NICHT MEHR REGIONAL

Rügener Badejunge wird boykottiert

Der Rügener Badejunge wird nicht mehr auf der Insel Rügen produziert. Darüber sind nicht nur Verbraucher sauer, auch im Handel regt sich Widerstand.
Nordkurier Nordkurier
Nicht mehr regional: Auf der Insel Rügen gibt es Unmut darüber, dass der Rügener Badejunge jetzt in Thürin
Nicht mehr regional: Auf der Insel Rügen gibt es Unmut darüber, dass der Rügener Badejunge jetzt in Thüringen produziert wird. Ralph Sommer
Nicht mehr regional: Auf der Insel Rügen gibt es Unmut darüber, dass der Rügener Badejunge jetzt in Thürin
Nicht mehr regional: Auf der Insel Rügen gibt es Unmut darüber, dass der Rügener Badejunge jetzt in Thüringen produziert wird. Ralph Sommer
Bergen.

Der Rügener Badejunge wird nach 71 Jahren nicht mehr am Standort Bergen auf Rügen, sondern im thüringischen Altenburg produziert. Auch die Milch für dem Camembert wird nicht mehr von Rügener Kühen stammen. Bei den Verbrauchern – gerade in Mecklenburg-Vorpommern – kommt dies nicht gut an, auf Facebook machen sie ihrem Unmut Luft.

Rügener Badejunge wird zum Zankapfel

René Kähler etwa schrieb: „Erst die Schlachterei in Teterow, dann die Käserei auf Rügen? Was kommt als nächstes? Man macht Mecklenburg-Vorpommern systematisch kaputt. Ohne Arbeitsplätze bleibt doch niemand gerne hier.”

Auch der Kommentar von Rosi von der Insel Usedom kann stellvertretend für viele andere betrachtet werden: „Ich für meinen Teil, kaufe mir noch einige Rügener-Badejungen und dann, NIE WIEDER. Das habe ich mir geschworen. Es tut mir Leid um die Rüganer, wieder Arbeitsplätze verloren.”

„Schade, Ihr habt eine Kundin verloren.”

Auch Facebook-Nutzerin Bine Kühnlenz ist viele viele andere Rüganer sauer: „Ich kenne den Rügener Badejungen schon aus meiner Kindheit. Leider werde ich Ihn nicht mehr kaufen, da er nach Rügen gehört und nicht nach Thüringen. Schade, Ihr habt eine Kundin verloren.”

Dies gilt ebenso für Peter U Marlen Stroth, der sich vor allem über die weitere Verwendung des Namens Rügener Badejunge wundert: „Also ich hab den gerne gegessen aber damit ist jetzt Schluss. Und außerdem müssten jetzt die richtigen Behörden dieser Firma verbieten, diesen Käse weiter 'Rügener Badejunge' zu nennen. In meinen Augen ist dieses Privileg mit der Schließung in Bergen erloschen. Sollen sie den Käse doch 'Thüringer Wipfelkäse' nennen oder so.”

Boykottstimmung im Internet

„Wir nehmen in den Sozialen Medien schon so etwas wie eine Boykottstimmung wahr”, fasst Jörg Dahms von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) in der OstseeZeitung die Lage zusammen.

Nun hat auch der Betreiber der Edeka-Filiale BergenSüd Konsequenzen aus der Standortschließung gezogen. Aber anstatt, wie von einigen Verbrauchern gefordert, den Käse ganz aus dem Sortiment zu nehmen, wurde ein auffälliges Hinweisschild am Verkaufsregal angebracht: „Achtung, kein regionales Produkt!”, steht direkt neben dem Preis für den Rügener Badejungen, der nicht mehr viel mit der Insel zu tun hat.

Proteste von Mitarbeitern und Milchlieferanten

Vor zwei Jahren hatte das Deutsche Milchkontor (DMK) die Schließung seiner kleinen Käserei auf Rügen wegen angeblich nicht kostendeckender Produktion angekündigt. Allen Protesten von Mitarbeitern und Milchlieferanten zum Trotz beharrte das größte deutsche Molkereiunternehmen mit Firmensitz im niedersächsischen Zeven auf der Verlagerung der Produktion nach Thüringen, wo inzwischen die ersten drei Reinkäsesorten unterschiedlicher Fettstufen hergestellt werden.

Den Verkauf an ein anderes milchwirtschaftliches Unternehmen wie die Ostmilch GmbH, die auch Anteile an der Uckermilch GmbH in Prenzlau hält, oder an eine Neugründung auf Rügen hatte der Aufsichtsrat aus Konkurrenzgründen strikt abgelehnt.

