BLAUALGEN

Satellitenbild zeigt Ausmaß des Algenteppichs auf der Ostsee

Bei hohen Temperaturen und ruhiger See hat sich auf der Ostsee in den vergangenen Tagen ein riesiger Algenteppich gebildet. Darunter könnten auch giftige Blaualgen sein.
Simon Voigt Simon Voigt
Ein Satellitenfoto vom 24. Juli 2019 zeigt das massive Algenwachstum auf der Ostsee zwischen Schweden und den Baltischen Staat
Ein Satellitenfoto vom 24. Juli 2019 zeigt das massive Algenwachstum auf der Ostsee zwischen Schweden und den Baltischen Staaten. Im unteren, rechten Bereich ist die Insel Rügen zu sehen. Foto: Copernicus Sentinel/ESA Copernicus Sentinel/ESA
Ein Teppiche aus Schwebestoffen schwimmt in der Ostsee vor Sassnitz.
Ein Teppiche aus Schwebestoffen schwimmt in der Ostsee vor Sassnitz. Stefan Sauer
Ein Teppiche aus Schwebestoffen schwimmt in der Ostsee vor Sassnitz.
Ein Teppiche aus Schwebestoffen schwimmt in der Ostsee vor Sassnitz. Stefan Sauer
Sassnitz.

Die aktuellen hochsommerlichen Temperaturen locken nicht nur zehntausende Urlauber an die Strände der Ostsee – sie bieten auch hervorragende Bedingungen für Algen, die sich in diesen Tagen kräftig vermehren. Die Ausmaße sind inzwischen enorm. Zwischen Schweden und den drei Baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen hat sich ein riesiger Algenteppich gebildet. Er ist sehr gut auf einem Bild des ESA-Satelliten Sentinel-3 zu sehen. Die grünlichen Schlieren der Algenblüte ziehen sich hunderte Kilometer weit. In abgeschwächter Form erreichen die Algenteppiche bereits seit einigen Tagen auch die Ostsee vor Polen und Deutschland. Sie reichen bis nach Dänemark, in die Kieler und die Pommersche Bucht.

Nach Erkenntnissen des Landesamts für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern (LUNG) handelt es sich bei dem Algenteppich in der westlichen Ostsee mit hoher Wahrscheinlichkeit um typische Blaualgen. Auch wenn ihr Name anderes vermuten lässt, sind diese Blaualgen eigentlich Bakterien (Cyanobakterien). Sie kommen von Natur aus sowohl in der mittleren Ostsee als auch in Binnenseen vor. Um in aller Ruhe wachsen zu können, brauchen sie vor allem eine ruhige Wetterlage.

Steigen die Wassertemperaturen über 18 Grad Celsius, können sich die Blaualgen an der Oberfläche massenhaft vermehren. Begünstigt wird ihre Entwicklung, wenn genügen Nährstoffe, insbesondere Phosphor, vorhanden sind, erklärt eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums von Mecklenburg-Vorpommern. Phosphor werde etwa aus den Bodenablagerungen in den tiefen Becken der Ostsee freigesetzt. Dieses Phänomen werde durch den Sauerstoffmangel in großen Gebieten der zentralen Ostsee verstärkt. An diesen Stellen ist der Teppich auf den Satellitenaufnahmen derzeit am besten zu sehen.

Üble Gerüche und mitunter auch Gesundheitsgefahr

Bei auflandigen nördlichen bis östlichen Winden können die Algenteppiche dann an die deutschen Küsten und Strände getrieben werden. Die absterbenden Pflanzenteile sehen dort nicht nur unschön aus, sie können, angetrieben durch Fäulnis-Prozesse, auch ganz schön stinken. Bei Blaualgen kommt hinzu, dass sie für den Menschen auch potenziell giftig sind.

