VIER TIERE TOT

Schafe in Prerow gerissen – War es ein Wolf?

Wegen des Coronavirus sind auch von der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst die Touristen verschwunden. Nutzt ein Wolf diese Ruhe nun, um sich hier niederzulassen?
Bereits in den vergangenen Jahren gab es in der Gegend bestätigte Wolfsrisse.
Bereits in den vergangenen Jahren gab es in der Gegend bestätigte Wolfsrisse. Swen Pförtner
Prerow.

Drei Schafe sind in Prerow (Halbinsel Fischland-Darß-Zingst) aus ihrer Herde gerissen worden. Vier weitere wurden verletzt, eines so schwer, dass es eingeschläfert werden musste. „Die Vermutung liegt nahe, dass es ein Wolf war”, sagt Thomas Möhring, Bereichsleiter vom Gut Darß, zu dem die Herde gehört. Doch dafür waren die übrigen Schafe erstaunlich ruhig. „Sie lagen da und käuten wieder, was mich wunderte”, erzählt Möhring. „Das war sonst nicht so.”

Bereits zuvor war es in der Gegend zu Wolfsrissen gekommen. Im vergangenen Jahr seien dabei 13 Mutterschafe zu Tode gekommen, zwei Jahre zuvor sechs. Dass es in beiden Fällen Wölfe waren, sei damals von Rissgutachtern geprüft und bestätigt worden, berichtet Möhring.

Er habe auch von Wolfsichtungen gehört, die sich allerdings nie bestätigt hätten. Auch Michael Marx vom Nationalparkamt Vorpommersche Boddenlandschaft ist bei solchen Gerüchten vorsichtig: „Für Laien sind Wölfe vor allem von Wolfshunden schwer zu unterscheiden”, weiß er. Die angeblichen Wolfsichtungen in der Gegend hätten sich bislang nie als richtig herausgestellt.

Herde war angemessen geschützt

Marx sammelt indessen belastbarere Hinweise. Am Dienstag untersuchte der Rissgutachter die Kadaver der Schafe. Er verschaffte sich einen Überblick über das Gelände, besah sich die Opfer, kontrollierte die Bisse. Vor dem Ergebnis der DNA-Proben in zwei bis drei Wochen, kann auch der Experte einen Wolfsangriff aber weder bestätigen noch dementieren. Denn Wölfe gehen bei der Jagd nicht unbedingt alle gleich vor. Zwar verschleppten oder vergrüben sie – anders als in diesem Fall – ihre Beute häufig, aber auch da verhielten sich die Tiere unterschiedlich. „Womöglich ist der Wolf, wenn es einer war, hier auch gestört worden”, überlegt Marx.

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Dass ein einziger Wolf im Blutrausch gleich sieben Tiere anfällt, hält der Experte für möglich. Auch, dass ein so großes Tier die neunzig Zentimeter hohe Umzäunung überwinden kann.

Mit dem Zaun seien die Anforderungen an den Schutz der Herde trotzdem gut erfüllt gewesen, so Marx. „Die Schafe über zwei Meter hoch einzuzäunen, ginge über den Bedarf hinaus”, erklärt er, auch weil die Herden ständig den Standort wechselten. Marx erinnert: „Wir sind kein Wolfsgebiet.”

Touristen weg – Wolf bleibt?

Möhring erklärt, dass es auf dem touristisch geprägten Darß bislang eindeutig durchziehende Wölfe gewesen seien, die Schafe angriffen. „Dafür spricht, dass es bisher immer nur einmalige Risse waren.” Auch diesmal kehrte der Wolf in der folgenden Nacht nicht wieder. Möhring atmete dennoch auf, als er die Herde am Mittwoch unversehrt fand. Erst da konnte er sie nämlich an einen anderen Standort bringen.

Ausschließen will Möhring einen erneuten Besuch des mutmaßlichen Wolfes aber nicht. Solange keine Touristen da seien, fühle er sich womöglich sicherer, fürchtet der Bereichsleiter. „Dann kann es sein, dass er bleibt.”

Möhring hofft auch deshalb, dass die Urlauber bald wieder kommen dürfen. Inzwischen setzt er auf Flatterband und hofft, dass sich der Wolf, so es denn einer war, auf dem nun leeren Darß nicht niederlässt.

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