PROTESTE BEGLEITEN DIE ABWICKLUNG

Scandlines bekommt Zuschlag für P+S-Fähren

Der ursprüngliche Interessent ist der neue Käufer: Scandlines hat den Zuschlag für die Großfähren auf der insolventen P+S-Werft erhalten. Entscheidend war der Kaufpreis. Bereits Ende diesen Jahres soll die erste Fähre zwischen Rostock und Gedser fahren.
dpa
Die Großfähren auf der insolventen P+S-Werft in Stralsund gehen an die deutsch-dänische Reederei Scandlines.
Die Großfähren auf der insolventen P+S-Werft in Stralsund gehen an die deutsch-dänische Reederei Scandlines. Stefan Sauer
Stralsund ·

Die Großfähren auf der insolventen P+S-Werft in Stralsund gehen an die deutsch-dänische Reederei Scandlines. Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann erteilte am Freitag in Abstimmung mit den Sicherungsgläubigern den Zuschlag an die zu Scandlines gehörende Scandferries Chartering A/S. Scandlines habe das höchste Gebot abgegeben, begründete Brinkmann die Entscheidung. Scandlines kauft die bislang nicht fertiggestellten Fähren für 31,6 Millionen Euro und damit zu einem deutlich niedrigeren Preis als die ursprünglich veranschlagten 184 Millionen Euro. Der Kaufvertrag soll nächste Woche unterzeichnet werden und steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung des Scandlines-Aufsichtsrates.

Neben der Reederei, die 2010 die Fähren in Auftrag gegeben hatte und nach der Werften-Insolvenz im Jahr 2012 wegen Baumängeln an den Schiffen vom Vertrag zurückgetreten war, hatten die Nordic Yards in Wismar und Rostock ein Angebot abgegeben. Das Nordic-Angebot lag nach Angaben der Werft bei 30,5 Millionen Euro und war zudem verbunden mit einem Kaufangebot für die insolvente Volkswerft. Nordic-Geschäftsführer Jürgen Wollny ließ am Freitag offen, ob es nach dem Verkauf der Fähren an einen anderen Bieter ein separates Angebot für die Werft geben wird. Die Situation ohne Fähren müsse neu bewertet werden, sagte Wollny. Nordic will die Stralsunder Volkswerft als strategischen Standort für Offshore-Projekte im Wind-, Öl- und Gasbereich erwerben.

Protest: Rettung der Volkswerft zur Chefsache machen

„Wir freuen uns sehr“, sagte Scandlines-Sprecherin Anette Ustrup Svendsen über den Zuschlag. Bereits Ende 2014 soll die erste Fähre zwischen Rostock und Gedser fahren. Nun seien aber erst erhebliche Umbaumaßnahmen erforderlich. Die neuen 169  Meter langen Fähren liegen mit 700 Tonnen über dem Optimal – und rund 200 Tonnen über dem Toleranzgewicht – damit könnten sie den Hafen Gedser bei Flachwasserständen nicht anlaufen. Zum Kaufpaket gehören auch das Baumaterial auf den Fähren sowie die Bauzeichnungen.

In Stralsund demonstrierten am Freitag rund 250 wütende Schiffbauer. Sie befürchten eine Zerschlagung des Schiffbaustandortes. Die Gewerkschaft forderte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) auf, die Rettung der Volkswerft zur Chefsache zu machen.

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