Blickrichtung Wahlanalyse: Torsten Koplin, Landesvorsitzender der Linken in Mecklenburg-Vorpommern, sieht im schwachen Ergebni
Blickrichtung Wahlanalyse: Torsten Koplin, Landesvorsitzender der Linken in Mecklenburg-Vorpommern, sieht im schwachen Ergebnis eine „existenzielle Dimension“. Bernd Wüstneck
Linke in MV

Schlechtes Wahlergebnis hat „existenzielle Dimension”

Der Absturz bei der Landtagswahl endete mit der Beförderung in die Regierung – die Linken in MV haben bemerkenswerte Wochen hinter sich. Die Parteispitze weiß aber, in welcher Gefahr sie sich befindet.
Schwerin

Die Stimmung am Abend des 26. September war durchaus gespalten. Auf der einen Seite blickte die Linkspartei nach den ersten Ergebnissen der Landtagswahl ernüchtert auf die Bildschirme – dort leuchtete noch nicht einmal mehr eine zweistellige Zahl auf. Auf der anderen Seite hegte seinerzeit schon der ein oder andere Wahlkämpfer leise Hoffnungen, dass sich die überragende Wahlgewinnerin Manuela Schwesig für die Linken als neuen Koalitionspartner entscheiden würde.

Und so kam es dann auch – Sondierungen mit der SPD, Verhandlungen mit der SPD, Regierungsmitglied in einer rot-roten Koalition. Doch immer noch schweben die schwachen 9,9 Prozent bei der Landtagswahl wie ein Damoklesschwert über den Linken. Eine Steilvorlage für den politischen Gegner – Sebastian Ehlers von der CDU ätzte in der vergangenen Woche im Landtag, dass die Linken vor fünf Jahren bei der Landtagswahl über 13 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnten, ihren damaligen Landeschef Helmut Holter aber wegen des schmalen Ergebnisses vom Hof gejagt hätten.

Wahlergebnis hat „existenzielle Dimension”

Nun, all das hat Torsten Koplin als einer von aktuell zwei Landesvorsitzenden nicht vergessen. „Trotz unseres Einzuges in die Landesregierung ist uns klar, dass das Wahlergebnis eine existenzielle Dimension für uns hat. Wir hatten uns unmittelbar nach der Wahl vorgenommen, Mitte November eine Basiskonferenz zu veranstalten, auf der es eine gründliche Analyse geben sollte“, berichtet Koplin, der die Partei gemeinsam mit Wenke Brügdam führt. Gleichzeitig habe man eine landesweite Arbeitsgemeinschaft gegründet, in denen alle acht Kreisverbände vertreten seien, um das Ergebnis aus regionaler Sicht auszuwerten.

Oldenburg soll sich auf Job als Ministerin konzentrieren

Doch bei der Basiskonferenz habe das Coronavirus ein Stoppzeichen gesetzt – in virtuellen Runden aber hat sich die Basis trotzdem ihre Gedanken gemacht. „Diese Ergebnisse liegen jetzt vor und werden genauestens analysiert. Wir hoffen, dass wir Ende Januar/Anfang Februar eine Basiskonferenz, an der alle Mitglieder und die Öffentlichkeit teilnehmen können, durchführen dürfen“, blickt Koplin in die mittelfristige Zukunft.

Der Landeschef weiß aber schon im Vorfeld, dass sich die Partei gänzlich verändern werde. Zwar teile er nicht die Einschätzung von Politikwissenschaftlern, dass die Linken mit ihrem hohen Altersdurchschnitt eine aussterbende Partei seien, aber neue Inhalte müssten nach vorne geschoben werden.

Koplin nennt die Themen Klima und Umwelt, ohne das klassische Linken-Thema Soziales zu vernachlässigen. „Wir müssen es schaffen, ökologische mit sozialen Themen zu verknüpfen“, fordert Koplin. Da müsse man deutlich aufholen. Und noch etwas schreibt Koplin den Linken ins Stammbuch: „Regierungsverantwortung übernehmen und gleichzeitig gesellschaftspolitische Opposition zu sein – das geht.“

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Im März wählen sie eine neuen Landesspitze

Wenn die Basis das Wort gehabt hat, steht für die Linken mit dem Wahlparteitag am 19. März der nächste wichtige Termin auf der Tagesordnung. Dieser war ursprünglich ebenfalls für November vorgesehen gewesen, die Pandemie aber ließ auch diesen Parteitag ins Wasser fallen.

Im März geht es vor allem um die Wahl der Landesspitze. Koplin möchte sich allerdings in diesen letzten Tagen des Jahres 2021 noch nicht in die Karten schauen lassen, ob das aktuelle Duo erneut antritt. Gerüchte und Spekulationen, wonach die neue Bildungsministerin und ehemalige Fraktionschef der Linken im Landtag, Simone Oldenburg, nach dem Landesvorsitz greift, will Koplin nicht bestätigen.

„Simone Oldenburg konzentriert sich auf ihren Job als Ministerin. Es wäre nicht gut, wenn alle Ämter in einer Hand liegen würden“, schlägt Koplin schon einmal einen wichtigen Pflock in die politische Landschaft der Linken in MV.

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