Urlaub ohne Kind

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Rügens kinderfreies Restaurant ist zum Bersten voll

Täglich ab 17 bleibt "Oma's Küche" in Binz auf der Insel Rügen für Kinder geschlossen.
Täglich ab 17 bleibt „Oma's Küche” in Binz auf der Insel Rügen für Kinder geschlossen.
Rudolf W. Markl

In „Oma's Küche” in Binz auf der Insel Rügen dürfen ab 17 Uhr keine Kinder. Die Medien stürzen sich auf dieses Restaurant – die Gäste auch. Und in den Sozialen Medien glühen die Kommentarspalten.

Das Rügener Restaurant und Hotel „Oma's Küche und Quartier” ist derzeit in aller Munde. Der Grund: Es verweigert Kindern unter 14 Jahren den Zutritt nach 17 Uhr. Große und kleine Medien in ganz Deutschland berichten darüber, nachdem der Artikel des Nordkurier viral gegangen ist.

Und anderem bei Spiegel Online, in der Bild, bei Focus, Bunte und der Welt – selbst bei der Lippischen Landes-Zeitung ist das Restaurant in Binz Thema. Sogar im vermeintlich größten Forum der Welt, auf Reddit, streiten sich Nutzer über Sinn und Unsinn der kinderfreien Abende. Damit noch nicht genug, das Restaurant auf Rügen hat es außerdem bis in die Schweiz und Österreich geschafft.

„Wir bekommen eine Unmenge von Mitteilungen”, erzählt Restaurantinhaber Rudolf Markl. Am Donnersatgnachmittag wollten auch noch Sat.1 und RTL vorbeikommen, sagte Markl mit einem gewissen Stolz in der Stimme.

„Weit unter der Gürtellinie”

Bei den Rückmeldungen trenne sich allerdings die „Spreu vom Weizen”. Auf Facebook seien die Kommentare zu 90 Prozent negativ, so Markl. „Uns wurde mit Demonstrationen gedroht”. Zudem habe er schlimmste Beleidigungen erhalten. Davon wäre vieles „weit unter der Gürtellinie” gewesen, beklagt der Restaurantinhaber. „Man merkt sich aber auch vor allem das Schlechte”, relativiert er.

Ein Blick in die Kommentarspalte des Nordkurier zeigt ein anderes Bild. Zwar gibt es auch negative Beiträge. „Was ist denn der Betreiber für ein schräger Typ? Wahrscheinlich war er früher auch so ein schlecht erzogener Balg, wie die, die ihn heute ärgern”, schreibt ein Nutzer.

Größtenteils sind die Reaktionen aber verständnisvoll bis positiv. „Finde ich nicht schlecht, aber auch nicht die netteste Lösung. Angreifen darf ihn dafür trotzdem niemand! Sein Restaurant -seine Regeln. Wer nicht will, kann ja in ein anderes Restaurant gehen”, fasst ein Kommentar das Stimmungsbild zusammen.

„Das Restaurant ist voll”

Auch im persönlichen Kundenkontakt im Restaurant auf der Insel Rügen überwiegt das Gute. „Einige sind sogar spontan zum Essen gekommen”, erzählt Rudolf Markl. Sie hätten im Radio davon gehört und wären dann gleich zum Restaurant gesteuert. „Viele Kunden begrüßen die Maßnahme”, sagt Markl. „Das Restaurant ist voll”. Der Umsatz leidet also nicht. Im Gegenteil. Wegen fehlender Plätze mussten sogar schon einige Gäste wieder nach Hause geschickt werden, erzählt der Restaurantinhaber.

Eltern müssen erzogen werden

„Wir wollen keine Kinder diskriminieren, sondern den Erwachsenen einen entspannten Abend ermöglichen”, wiederholt Markl die Motivation für seine Hauspolitik. Und: Bei den hunderten Restaurants die es auf Rügen gibt, müsse es doch legitim sein, einen kinderfreien Abend zu betreiben, erklärt er. Viele Menschen machen Urlaub auf der Insel und wollten sich einfach mal Entspannen.

An seinem Vorwurf, die Erziehung vieler Kinder ließe zu wünschen übrig, will Rudolf Markl indessen festhalten. Und dennoch präzisiert er: „Es sind nicht die Kinder schuld, sondern die Eltern”. Die Kinder seien wirklich nur ein 'Produkt der Erziehung'. Es müssten also eigentlich die Eltern erzogen werden. Mit der Entscheidung zum kinderfreien Abendgeschäft wolle das Restaurant ein Signal in diese Richtung senden, betont Markl.

„Kinderfreier Urlaub” im Hotel

Wer bei der Vorstellung einer kinderlosen Gastronomie auf den Geschmack gekommen ist, ist nur noch einen Klick vom kinderfreien Urlaub entfernt. Auf der Seite „Urlaub-ohne-Kinder.info” werden weltweit alle Hotels aufgelistet, die keine Kinder (unter zehn Jahren) als Gäste zulassen. Alleine für Deutschland werden darin rund 50 Hotels, Villas, Landhäuser und Pensionen aufgezählt, die einen „kinderfreien Urlaub bieten”. Für einen ruhebelassenen Aufenthalt gibt es also auch hierzulande ein reichliches Angebot.

