wider. „Jeder, der mit hochbrisanten Substanzen wie Antibiotika umgeht, muss sich seiner Verantwortung bewusst sein“, verlangt Piehl weiter.