Claus Ruhe Madsen

Rostocks Bürgermeister vergleicht Coronavirus mit einem Löwen

„In Rostock ist ein Löwe am Neuen Markt entlaufen, würdest du noch rausgehen?”, fragt der Rostocker Oberbürgermeister. Und erklärt, warum die Inzidenz in der Hansestadt vergleichsweise niedrig ist.
Rostock

Rostock kommt erstaunlich gut durch die Pandemie. Die Hansestadt meldet seit Monaten die geringsten Corona-Fallzahlen in Mecklenburg und fast des ganzen Landes. Am Sonntag lag die Sieben-Tages-Inzidenz in Rostock bei 33,9, während sie etwa im Kreis Vorpommern-Greifswald bei über 200 lag. Rostocks Bürgermeister Claus Ruhe Madsen wurde schon häufiger gefragt, was in seiner Stadt anders läuft. Kürzlich versuchte er sich beim Thema Coronavirus mit etwas Poesie – und veröffentlichte auf Instagram einen Text, in dem er es mit einem Löwen verglich.

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“In Rostock ist ein Löwe am Neuen Markt entlaufen, würdest du noch rausgehen?”, fragte er und weiter: “Jemanden bringt seinen Löwen mit zum Einkaufen, würdest du Abstand halten?” Der Löwe hole sich an manchen Tagen bis zu 1000 Menschen von Deutschlands Straßen. Dies seien 1000 schwere Schicksale. Jedoch würden einige Menschen behaupten, dass es gar keinen Löwen gebe. Es werde Zeit, den Löwen zu zähmen und aufeinander aufzupassen, so Madsen, der sich in seinem Text bei allen Menschen bedankt, die vernünftig bleiben.

Rostock ging über RKI-Empfehlungen hinaus

Doch natürlich ist es keinem Löwen und auch keinem Löwen-Vergleich zu verdanken, dass die Fallzahlen in Rostock vergleichsweise gering sind. „Ist es von Gott gegeben, oder ist es von Menschen geschaffen? Rostock hat, glaube ich, eine gute Mischung”, versuchte sich Madsen kürzlich in einem Interview mit dem Sender n-tv an einer Beantwortung der Frage. „Wir haben Maßnahmen ergriffen, bevor es Landes- oder Bundes-Vorgaben dazu gab. Wir waren sehr schnell und deswegen relativ zügig in der ersten Welle coronafrei”, erklärte er.

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Zudem sei es in Rostock vom ersten Tag an gelungen, die Kontakt-Ketten zu schließen. „Und wir haben getestet, auch über die Empfehlungen vom RKI hinaus. Gerade am Anfang durften sie ja nur jemanden testen, wenn er im Skiurlaub war oder Kontakt hatte oder bereits schwere Symptome”, so Madsen weiter. „Wir haben bei Rettungs-Personal, Feuerwehr, Polizisten und auch Mitarbeitern der Verwaltung getestet.” Der Rostocker Bürgermeister sieht zudem klare Unterschiede zum Rest der Republik, was etwa die Einschränkung der Kontakte angeht: „Im Herbst haben wir direkt beispielsweise Glühwein-Verkauf verboten. In vielen Ecken Deutschlands war das anders, trotz sehr hoher Inzidenz”, sagte er in dem Interview und kritisierte: „Es ist ein großer Unterschied, ob man Karneval oder Starkbier-Feste noch feiert und denkt, das kann immer noch eingestellt werden.”

Inzidenz im Lockdown höher als davor

Dabei sei man in Rostock auch auf Widerstand gestoßen – nicht nur von Querdenkern. Auch aus der Bundes- und Landespolitik gab es Kritik. „Wir haben vom Ministerium Briefe bekommen, wir mögen das zusätzliche Testen abstellen”, erzählte Madsen. „Dabei hatte Herr Wieler vom RKI in einem Vortrag gesagt, es komme auf die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister an. Wir mögen die Bürokratie über Bord werfen. Es gehe um Leben und Tod. Daraufhin hatte ich eine regionale Firma direkt angesprochen, und wir haben einen Weg gefunden, eine sehr hohe Zahl an Testungen zu ermöglichen. Uns dann aufzufordern, das einzustellen, fand ich wirklich nicht gut”, zeigte sich der Bürgermeister der Hansestadt enttäuscht.

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Dennoch ist Claus Ruhe Madsen offen für Öffnungen im Lockdown. „Es ist meine felsenfeste Überzeugung: Wir müssen einen Weg finden MIT Corona. Die Verantwortung liegt bei jedem Einzelnen”, sagte er n-tv. „Ich habe schon im Oktober angeboten, dass Rostock Pilot sein kann, dass wir hier vieles öffnen – Kultur, Sport, Firmen, aber auch Geschäfte. Wenn wir Kontaktbeschränkungen trotzdem ernst nehmen. Das Interessante ist doch: Während des Lockdowns hat sich die Sieben-Tage-Inzidenz von Rostock verdreifacht. Unsere Zahlen waren deutlich niedriger, als noch alles offen war.”

Öffnung mit Hygiene-Konzepten

Diese scheinbar paradoxe Entwicklung erklärt Madsen so: „Menschen haben auch während des Lockdowns Geburtstag – essen, trinken, sind gesellig. Das findet so oder so statt. Wer sich im Privaten infiziert, sagt beim Gesundheitsamt ja nicht: Ich war mit 40 anderen zusammen und zählt seine Kumpels auf. Dann hat er keine Freunde mehr.” Der Patient erkläre dann, er wisse nicht, wo er sich infiziert habe – und eine Kontaktverfolgung werde so unmöglich.

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Madsen plädiert stattdessen für eine Öffnung mit Hygiene-Konzepten, etwa den bereits bekannten Kontaktlisten in Restaurants oder Online-Terminen für Geschäfte. Aber es gehe nicht allein um die Inzidenz, so der Bürgermeister: „Am Ende ist es nicht wichtig, wie Rostock in Woche 44 oder im Januar mit der Inzidenz dastand. Sondern: Wie viele Menschen sind verstorben? Das ist das, woran wir uns am Ende werden messen müssen.”

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