 

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Kommentare (6)

jetzt der Rügener Badejunge, die Scheine schlachtung in Tetero, Lila Bäcker und so geht es weiter.
Mecklenburg Vorpommern wird Systematisch runter gewirtschaftet, keine Arbeit, keine Zukunft.
Damit wird der Mecklenburger und Vorpommern Einwohner immer weiter gezwungen abzuwandern, wenn er seinen Lebensunterhalt bestreiten will, es reicht nicht ds hier Facharbeiter nur einen Bruchteil dessen verdienen als in West Bundesländern, nein wir werden auch noch zur Herrschar von Zeitarbeitern für den Westen gemacht, die zu billig Löhnen fern ihrer Heimat arbeiten.
So wird der gesammte Osten immer weiter runter gewirtschaftet und bleibt das anhängsel vom Westen.
Typisch Ossi werden einige sagen, stimmt nicht, ich bin ein normaler Facharbeiter der aus dem Westen stammt und hier seine Heimat gefunden hat, von Leuten über Natur und Familie.
Es ist nur traurig was die Besitzer der mittleren und größeren Firmen, die meist Westlich sind, oder aus dem Ausland, mit den Firmen hier und den Leuten machen, das ist Ausbeutung, noch dazu das diese Firmen vom Staat subventionen für die Firmen und Werke hier erhalten.
Arbeite selbst in einem großem US Unternehmen hier, Bezahlung knapp über Mindestlohn, selbes Unternehmen in West - Tariflohn.
Unser Staat fördert dies noch und wundert sich dann das der Osten AFD wählt, die Menschen hier sind nicht Braun, sie haben nur genug davon nach fast 30 jahren Wiedervereinigung, belogen und benutzt zu werden, Ostdeutschland ist der Lohnsklave des Westens und das ist leider Realität.
Ich bin ein Deutscher, kein Ossi, kein Wessi, einfach Deutscher.

Sind zufall, wenn sie stören, kann sie sich einrahmen.
Siehe Scheine statt Schweine oder Tetero statt Teterow.
Viel Spaß

Wenn man die Zutatenzusammensetzung des Rügener Badejunge zu DDR-Zeiten und ab 1994 anschaut, sollte es niemanden wundern, dass Rügener Badejunge heute in Thüringen hergestellt wird. Eigentlich wurde zu keiner Zeit was regionales in Bergen/Rügen sondern lediglich ein Markenname ohne Bezug zu regionalen Grundstoffen und Zutaten hergestellt. Beispiel eines ähnlichen Erfolges wie der Rügener Badejunge: Rügenwalder Wurst wird seit Ewigkeiten weder in Pommern noch aus pommerschen Schweinen hergestellt. Die berühmte Rügenwalder Mühle steht in Niedersachsen und stand nie in Rügenwalde (Darłowo), heute polnisches Westpommern.

sollte die Politik gegensteuern einschreiten und notfalls Veto einlegen, dazu sind diese Herren und Damen auch gewählt - Produktionsstandorte in MV welche sich tragen oder tragbar sind sollten regional erhalten bleiben und weiter geführt werden - notfalls mit Beteiligung und unter Aufsicht des Landes - leider schläft in diesem Punkte unsere Elite und die Zeit läuft gegen die Beschäftigten Produzenten und ihre Standorte

In der EU gibt es zwei Siegel für Produkte. Allgemein muss der Konsument seine Marktmacht erkennen und raus aus der Bequemlichkeit. Da machen es sich viele mit der AfD zu leicht.

Es ist schon witzig, wenn eine Kette auf fehlende Regionalität aufmerksam macht aber sich nicht scheut z.B. Pilze aus Südkorea anzubieten. Dabei könnte man diese auch vor Ort auf Kaffeesatz ziehen. Tomaten kommen aus Holland. In anderen EU-Ländern stehen große Gewächshäuser und Tomaten aus dem eigenen Land werden in der eigener Region verkauft. Wer denkt daran, wenn er Lübzer Pils kauft, dass dieses zum Weltkonzern Heineken gehört? Zahlen die in MV überhaupt steuern (siehe Pfanni in Stavenhagen)?

MV liegt am Meer, Fischprodukte aus Polen und dem Baltikum liegen in den Regalen. Der Konsument greift zu.

Egal ob Rügener Badejunge, Rügenwalder Teewurst oder "Müritzer" Käse von Milram, überall wird mit Namen Regionalität oder eine Herkunft vorgetäuscht die es nicht gibt. Dies alles zur reinen Gewinnmaximierung, da man MV zwar wirtschaftlich abgeschrieben hat, jedoch es auch für in den gebrauchten Ländern lebende Verbraucher attraktiv erscheint die Lebensmittel mit Namen aus der beliebten Urlaubsregion auf den Tisch zu packen. Warum gibt es hier nicht die Möglichkeit eines Verbotes ähnlich der g.g.A. (geschützter geografischer Angabe)?