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Rief SPD-Mann zu Gewalt gegen AfD-Abgeordnete auf?

Facebookpost mit eindeutiger Aussage.
Facebookpost mit eindeutiger Aussage.
Facebook/Bearbeitung: Nordkurier

Ein Juso-Mitglied hat für die künftigen SPD-Abgeordneten die Parole „Nazis aus dem Parlament boxen” ausgegeben. Gemeint waren damit künftige AfD-Abgeordnete. Er will das Ganze allerdings als Satire verstanden wissen.

Nein, es war doch alles gar nicht ernst gemeint: Das beteuert, Yannick van de Sand, Mitglied des Greifswalder Stadtverbands der SPD-Jugendorganisation Jusos, als der Nordkurier ihn auf einen aktuellen Facebook-Post von ihm anspricht. Darin nahm van de Sand, der sich derzeit federführend im Wahlkampf von SPD-Direktkandidat Heiko Miraß engagiert, indirekt Bezug auf ein Zitat von SPD-Mann Sigmar Gabriel, der vor Kurzem gesagt hatte, nach der Bundestagswahl würden „zum ersten Mal nach 1945 im Reichstag am Rednerpult echte Nazis stehen”.

„Um diese Subjekte mit der nötigen Konsequenz kümmern”

Van de Sand erinnerte nun in seinem Post an eine Episode aus dem Jahr 1950, als der SPD-Abgeordnete Herbert Wehner gemeinsam mit Fraktionskollegen einen rechten Abgeordneten der Deutschen Partei nach einer antisemitischen Rede verprügelt hatte. Dazu schrieb van de Sand: „Hoffentlich gibt es in der nächsten Legislaturperiode auch Abgeordnete mit dem Format von Herbert Wehner im Bundestag, die sich um diese Subjekte mit der nötigen Konsequenz kümmern.” Garniert ist das Ganze mit dem Hashtag: „#NazisausdemParlamentboxen”. Der frühere SPD-Landesgeschäftsführer Marcus Unbenannt und der Greifswalder Juso-Vorsitzende Johannes Barsch verbreiteten den Post zustimmend weiter.

Auf Nordkurier-Anfrage reagierte van de Sand reumütig: „Ich hätte vielleicht etwas deutlicher erkennbar machen müssen, dass es sich um Satire handelt”, sagt er. Selbstverständlich würde er niemals ernsthaft zu Gewalt gegen Andersdenkende aufrufen: „Das ist nicht unsere Form der politischen Auseinandersetzung.” Er hoffe in der Tat, dass sich die SPD-Fraktion im Bundestag konsequent gegen die künftige AfD-Fraktion stellen werde: „Aber die Vorstellung dass Thomas Oppermann deswegen Frauke Petry oder Alexander Gauland verprügelt, ist doch wirklich völlig widersinnig und das weiß auch jeder.” Für ihn sei deswegen klar, dass sein Facebook-Post nicht ernst gemeint war. Inzwischen hat der den Post allerdings gelöscht.

Screenshot

Jusos störten schon Wahlkampf von CDU und AfD in Neubrandenburg

Van de Sand selbst hatte im Wahlkampf allerdings durchaus schon zu rabiaten Methoden gegriffen: Bei Wahlkampfveranstaltungen der CDU mit Horst Seehofer vor einigen Wochen und der AfD mit Björn Höcke am vergangenen Sonnabend gehörte van de Sand jeweils zum Team von SPD-Ständen, die in unmittelbarer Nähe der Konkurrenzveranstaltungen laute Musik abspielten und damit erheblich störten.

Im Falle Horst Seehofers hatte van de Sand diese Störaktion als „legitimes Mittel der politischen Auseinandersetzung bezeichnet.” Am vorigen Wochenende bei der AfD-Kundgebung griff allerdings Direktkandidat Heiko Miraß ein und ließ die Musik am SPD-Stand leiser drehen: „Auch Menschen, die man selbst nicht als Demokraten begreift, sollte man trotzdem ausschließlich mit demokratischen Mitteln bekämpfen”, hatte er zur Begründung gesagt.

Kommentare (1)

Es ist ursprünglich sicherlich nicht als Satire gedacht gewesen. Zur Satire wurde der Gewaltaufruf erst, als Herr Sand merkte, dass es noch Menschen gibt, die sich mit dem Kontext seines geistigen Durchfalls nicht einverstanden zeigen. Mit der Umkehr in angebliche Satire lässt sich halt jede menschliche Verfehlung leicht relativieren.