Im Übrigen: zu „Oma's Küche und Quartier” gehört auch ein Boutique-Hotel, welches für Kinder verschlossen bleibt. Auf der entsprechenden Internetseite wirbt ein Logo mit einem durchgestrichenen Baby für eine „kinderfreie Zone”. „Auch Eltern, Großeltern, Lehrer oder Kindergärtnerinnen, deren Ohren eine Ruhepause brauchen, haben das Recht auf Urlaub!”, steht daneben als Begründung. So oder so. Den Gästen scheint es zu gefallen. Bei „Booking.com” wird „Oma's Küche und Quartier” mit 8.9 von 10 Punkten bewerten.

Kommentare (6)

Die positiven Kommentare zu der unglaublichen Aktion dieses "Gastwits" (!!!???) passt sehr gut in unsere von Dummheit, Ignoranz und Überforderung geprägte Zeit. Keiner der Kommentatoren kommt auf die Idee, dass er selbst mal Kind war! Keiner der Kommentatoren kommt auf die Idee, was für eine unerträgliche Diskriminierung hier stattfindet. Wird dieser "Gastwirt" demnächst auch "fremd" Aussehende verbannen, weil es seine hochgeschätzte, kinderlose, gut betuchte(?) Klientel stört? Ist das ein abwegiger Gedanke? Die Zustände, die Hr. Markl für sein Vorgehen zum Vorwand nimmt, hat es in der einen oder anderen Form schon immer gegeben. Wenn es Gäste gibt, die sich aus welchem Grund auch immer nicht an die Usancen in einem Restaurant halten, komplementiert man sie aus dem Lokal, wenn es soweit ist und nicht schon vorher!!! Es geht hier nicht darum, unfähigen oder überforderten Erziehungsberechtigten das Wort zu reden. Nein, es geht schlichtweg ums Prinzip! In welcher Gesellschaft wollen wir leben und in welcher leben wir inzwischen? Der ganze Vorgang ist eine Schande, dokumentiert aber - inklusive der Kommentare - die weitverbreitete Kinderfeindlichkeit im Land. Zur Erklärung: ich bin 61, meine Kinder sind erwachsen. Sie haben sich und durften sich auch nicht unangemessen benehmen!

1. Gratulation, mit dem Recht der freien Entscheidung, dies zu tun entgegen des Mainstream. Respekt vor der Stärke, die ich auch wünsche dies durchzuhalten! 2. Für all die Elternheulsusen. Was für eine Schande nicht wahr, das wirklich das einzige Restaurant in ganz McPomm jetzt Eure Kidis nach 17 Uhr nicht willkommen heißt. Bei all den freien Entscheidungs- und Entfaltungsmöglichkeiten für Euch und Eure Kinder sucht einfach ein anderes Restaurant. Wahrscheinlich können Eure Kids mit dem Smartphone sofort eines finden. Kann doch so schwer nicht sein?! 3. Die Situation zeigt aber auch ein grundsätzliches Problem unserer Zeit und Gesellschaft. Lieber an den Auswirkungen rummäkeln und rumw(m)erkeln, als die Ursachen zu ändern. 4. Sorry, doch nicht kurz und knapp.

@ROUTE69MINUS3: Besser hätte die Feststellung, welche gesellschaftliche Degeneration im Zusammenhang mit der Sicht auf Kinder (Achtung: menschliche Lebewesen!) bei uns herrscht, nicht dokumentiert werden als durch Ihren Kommentar! Sie betrachten Kinder nicht als zukünftige Erwachsene, die später auch für die kinderlosen, doppelverdienenden Hedonisten (gehören Sie vllt. auch dazu?) die Altersversorgung tragen. Ihr sprachlicher Duktus zeigt, wie weit weg sie von einer natürlichen Denkweise über Menschen sind, die Sie wohl nur nach nützlich und störend einteilen. Reicht es nicht, dass bei uns Familien mit Kindern ohnehin extrem benachteiligt werden, sowohl was den Status als auch die finanzielle Ausstattung angeht? Jetzt auch noch "wir müssen draußen bleiben" für Kinder und - jetzt Ihr Sprachgebrauch - die "Kinderbesitzer". Das alles hat nichts mit fehlgeschlagenen oder gelungenen Erziehungsmethoden zu tun. Es zeigt leider den Grad der Krankheit einer Gesellschaft bzw. eines nicht unerheblichen Teils von ihr!

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Siehste, Freddy, man soll sich nicht so mit Schmuck behängen, wenn man in der Brandung (!) spazieren geht! Ein Glück nur, dass das Hemd als erste Wundversorgung zur Verfügung stand!! War es das Oberhemd? :-)

größtenteil gebe ich ihnen Recht. Lenken sie ihre Betrachtungen bitte nicht auf die fremd aussehenden. Die haben in diesem Zusammenhang nun wirklich nichts damit zu tun. Der Gastwirt hätte vielleicht besser daran getan, konsequenter Weise die Gäste darauf anzusprechen, ihren Nachwuchs zu bändigen. Sicherlich hat er das auch getan. Stand, glaube ich, im Focus-Artikel. Rausschmeißen will man auch nicht; kommt auch nicht gut an, wenn später auf diversen Bewertungsplattformen ggf. Sachen verdreht dargestellt werden. Irgendwann hat man auch die Fre**e voll, ständig das gleiche zu erzählen. Jeden Tag kommen neue Gäste und er fängt von vorne an. Insoweit kann ich den Gastwirt schon verstehen. Er ist dazu da, Gäste zu bewirten. Erziehen müssen andere.