Claus Ruhe Madsen

Rostocks OB lehnt die Impfpflicht ab – und versteht die Demonstranten

Rostocks parteiloser Oberbürgermeister geriet zuletzt selbst in die Kritik derjenigen, die gegen die Corona-Politik demonstrieren. Dennoch hat er sich nun mit ihnen solidarisiert.
Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen hat Verständnis für die meisten Menschen, die aus Protest gegen di
Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen hat Verständnis für die meisten Menschen, die aus Protest gegen die Corona-Politik in Rostock demonstriert haben. NK-Kombo (dpa-Archiv)
Rostock

Mit einem langen Interview in der Ostsee-Zeitung hat Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen eine Lanze für diejenigen gebrochen, die derzeit aus Protest gegen die Corona-Politik auf die Straße gehen. In Rostock waren zu Wochenbeginn mehr als 10.000 Menschen auf die Straße gegangen, es war an diesem Tag wahrscheinlich bundesweit der Protest mit dem meisten Zulauf.

„Kein Wunder, wenn Menschen sagen: Es reicht”

In dem Gespräch sagte Madsen nun auf die Frage, ob er Verständnis für den Protest habe: „Ich bin nicht überrascht über den Frust.” Die meisten dieser Menschen würden ja nicht auf die Straße gehen, weil sie Unfrieden wollen. Vielmehr seien die "überwiegende Mehrheit” der Protestierenden „ganz normale Leute”. Madsen führte weiter aus: „In vielen Berufen mussten sie zwei Jahre lang weit über 100 Prozent leisten, andere haben bis heute Existenzängste. Da ist es kein Wunder, wenn Menschen sagen, es reicht. Da müssen wir dann nicht auch noch mit Pflicht und Zwang kommen.”

Der Impfplicht erteilte Rostocks Rathaus-Chef im weiteren Gespräch eine klare Absage: „Das hat mit „Gemeinsam gegen das Virus“ nichts mehr zu tun. Das ist ein Spalten – und das ist der falsche Weg. Denn dann kippt die Stimmung – übrigens auch, wenn nicht nachvollziehbare Beschlüsse gefasst werden.” Madsen kritisierte in diesem Zusammenhang auch, dass die Politik in den vergangenen Monaten immer wieder Versprechungen gemacht habe, die später nicht gehalten worden seine.

Impfung abzulehnen, „ist das gute Recht eines jeden Einzelnen”

Zum Thema Impfplicht machte er darüber hinaus deutlich: „Es gibt unterschiedliche Gründe, die Impfung abzulehnen. Und das ist das gute Recht eines jeden Einzelnen. Ich bin geimpft. Sogar schon zum dritten Mal. Aber statt auf Zwang zu setzen, müssen wir den Leuten Angebote machen – und sie motivieren. Im Südstadt-Krankenhaus zum Beispiel haben sich vor einigen Wochen zehn Krankenpfleger plötzlich doch noch impfen lassen. Sie wollten zu einem Helene-Fischer-Konzert gehen. Genau das ist der Punkt: motivieren statt demotivieren.”

Madsen ärgert sich im Zusammenhang mit der aktuellen Corona-Debatte auch darüber, dass die Stadt ihren Weihnachtsmarkt nach langem Hin und Her schließlich doch habe schließen müssen, obwohl es ein funktionierendes Konzept gegeben habe. Der Rostocker Weihnachtsmarkt sei für ihn auf diese Weise zum „Sinnbild” der unglücklichen Corona-Politik geworden. Madsen hatte auch schon in ersten Corona-Jahr 2020 für einen anderen Umgang mit dem Virus plädiert – damals unter anderem zusammen mit Tübingens Grünem Oberbürgermeister Boris Palmer.

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