PROZESS-BEGINN

Rostocker Eltern-Mörder gesteht Tat vor Gericht

Ein 39-Jähriger hat seine schlafenden Eltern brutal getötet. Der Gerichtsprozess begann mit einem Geständnis und erschreckenden Details.
Der 39-Jährige Eltern-Mörder aus Rostock äußert sich am Dienstag vor Gericht zu seiner Tat.
Der 39-Jährige Eltern-Mörder aus Rostock äußert sich am Dienstag vor Gericht zu seiner Tat. Stefan Tretropp
Die Beamten begleiten den Mann zum Gerichtsprozess.
Die Beamten begleiten den Mann zum Gerichtsprozess. Stefan Tretropp
Rostock.

Aus Wut hat ein 39-Jähriger nach eigenen Angaben am Silvestermorgen 2019 in Rostock seine Eltern umgebracht. Der arbeitslose Fleischer gestand die Tat am Dienstag im Landgericht Rostock. Diese Wut auf seine Eltern habe er schon häufiger in seinem Leben verspürt, sagte er.

Seine Mutter habe ihn häufig erniedrigt, sein Vater ihn oft geschlagen. Nun hätten Sie dem arbeitslose Angeklagten ein Ultimatum zum Auszug aus der gemeinsamen Wohnung gesetzt, was Auslöser für seine Tat gewesen sei. Laut Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte mit einem Hammer auf seinen schlafenden Vater eingeschlagen und dann 21 Mal auf ihn eingestochen haben. Danach habe er seine Mutter mit 41 Stichen getötet. Die Opfer waren 62 und 61 Jahre alt.

Streit mit den Eltern

Der Angeklagte ist der älteste von drei Brüdern und wohnte zum Tatzeitpunkt noch bei seinen Eltern. Einer Beschäftigung ging er seit Jahren nicht mehr nach. Der Bruder des Angeklagten tritt in dem Prozess als Nebenkläger auf. Wie er angab, sei ein Streitthema zwischen Eltern und Angeklagtem gewesen, dass dieser den Auflagen des Hanse-Jobcenters nicht nachgekommen sei und stattdessen gekürzte Leistungen in Kauf genommen habe.

Zum neuen Jahr hätten die Eltern dem Angeklagten deshalb ein Ultimatum zum Auszug aus der Wohnung gestellt. Zu Prozessbeginn gestand der nervös wirkende Angeklagte die Tat, konnte sich an Einzelheiten aber nicht mehr erinnern. Der Zwei-Meter-Riese mit kräftiger Statur hatte bereits ab einem Alter von 14 Jahren erstmals darüber nachgedacht, seine Eltern zu töten.

Mordphantasien

In seinen Phantasien schwebte ihm vor, sie mit der Schaufel zu erschlagen, mit dem Auto zu überfahren oder sie zu vergiften. Vieles habe sich in ihm angestaut. „Ich wurde von meiner Mutter erniedrigt, mein Vater schlug mich regelmäßig“, gab der 39-Jährige an. Er habe stets das Gefühl, nichts wert zu sein, gehabt. „Meine Mutter hat mich nie verteidigt, wenn etwas war“, setzt er seine Erlebnisse fort. Er habe sich von den Erniedrigungen und Schlägen einfach nur Ruhe gewünscht.

„In der besagten Nacht habe ich auf dem Bett gesessen und dann kam diese Wut hoch“, fährt er fort. Alles sei zusammen gekommen: der Streit mit einem der Brüder, der ständige Druck der Eltern, sich um Arbeit zu kümmern und endlich auf eigenen Beinen zu stehen, aus der Familie ausgegrenzt zu sein. „Als mein Bruder einmal aus der Schweiz zu uns kam, gab es Entenbraten, weil er sich das gewünscht hatte. Für mich gab es das nie. Alle haben Ente gegessen, nur ich nicht“, sagte der Angeklagte.

Schwarzarbeit statt Arbeitsangebote

Aufgewachsen bei seinen Großeltern, dann in einer eigenen Wohnung, ein kurzer Ortswechsel zu einer Freundin ins Saarland und wieder zurück nach Rostock in die elterliche Wohnung – so skizzierte der gelernte Industriefleischer sein Leben. „Ich habe mit den Kürzungen vom Amt gelebt“, sagt er. Aus Unterlagen des Jobcenters geht hervor, dass er Arbeitsangebote ablehnte, „weil sie ihm finanziell nicht weiter helfen“ würden.

Das Amt attestierte ihm „keine Motivation und keine Eigenbemühungen“. Er finanzierte sich sein Lotterleben lieber mit Schwarzarbeit – als PC-Spezialist nebenbei – und lebte, wie es das Gericht feststellte, in den Tag hinein und ließ sich von seinen Eltern aushalten. Bei der Tat-Beschreibung wies er Erinnerungslücken auf. Bei seinem Vater könne er sich an nur einen Messerstich erinnern, an den Hammer gar nicht mehr: „Er hat sich gewehrt und mich getreten.“

Suche nach Mord, Elternmord, Doppelmord und Strafe

Nachdem der Vater tot war, wurde die Mutter wach. „Sie machte das Licht an und fragte mich, was ich hier mache“, erinnert sich der Angeklagte. Wie genau er seine Mutter dann tötete – das weiß er heute nicht mehr. Die Erinnerung setzt wieder ein, als beide tot sind, er sich vom ganzen Blut reinigt, Bier trinkt und dann zur Polizei geht, um die Tat zu gestehen.

Ermittler beschlagnahmten seine Festplatte. Am 23. Dezember 2019 suchte der Angeklagte über eine Internet-Suchmaschine nach den Worten Mord, Elternmord, Doppelmord und Strafe. Er las sich laut Gericht zahlreiche Artikel durch, die die Tötung von Eltern thematisieren. „Ich war das nicht, ich habe danach nicht gesucht“, entgegnete er. „Aus heutiger Sicht hätten es meine Eltern nicht verdient gehabt zu sterben. Ich weiß nicht, was das ausgelöst hat“, gibt der 39-Jährige zu Protokoll. Der Prozess geht bereits am Mittwoch weiter.

Dieser Artikel wurde am Dienstag, 30. Juni, aktualisiert.

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