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Saison für Meerforellenangler hat begonnen

Schon der Anblick ruft bei manchen Strandspaziergängern Gänsehaut und Kopfschütteln hervor. Doch bis zum Bauchnabel im kalten Ostseewasser zu stehen, ist für Meerforellenangler ein Vergnügen.
dpa
Derzeit sind die Angler entlang der Ostseeküste auf der Jagd nach Meerforellen (Archivbild).
Derzeit sind die Angler entlang der Ostseeküste auf der Jagd nach Meerforellen (Archivbild). Jens Büttner
Rostock ·

Die ersten warmen Tage mit Sonnenschein locken derzeit Meerforellenangler ins Wasser. Überall an der Ostseeküste von Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein stehen sie bis über die Hüften im noch eiskalten Wasser, sagte der Biologe Kilian Neubert vom Landesanglerverband MV.

In Ufernähe heize sich das Wasser schneller auf und locke so die Fische an. „In dieser Region kann sich das Leben zu Beginn des Jahres am schnellsten entwickeln.” Es seien schon kleine Krebse oder auch kleinere Fische in ausreichender Menge für die Meerforellen vorhanden. So ergebe sich im Frühjahr die Gelegenheit, die beliebten Speisefische vom Strand aus zu fangen. Im übrigen Jahr ist das deutlich schwieriger.

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Angeln auf Meerforellen

In diesem Jahr habe die Saison wegen des vergleichsweise kalten Wetters später begonnen, sagte Neubert. Am vergangenen Wochenende seien die Bedingungen jedoch mit wenig Wind und Sonne erstmals richtig gut gewesen.

Das Angeln auf Meerforellen sei eine anspruchsvolle Beschäftigung. Weil der Köder permanent hinausgeworfen und wieder hineingedreht werde, sei es schwere körperliche Arbeit. „Dazu verteilen sich relativ wenige Fische auf relativ viel Wasserfläche. Deshalb heißt die Meerforelle auch der „Fisch der 1000 Würfe”», sagte der Experte. Weil die Angler mehrere Stunden im kalten Wasser stehen, sei zudem Spezialkleidung nötig. „Wenn die Angler ins Wasser gehen, können sie die Reichweite erhöhen.” Würfe von bis zu 100 Metern seien möglich.

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Meerforellen-Bestände im problematischen Zustand

Die Meerforelle lebt als erwachsenes Tier im Meer und wandert zum Laichen in die Flüsse. „Genetisch gibt es in jedem Fluss einen eigenen Bestand”, sagte der Meerforellen-Experte des Thünen-Instituts für Ostsee-Fischerei, Harry Strehlow. Die Bestände in den Regionen zwischen Dänemark und Polen seien in einem problematischen Zustand, auch wenn es ihnen im Vergleich zu früheren Jahren deutlich besser gehe und es wieder natürlich reproduzierende Bestände gebe.

Grund für die Verbesserung sei, dass viele Querverbauungen in den Flüssen beseitigt und Flussabschnitte renaturiert wurden. Allerdings litten die jungen Tiere in den kleineren Flüssen unter den hohen Wassertemperaturen in den vergangenen Sommern und den entsprechend niedrigen Wasserständen, sagte Strehlow.

Nahrung für Barsche oder andere Raubfische

Die von Anglern propagierten Besatzaktionen betrachteten die Wissenschaftler eher kritisch. Studien zufolge haben junge Tiere aus Wildbeständen eine zehnmal höhere Überlebenschance als Besatzfische. Die sehr jungen Meerforellen dienten hauptsächlich als Nahrung für Barsche oder andere Raubfische. Strehlow befürwortete stattdessen mehr Uferbepflanzungen oder mehr Randstreifen zu Ackerflächen.

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Die Meerforelle gehört zur Familie der Lachse (Salmoniden) und habe ein exzellentes Fleisch. Das Schonmaß der Fischer liege in Schleswig-Holstein bei 40 und in Mecklenburg-Vorpommern bei 45 Zentimetern, dann können sie bereits ein Gewicht von einem Kilo erreichen. „Eine kapitale Meerforelle ist über 70 Zentimeter lang und wiegt dann bis zu 5 Kilo”, sagte Neubert.

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