Mehr als 140 Container mit Fledermausparasiten seien von Ukraines zweitgrößter Stadt Charkiw ins Ausland verschickt
Mehr als 140 Container mit Fledermausparasiten seien von Ukraines zweitgrößter Stadt Charkiw ins Ausland verschickt worden, führte Vassily Nebenzia bei der UN-Sicherheitsratsitzung aus. TIMOTHY A. CLARY
UN-Sicherheitsrat

Russland beklagt geheime Biowaffen-Forschung auf Insel Riems

Eine Vereinbarung zwischen ukrainischen Forschern und einer Wissenschaftlerin vom Friedrich-Loeffler-Institut bei Greifswald soll laut Moskau ein Biowaffen-Programm beweisen.
Riems

Die weite Öffentlichkeit nimmt von ihrer Arbeit kaum Notiz. Umso größer war der Schock als die Forschung von Cornelia Silaghi plötzlich Thema im UN-Sicherheitsrat war. Die Arbeit der Fachtierärztin für Parasitologie vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf Riems bei Greifswald sei Teil eines geheimen Biowaffen-Programms in der Ukraine, das von den USA finanziert wird, erklärte der russische Diplomat Wassili Nebenzia auf der von Russland einberufenen Sitzung.

 

 

Mehr als 140 Container mit Fledermausparasiten seien von Ukraines zweitgrößter Stadt Charkiw ins Ausland verschickt worden, führte Nebenzia aus. Er zeigte sich besorgt angesichts des unbekannten Schicksals dieses „gefährlichen Materials”.

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„Es besteht das große Risiko, dass es gestohlen wird für terroristische Zwecke oder, um es auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen”, so der russische Diplomat weiter. Als Beweis veröffentlichte das russische Verteidigungsministerium kurz vor der Sicherheitsrat-Sitzung u.a. eine Vereinbarung zwischen Forschern in Charkiw und Cornelia Silaghi zum Transfer von 147 Proben mit Parasiten zum FLI nach Riems.

Forscherin bestätigt erhalt von Proben aus der Ukraine

Eine Sprecherin des Bundesforschungsinstituts bei Greifswald sagte auf Nordkurier-Anfrage, es habe schon viel Zusammenarbeit mit Forschern auf der ganzen Welt, auch in der Ukraine gegeben. Weiter wolle man sich in der Angelegenheit aber nicht äußern.

Cornelia Silaghi selbst bestätigte dem Magazin „Science”, „Ja, wir haben an Parasiten gearbeitet und Proben dafür bekommen.” Und sie wisse auch, wo die Parasiten abgeblieben sind: „Sie sind in meinem Gefrierschrank.” Dass die russische Regierung daraus aber gefährliche Biowaffen mache, das sei „total verrückt.”

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So könnten sich von den Proben keine Krankheitserreger verbreiten. Ethanol, das benutzt wird, um die Proben haltbar zu machen, töte die Parasiten und zerstöre Krankheitserreger, so dass nur genetischen Material für Sequenzierungen übrig bleibe. „Das Projekt erhielt keine Finanzierung aus den USA”, stellt die Forscherin zudem im Gespräch mit „Science” klar.

Demnach begann die Zusammenarbeit zwischen dem FLI und Forschern in der Ukraine 2020, um Fledermausparasiten wie Zecken und Fliegen auf Bakterien zu untersuchen, die eine potentielle Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellen können. Die Forscher in Charkiw sammelten also um die 140 Parasiten von Fledermäusen ab, tauchten sie in Ethanol und schickten sie zu Cornelia Silaghi für DNA-Untersuchungen.

Dokumente sollen Netzwerk von 30 Bio-Laboren in der Ukraine beweisen

Wie das russische Verteidigungsministerium an die Vereinbarung zwischen den Forschern in Charkiw und auf Riems gelangt ist, bleibt unklar. Dem Magazin „Science” zufolge vermuten Forscher in Charkiw, ihr E-Mail-Postfach wurde gehackt.

Weitere von Russlands Verteidigungsministerium veröffentlichte Dokumente sollen dem russischen Diplomaten Nebenzia zufolge bestätigen, „dass es auf dem Territorium der Ukraine ein Netzwerk von mindestens 30 biologischen Labors gab.” Diese seien für „gefährliche Experimente” mit Erregern von Milzbrand, Tularämie, Cholera und anderen tödlichen Krankheiten genutzt worden. Dabei sei Kiew vom Pentagon unterstützt worden.

 

 

Izumi Nakamitsu, Unter-Generalsekretärin der Vereinten Nationen und Hohe Repräsentantin für Abrüstungsfragen sagte während der Sicherheitsrat-Sitzung: „Die Vereinten Nationen haben keine Kenntnis von Biowaffen-Programmen.” Auch die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen verneinte die russischen Anschuldigungen. „Die Ukraine hat kein Biowaffen-Programm. Es gibt keine ukrainischen Biowaffen-Labore, die von den USA unterstützt werden”, so Linda Thomas-Greenfield.

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