Nachdem vermutlich ein Wolf vier seiner Schafe getötet hat, griff ein Schäfer zu drastischen Mitteln. Er fuhr die Ka
Nachdem vermutlich ein Wolf vier seiner Schafe getötet hat, griff ein Schäfer zu drastischen Mitteln. Er fuhr die Kadaver in die Stralsunder Altstadt. Stefan Suittenpointner
Kadaver in Fußgängerzone

Schäfer in MV greift wegen Wolf zu drastischen Mitteln

Landwirt Ingo Stoll brachte vier tote Schafe in die Stralsunder Fußgängerzone und zeigte sie Passanten. Mit der Aktion wollte er zeigen: Jetzt reicht's!
Stralsund

Mächtig Eindruck hinterließ Schäfer Ingo Stoll in der Stralsunder Altstadt, nachdem am Wochenende ein Wolf in den Franzburger Hellbergen (Landkreis Vorpommern-Rügen) vier Schafe seiner Herde gerissen und drei Tiere schwer verletzt hatte. Er lud am Dienstag die getöteten Tiere kurzerhand auf ein Auto und fuhr die Kadaver in die Stadt, um sie hier mitten in der Fußgängerzone den Passanten zu präsentieren.

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„Es ist bereits der vierte Wolfsangriff auf meine Tiere innerhalb kurzer Zeit“, macht Ingo Stoll seinem Ärger Luft. An dem Wochenende hätten die Tiere hinter einem 1,20 Meter hohen Schutzzaun geweidet. Da die Weidefläche am Rande eines beliebten Spazierpfades liegt, konnten vor Ort jedoch keine Herdenschutzhunde eingesetzt werden. Diese Chance habe der Wolf genutzt.

Schäfer fühlt sich alleingelassen

Ingo Stoll ist frustriert: „Niemand hilft uns“, klagt er. Im Gegenteil. Als es am beim jüngsten Wolfsriss darum ging, die schwer verletzten Tiere zu bergen und ärztlich zu versorgen, wurde ihm von Amtswegen signalisiert, dass die Kosten für diese Hilfsaktion der Schäfer allein zu tragen habe. „Das sehe ich nicht ein“, macht Stoll seinem Ärger Luft. Er fordert eine angemessene Entschädigung im Falle eines Wolfsrisses, die auch die Arbeit der Schäfer einschließe.

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Mit seiner Aktion in Stralsund habe er den Menschen zeigen wollen, „dass wir in Mecklenburg-Vorpommern nicht nur über den Wolf reden. Der Wolf gehört für uns Weidetierhalter zum Alltag,“ macht Ingo Stoll deutlich. „Er frisst kein Gras. Er frisst unsere Schafe, Ziegen, Rinder und Pferde.“ Wenn ihm kein Einhalt geboten wird, werden die Weidetierhalter aufgeben müssen. „Das funktioniert so nicht. Wer soll das aushalten?“

„Höchste Zeit, zu handeln”

Die Protestaktion von Ingo Stoll in Stralsund zeigt, wie stark sich die Weidetierhalter in Mecklenburg-Vorpommern durch den Wolf emotional und finanziell unter Druck gesetzt sehen“, sagt Bauernpräsident Detlef Kurreck. „Sie verlieren bei Wolfsrissen ihre Tiere und müssen gleichzeitig erkennen, dass ihre Investitionen in Schutzmaßnahmen wirkungslos bleiben.“ Die Aktion in Stralsund mache auf die Dringlichkeit der Wolfsproblematik aufmerksam. „In der Vergangenheit seien Wolfsrisse im Land akribisch untersucht und dokumentiert worden, bevor man dann wieder zur Tagesordnung übergegangen sei. „Jetzt ist es höchste Zeit, zu handeln“, fordert der Bauernpräsident. „Einerseits muss der Wolfsbestand reguliert werden. Andererseits müssen Aufwand und Kosten des Herdenschutzes finanziell angemessen unterstützt werden.“

Ein anderer Bauer warf ein Rind vor ein Haus

Ingo Stoll ist nicht der erste Landwirt, der Wut und Verzweiflung überdeutlich zum Ausdruck brachte. Im niedersächsischen Landkreis Uelzen wurde der Streit um den Wolf im März mit immer härteren Bandagen ausgefochten. Wie der NDR berichtete, hat ein Landwirt ein gerissenes Galloway-Rind auf die Hauseinfahrt einer Wolfsberaterin geworfen. Dann soll der Landwirt laut NDR einen Brief überreicht haben, mit dem Wunsch, ihm das Ergebnis der DNA-Probe mitzuteilen.

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