Infektion an Schulen

Rückendeckung für kontroverse Corona-Tweets der Ministerin

Aussagen der Bildungsministerin zu Infektionen an Schulen sorgen für viel Wirbel. Infektiologe und Regierungsberater Emil Reisinger von der Uni Rostock gibt ihr Recht.
Der Kritik an der Wissenschaftlichkeit ihrer Aussage zum Infektionsgeschehen in Schulen entgegnet MV-Bildungsministerin Simone
Der Kritik an der Wissenschaftlichkeit ihrer Aussage zum Infektionsgeschehen in Schulen entgegnet MV-Bildungsministerin Simone Oldenburg am Freitag mit Wissenschaft. Frank Hormann
Schwerin

Die erste große Problemlage für die neue Bildungsministerin in MV könnte kaum mehr emotional aufgeladen sein. Simone Oldenburg (Linke) will die Schulen im Land trotz Rekordwerten bei Corona-Neuinfektionen und Inzidenzen offen halten. Zu schwer wiegt das Gut der Bildung, zu sehr mussten Schüler im Land bereits unter Schulschließungen während der vorherigen Corona-Wellen leiden, um sie jetzt erneut für Wochen nach Hause zu schicken. „Präsenzunterricht ist die beste Garantie für die Bildungs- und Chancengleichheit der Kinder und Jugendlichen und die beste Grundlage für die psychische Gesundheit unserer Schülerinnen und Schüler“, teilte Oldenburg am Freitag mit.

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Bei Eltern dürfte die Sorge um die Gesundheit ihrer Kinder jedoch mit zunehmenden Infektionszahlen wachsen. Nach aktuellen Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) lag der Wert der Sieben-Tage-Inzidenz in der Altersgruppe der Fünf – bis 14-Jährigen über 950 und damit mehr als doppelt so hoch im Vergleich zur Inzidenz der Gesamtbevölkerung in MV.

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So sah die neue Bildungsministerin sich offenbar gezwungen, Betroffenen Mut zu machen und ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln: „Kein Ort ist so sicher wie die Schulen. Es ist bewiesen, dass die Infektionsrate in der Häuslichkeit vier bis sechs Mal höher ist als in der Schule”, erklärte sie beim Kurznachrichtendienst Twitter und erntete dafür jede Menge Widerspruch. Beispielhaft für mehr als tausend überwiegend negative Rückmeldungen lautete eine Antwort auf den Oldenburg-Tweet: „Da bleibt mir echt die Spucke weg. Wie können Sie die Inzidenzen der Gruppe der schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen ignorieren? Sicherer Ort?! Natürlich ist Unterricht in Präsenz das Non-plus-Ultra. Aber nicht um jeden Preis.”

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Die Bildungsministerin hat offenbar keine Ahnung vom Infektionsgeschehen in den Schulen, ist vielen weiteren Antworten zu entnehmen. Der Kritik an der Wissenschaftlichkeit ihrer Aussage entgegnete Oldenburg am Freitag mit Wissenschaft und schickte den Regierungsberater und Infektiologen Emil Reisinger von der Universitätsmedizin Rostock vor: In einer Pressemitteilung des Bildungsministeriums verteidigt er Oldenburgs Vergleich von Infektionen in Schulen und Zuhause. Dass die Infektionsrate in der Häuslichkeit sich auf einem vier bis sechs Mal höheren Niveau bewege als in der Schule, „ist nach jetzigem Kenntnisstand auch richtig“, so Reisinger.

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Untersuchungen für das Projekt Schugi-MV, das laut Bildungsministerium die Schulöffnung unter Corona-Pandemiebedingungen in Mecklenburg-Vorpommern wissenschaftlich begleitet, haben laut Reisinger ergeben, „dass in Schulen durchschnittlich ca. 5 Prozent der Klassenkameradinnen und Klassenkameraden von infizierten Kindern positiv getestet werden. Bei Haushaltskontakten ist dieser Wert wesentlich höher.“

Dennoch hatte Bildungsministerin Oldenburg bereits eine Art Schulschließung light verkündet: Am 20. und 21. Dezember müssen Schüler sich zum Lernen nicht in Klassenräumen einfinden. Aufgaben werden mit nach Hause gegeben. Zudem werde für Kinder bis Klassenstufe 6 eine Notbetreuung eingerichtet, heißt es aus dem Bildungsministerium.

Die Aufhebung der Präsenzpflicht an den beiden Tagen vor den Weihnachtsferien soll jedoch nicht als Kapitulation vor zunehmenden Infektionen verstanden werden. Stattdessen soll die Maßnahme „eine Entlastung für Gesundheitsämter und Lehrkräfte” bringen, wie ein Ministeriumsprecher am Freitag auf Nordkurier-Anfrage sagte.

 

 

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