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Bei 181.433 Einsätzen im Jahr 2020 lag die durchschnittliche Hilfsfrist in MV nach Auskunft des Gesundheitsministeriums bei 9 Minuten und 36 Sekunden. Boris Roessler
Ministerin mahnt

Rettungswagen müssen zu oft für Lappalien ausrücken

Nirgends müssen die Rettungswagen so weite Wege zurücklegen wie in Mecklenburg-Vorpommern. Umso ärgerlicher, wenn sich das ganze am Ende als Fehlalarm herausstellt.
Schwerin

Mit Nachdruck hat Gesundheitsministerin Stefanie Drese zu einer „besseren Abwägung bei Notrufen“ gemahnt. „Die Rettungskräfte sind ein zentraler Bestandteil der Gesundheitsversorgung in unserem Land. Häufig müssen die Einsatzkräfte unter hohem Druck und nah an der Belastungsgrenze arbeiten. Es muss deutlich werden, dass der Rettungsdienst nur in echten Notfällen gerufen werden sollte“, betonte die SPD-Politikerin.

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Es gebe zwar keine gesetzliche Grundlage für die statistische Erhebung von Fehlalarmen beziehungsweise Fehleinsätzen, so das Ministerium auf Nachfrage – aber: Gerade jene Fälle, die zwar behandlungsbedürftig seien, jedoch nicht durch den Rettungsdienst behandelt werden müssten, würden Kapazitäten binden, die gegebenenfalls für einen wirklichen Notfall nicht oder verspätet zur Verfügung stünden.

Als Orientierung nannte Drese „gute Gründe für einen Notruf über die 112“. Zu diesen zählten akute und möglicherweise lebensbedrohliche Lagen wie Bewusstseinsstörungen, akute Atemnot, allergische Schockzustände, unkontrollierbare Blutungen, Seh- und Sprachstörungen, Lähmungen, heftige Brust-, Bauch- oder Rückenschmerzen sowie schwere Unfälle und Knochenbrüche.

Bei nicht lebensbedrohlichen Erkrankungen, die aber trotzdem nicht bis zur nächstmöglichen Sprechstunde warten könnten, könne laut Ministerin der kassenärztliche Notdienst unter 116 117 konsultiert werden. Zufrieden zeigte sich Drese, dass der sogenannte „Spaßanruf“ kaum noch vorkomme: „Die Nummern könnten nachverfolgt werden und die Leitstellen nehmen diese Verfolgung sehr ernst“.

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Die Mahnungen der Ministerin haben einen ernsten Hintergrund: Mecklenburg-Vorpommern tut sich als besonders dünn besiedeltes Flächenland mitunter schwer damit, die sogenanten Hilfsfristen einzuhalten – also die Zeit, die ein Rettungswagen und ein Notarzt maximal benötigen dürfen, bis Hilfe da ist. Dass es in MV bei diesem Thema Probleme gibt, ist seit Jahren bekannt. Die Rettungsdienste gehören zu den Aufgaben der Landkreise. In mehreren ist der Bau neuer Rettungswachen geplant, weil die durchschnittlichen Hilfsfristen zu lang sind.

Im städtischen Bereich soll in 95 Prozent der Einsätze und im ländlichen Bereich in 90 Prozent der Einsätze die maximale Hilfsfrist – also die Zeit zwischen Alarmierung und Eintreffen des Rettungswagens am Einsatzort – von 15 Minuten nicht überschritten werden. Als städtischer Bereich gelten Ortschaften ab 20.000 Einwohnern.

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Bei den 181.433 Einsätzen im Jahr 2020 lag die durchschnittliche Hilfsfrist in MV nach Auskunft des Ministeriums bei 9 Minuten und 36 Sekunden. Doch der Durchschnitt sagt wenig darüber aus, in wie vielen Fällen es – womöglich sogar deutlich – länger dauert.

Eine Möglichkeit zur Verbesserung der Situation sieht das Gesundheitsministerium in der Telemedizin. Bisher gibt es die Telemedizin, also einen zugeschalteten Notarzt, in den Kreisen Vorpommern-Greifswald und Vorpommern-Rügen.

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