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Reisende müssen das Leben in vollen Zügen genießen

Bei schönem Wetter wird es voll: Wenn die Sonne an den Strand lockt, kommen manchmal nicht alle mit. Foto: Daniel Karmann
Bei schönem Wetter wird es voll: Wenn die Sonne an den Strand lockt, kommen manchmal nicht alle mit. Foto: Daniel Karmann
Daniel Karmann

Die Sonne scheint, es wird warm und viele Menschen zieht es im Nordosten an die Ostsee. Wer sein Auto ganz umweltbewusst stehen lassen möchte, erlebt am Bahnsteig eine böse Überraschung.

Fahrgäste und Fahrradfahrer müssen an Bahnsteigen zurückbleiben, Züge kommen zu spät, weil sie zu lange im Bahnhof stehen. Dabei läuft die Werbung weiter auf Hochtouren, statt mit dem Auto mit Zug und Rad in die Natur zu fahren. 150 bis 200 Prozent Auslastung hat der Deutsche Bahnkunden-Verband (DBV) für die Linien RE 3 (Berlin-Stralsund) und RE 5 (Berlin-Neustrelitz-Waren-Rostock) festgestellt.

Der Grund: Am ersten sommerlichen Wochenende wollten viele Menschen aus den Städten in den Nordosten. Das verkraftet der Regionalverkehr auf der Strecke kaum. Und dabei sind seit Ostern alle Züge auf den Strecken schon als Doppelstockwagen unterwegs und mit einem fünften Wagen ausgestattet. Der soll mehr Stellfläche für Ausflügler mit Fahrrädern bieten.

Genutzt hat das laut DBV aber bisher nichts: „Wenn sich auf acht Sitzplätzen und dem Mittelgang 22 Personen mit Gepäck aufhalten, stimmt etwas mit der Qualität nicht“, so Michael Hasse, Landesvorsitzender vom DBV Berlin-Brandenburg.

Michael Hasse schlägt vor, am Wochenende genauso viele Züge fahren zu lassen wie unter der Woche. „Da ist natürlich die Frage, ob dafür genügend Personal zu Verfügung steht.“ Das Verkehrsministerium Mecklenburg-Vorpommern merkt dazu an, dass die Leistungen für den Nahverkehr in langjährigen Verkehrsverträgen geregelt werden: "Solche Verträge sind nötig, um den Verkehr für beide Seiten planbar zu machen. Aus diesem Grund kann nicht bei vermuteten kurzfristigen Mehrbedarf ein Wagen mehr angekoppelt werden", so Juliane Schultz.

 

Dem zuständigen Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg sei bekannt, dass an Sommerwochenende viele Menschen ins Freie wollen, so Sprecherin Elke Krokowski. „Deshalb wurde auf den Linien RE 3 und 5 in der Ausflugssaison auch jeweils ein zusätzlicher Entlastungszug bestellt.“ Auch der Warnemünde-Express trage zur Entspannung bei. So verheerend wie der DBV die Situation darstelle, sei es noch lange nicht, sagt Elke Krokowski. Konkrete Beschwerden von Fahrgästen haben die VBB noch nicht erreicht.

Einen oder zwei weitere Züge in Zeiten höchster Nachfrage fordert der DBV. Bezahlen ließe sich das ganz leicht, so Hasse. Der DBV schätzt, dass sich durch die Bahn-Streiks der vergangenen Monate Millionenbeträge bei den Bundesländern angesammelt haben. „Dadurch, dass die Züge nicht gefahren sind, mussten die Länder auch nicht dafür bezahlen“, erklärt Hasse. Hier greift jedoch wieder die langjährige Planung, die verhindert, dass auf kurzfristige Ausschläge eingegangen werden kann.

Und auch die finanzielle Situation sieht nicht rosig aus. Kostensteigerungen und knapper werden Mittel für den Fernverkehr müssen effizient umgesetzt werden. "Ein zugegebenermaßen zu geringes Fernverkehrsangebot auf der Strecke kann aufgrund der finanziellen Situation des Landes nicht gestützt werden", so Schultz.