Hilfsfristen überschritten

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Rettungsdienst auf dem Land zu langsam

„Bei Einsätzen mit Notarztindikation lag die Eintreffzeit 2016 in 17,8 Prozent der Fälle sogar über der gesetzlich vorgeschriebenen maximalen Frist von 15 Minuten", so Matthias Manthei von der BMV-Fraktion. 
„Bei Einsätzen mit Notarztindikation lag die Eintreffzeit 2016 in 17,8 Prozent der Fälle sogar über der gesetzlich vorgeschriebenen maximalen Frist von 15 Minuten”, so Matthias Manthei von der BMV-Fraktion.
Stephan Jansen

Im medizinischen Notfall zählt jede Sekunde – doch in MV braucht der Notarzt mitunter länger als 15 Minuten zum Patienten.

Es sind Zahlen mit Sprengkraft, die aus den Antworten der Landesregierung auf eine Anfrage der oppositionellen BMV-Fraktion (Bürger für Mecklenburg-Vorpommern) hervorgehen. „Bei Einsätzen mit Notarztindikation lag die Eintreffzeit 2016 in 17,8 Prozent der Fälle sogar über der gesetzlich vorgeschriebenen maximalen Frist von 15 Minuten. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim wird die Frist besonders drastisch verfehlt: In 49,8 Prozent – also bei jedem zweiten Einsatz – der Fälle brauchte der Notarzt länger als 15 Minuten zum Patienten“, berichtete Matthias Manthei von der BMV-Fraktion.

Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte kamen 18,2 Prozent der Notarztwagen außerhalb der 15-Minuten-Frist beim Patienten an, im Landkreis Vorpommern-Greifswald waren es 19,3 Prozent. Die Daten zeigten, dass die Rettungsdienstversorgung unseres Landes ungenügend sei, sagte Manthei – und ergänzte: „Statt das Problem zu lösen, will die Landesregierung nun an der Berechnung der Hilfsfrist schrauben. In Fällen, in denen ein Notarzt nötig ist, soll nach ihrem Willen in Zukunft ein Rettungswagen ausreichen, der telemedizinisch aufgerüstet ist. Damit sollen die Eintreffzeiten des Notarztes schöngerechnet werden. Diese Trickserei ist verantwortungslos.“

Vor diesem Hintergrund lehne die BMV-Fraktion laut Manthei einen aktuellen Gesetzentwurf ab, der die Telemedizin zum „Frisieren der Hilfsfristberechnung missbrauchen will“. Die BMV-Fraktion kündigte an, zur kommenden Landtagssitzung einen Änderungsantrag einzubringen, um das Vorhaben der Landesregierung zu verhindern.

Insgesamt stieg die Zahl der Rettungseinsätze in MV von 2015 bis 2016 um zwei Drittel auf gut 123.000. Davon wurden 66,4 Prozent in der gesetzlich fixierten Ankunftsfrist von 10 Minuten absolviert, 33,6 Prozent lagen somit über der Zeitvorgabe. Die wenigsten Fristüberschreitungen gab es den Erhebungen zufolge in Rostock mit 12,2 Prozent.