Invasion der Schwarzmundgrundeln
Schmeckt der eingeschleppte Fisch überhaupt?

Die Schwarzmundgrundel gilt in ihrer Heimat als Delikatesse. Vor allem geräuchert schmecken sie vorzüglich.
Die Schwarzmundgrundel gilt in ihrer Heimat als Delikatesse. Vor allem geräuchert schmecken sie vorzüglich.
Marius Becker

Die invasive Schwarzmundgrundel breitet sich im Nordosten aus. Los wird man sie nicht mehr, sagen Experten. Und wenn wir sie einfach essen?

Die Schwarzmundgrundel wurde vermutlich über Balastwasser in die Gewässer im Nordosten eingeschleppt. Von der Ostsee aus wandert sie jetzt in die Flüsse. Wie bei anderen sogenannten Neozoen – etwa Waschbären, Nandus, Riesen-Bärenklau – stehen die Chancen sehr schlecht, sie wieder loszuwerden.

„Ein Tier, das sich 30 Jahre schnell und erfolgreich ausbreitet, kann man nicht einfach wegfischen, die wird man nicht mehr los”, sagt Fischereibiologe Daniel Oesterwind vom Thünen-Institut in Rostock. Allerdings wird derzeit wissenschaftlich untersucht, wie man in ähnlichen Fällen die Verbreitung von eingeschleppten Tierarten möglichst gleich von Anfang an im Keim erstickt.

Grundeln fressen auch Fischeier

Die Fischart, die eigentlich im Kaspischen und Asowschen Meer vorkommt, ernährt sich von Insektenlarven, Flohkrebsen, Schnecken und Muscheln. Der Fisch kann auch Eier und Larven von heimischen Fischen fressen und einen erheblichen Einfluss auf deren Fortpflanzung haben – etwa beim Hering im Greifswalder Bodden.

Beim Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) gibt man Entwarnung in puncto Raubfisch. „Sie ist Muschelfresser, und anhand von Nahrungsanalysen bei über 1100 Grundeln konnten wir das auch bestätigen“, erläutert IGB-Experte Christian Wolter. Nur bei drei der untersuchten Tiere aus der Oder seien Fischschuppen im Darm gefunden worden.

Fische werden selbst verspeist

Der Neuling in den hiesigen Gewässern steht allerdings mittlerweile selbst auf dem Speiseplan so manch eines heimischen Räubers. Etwa bei Barschen und Zandern sowie Graureihern und Kormoranen. Das hat teils positiven Einfluss auf die Raubfischbestände, was die Angler mit der Schwarzmundgrundel etwas versöhnt.

Dabei besteht gar kein Grund, den großäugigen Grundler zu verschmähen. Paniert und gebraten und vor allem geräuchert ist der Fisch überaus bekömmlich. Im Internet kursieren einige Rezepte. In ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet gilt die Schwarzmundgrundel als Delikatesse. In den Baltischen Staaten hat man mittlerweile aus der Not eine Tugend gemacht. Dort wandert der invasive Fisch immer öfter auf den Teller. „In Lettland ist die Menge des vermarkteten Fischs binnen weniger Jahre von einigen auf mittlerweile 500 Tonnen gestiegen“, sagt Oesterwind. Teils würden die gefangenen Schwarzmundgrundeln sogar wieder in ihr Herkunftsgebiet exportiert.