Tourismuswerkstatt kaum genutzt

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Ruhe im Nordosten hat ihren Preis

Die Abgeschiedenheit ist Vorpommerns großes Plus – manchmal.
Die Abgeschiedenheit ist Vorpommerns großes Plus – manchmal.

Die Grenzregion wird nicht nur neu von Polen besiedelt, sondern auch von Menschen aus dem Westen. Die bringen ihre Ideen mit und würden sie gerne mit anderen teilen. Das gelingt allerdings nicht immer.

Für das aufgeweckte Pärchen kam die Einladung zur Tourismuswerkstatt wie gerufen. Britta Bockenfeld und Thorsten Bohlmann haben sich gerade erst vor ein paar Monaten in Mewegen ein Gehöft gekauft, in einem kleinen Ort an der polnischen Grenze, etwas nördlich von Löcknitz. Beide sind zwar berufstätig, wollen sich nebenbei aber etwas Touristisches aufbauen. Ein Hofcafé vielleicht oder eine Praxis für alternative Heilmethoden, eben „etwas Leben in die Ecke bringen“.

Allerdings kennen sie sich in der Gegend noch zu wenig aus, um zu wissen, wer was macht und wie was funktioniert. Und bei der Tourismuswerkstatt im Eggesiner Naturparkzentrum sollte es genau darum gehen: Um den Aufbau eines Netzwerkes von regionalen Anbietern und Produzenten und darum, wie der Tourismus in der Region um Löcknitz und Penkun zum wirtschaftlichen Motor werden kann.

Keine Internetverbindung, kein Handyempfang

Denn die „Ecke“ zwischen Stettiner Haff und Uckermark ist zwar nicht unbedingt als Tourismusgebiet bekannt, hat vielleicht aber gerade darum eine Attraktion zu bieten, die Leute aus der „alten Heimat“ Niedersachsen von Britta Bockenfeld und Thorsten Bohlmann suchen: Ruhe.

Einer ihrer ersten Gäste sei darüber am ersten Tag etwas nervös geworden, auch weil es noch keine kabellose Internetverbindung gab und auch keinen Handyempfang. Am zweiten Tag hätte der Gast gerade das jedoch als geradezu „genial“ empfunden: Einfach nicht erreichbar zu sein.

Die Uhren in Vorpommern ticken etwas anders

Das kann aber auch zum Problem werden. Denn die Einladungen zu der Tourismuswerkstatt hatten offenbar auch fast niemanden erreicht. Oder sie kamen zum falschen Zeitpunkt. Denn bis auf das Paar aus Mewegen waren nur noch die Organisatoren vom Transnationalen Netzwerk Oderdelta, von der Zukunftswerkstatt Blankensee und vom Naturpark „Am Stettiner Haff“ dort.

Erwartet wurden ursprünglich 40 bis 50 Vertreter von Vereinen und Kommunen sowie Anbieter von touristischen Dienstleistungen und regionalen Produkten. Zumindest einige hatten sich entschuldigt. Wegen Tanz in den Mai oder Geburtstagen von Verwandten.

Für Britta Bockenfeld und Thorsten Bohlmann war die geringe Beteiligung offensichtlich etwa enttäuschend und vielleicht auch ein weiterer Beleg dafür, dass die Uhren in Vorpommern etwas anders ticken. Von ihren Vorhaben wollen sich die beiden jedoch nicht abbringen lassen.