Bei Hautkontakt können die Bakterien Reizungen sowie allergische Reaktionen hervorrufen. Einige Arten produzieren Stoffe, die Durchfall, Erbrechen oder Atemnot auslösen können. Solch eine Giftwirkung könne laut dem MV-Landesamt für Gesundheit und Soziales auftreten, wenn von Badegästen an mehreren Tagen hintereinander algenhaltiges Wasser geschluckt wird. Dies gilt auch für Hunde: 2012 waren bei einer starken Blaualgen-Häufung im Greifswalder Bodden mehrere Hunde durch Blaulagen gestorben.

An den Kreidefelsen vor Sassnitz auf Rügen wurde am Mittwoch solch ein Algenteppich angespült. „Es sah sehr dreckig aus. Nicht wie die Ostsee, sondern eher wie ein kleiner Tümpel. Die Algen waren überall und bedeckten das ganze Wasser. Das Ausmaß ist extrem“, sagte eine Urlauberin aus Berlin der „Ostsee-Zeitung“. Sie hatte den Algenteppich am Mittwoch an der Viktoriasicht am Königsstuhl beobachtet. Ein Forscher des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung in Warnemünde bestätigte der Zeitung, dass auf den Fotos von Mittwoch tatsächlich ein Blaualgenteppich zu erkennen sein könnte. Mitarbeiter des Nationalparkts tippten hingegen auf harmlose Braunalgen. Auch die Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums betont: Weil es ein lokales Vorkommen vor Rügen gibt, muss noch keine Verbindung zum großen Blaualgenteppich auf offener See bestehen.

Wind kann die Algenfelder schnell wieder auflösen

Bei starkem Wind und Wellengang können sich solche Algenfelder zudem schnell wieder auflösen und so war zumindest an den Kreidefelsen bereits am Donnerstag nicht mehr viel davon zu sehen. Die Urlauber können vorerst also aufatmen, zumal ohnehin keine offizielle Badestelle betroffen war. Dennoch zeigten gestern Fotos aus Mukran und der Binzer Bucht noch einen großen Algenteppich nahe der Küste. Der Teppich reiche etwa zehn Kilometer weit, schätzte der Leiter des Nationalparks Jasmund, Ingolf Stodian. So etwas habe er noch nie gesehen.

Eine ernsthafte Gefahr für Badegäste besteht derzeit offenbar aber nicht. Bei Probenentnahmen an einer offiziellen Badestelle bei Sassnitz seien keine Blaualgen gefunden worden, erklärte eine Sprecherin des Landkreises Vorpommern-Rügen am Donnerstag. Sollten tatsächlich Blaualgenteppiche die Badestellen an der Küste erreichen, würden die Behörden zunächst Warnhinweise an den Badestellen ausgeben. Im schlimmsten Fall wäre sogar eine Strandsperrung möglich.

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg ging am Donnerstag nach der Auswertung von Satellitenbildern davon aus, dass die Teppiche bis 15 Kilometer östlich von Rügen reichen. Um was für Algen es sich handele, könne aber nicht gesagt werden. Das BSH rechne aufgrund von Modellprognosen damit, dass der Algenteppich in der Nacht zum Sonnabend an die deutsche Küste getrieben werde.

Gleichzeit geht der Deutsche Wetterdienst (DWD) davon aus, dass ab Freitagabend der Nord-Ost-Wind zunimmt. Es könne zu frischen Winden mit teilweise starkem Wellengang kommen. Und wenn das Meerwasser erst einmal wieder kräftig in Bewegung gerät, werden sich die Algenteppiche schnell wieder zerschlagen.

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Kommentare (2)

Ich würde ja meine Meinung gern schreiben, die wird aber eh zensiert, da sie nicht aussagt:" Hurra mehr Flüchtlinge!.

ihr "zuspammen" von anderen threads und die damit verbundene Belästigung anderer aber ungemein (Ironie off)... wenn Sie den Nordkurier nicht leiden können, lesen Sie ihn doch einfach nicht.... Wenn ich das Essen von Fasfoodketten nicht leiden kann, gehe ich dort auch nicht jeden Tag hin und beschwere mich, dass das Essen Schei... schmeckt, sondern ich ignoriere den Laden.... Seien Sie einfach nicht so frustriert, dass niemand ihre Meinung interessiert... dann wird das Leben gleich bunter