KATASTROPHALES MATHEABI

Schüler begrüßen Anhebung der Noten – scharfe Kritik an Bildungsministerium

Nach den desaströsen Ergebnissen der schriftlichen Matheprüfungen sind die Noten angehoben worden. Zwar begrüßen die Betroffenen diesen Schritt. Die Kritik an Bildungsministerin Martin aber wächst.
Die Ergebnisse der schriftlichen Abiturprüfungen in Mathematik in MV sind überdurchschnittlich schlecht. (Symbolbild
Die Ergebnisse der schriftlichen Abiturprüfungen in Mathematik in MV sind überdurchschnittlich schlecht. (Symbolbild) Ole Spata
Schwerin ·

Der Landesschülerrat MV hat die Anhebung der Ergebnisse der schriftlichen Matheabiturprüfungen um zwei Punkte begrüßt. Das teilte er am Montag mit. Das Bildungsministerium in Schwerin hatte nach langen Beratungen mit Schülerrat, Landeselternrat und Philologenverband entschieden, die Ergebnisse um zwei Noten zu verbessern. Die Ergebnisse der Prüfungen waren katastrophal. Dementsprechend hart ist die Kritik, die sich gegen Bildungsministerin Bettina Martin richtet.

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Falsche Prüfungsaufgaben?

Im Grundkurs lagen die Ergebnisse durchschnittlich bei 4,1 Notenpunkten und im Leistungskurs bei 5,6 Punkten. Im vergangenen Jahr lag die durchschnittliche Punktebewertung im Grundkurs bei 5,7 und im Leistungskurs bei 8,4 Punkten. „Das Mathematikabitur ist verpflichtend, weshalb das Ablegen einer Prüfung vielen Schülerinnen und Schülern große Angst bereitet. Die Pandemie und der sich daraus ergebende Lockdown verstärkten die allgemeine Angst noch weiter, da die Stoffvermittlung und Prüfungsvorbereitung stark eingeschränkt waren”, hieß es in der Pressemitteilung.

Zudem habe das Bildungsministerium zwar konkretisierte Vorabhinweise für die Prüfungen bereitgestellt. Diese hätten jedoch in Teilen nicht mit den in der schriftlichen Prüfung geforderten Themen übereingestimmt.

Eine Mutter, die mit dem Nordkurier sprach, wurde konkreter: „Eine Erklärung für die unterirdischen Ergebnisse ist, dass die betreffenden Schüler statt Aufgaben auf Grundkurs-Niveau Aufgaben auf Leistungskurs-Niveau erhalten haben“, sagte die Frau. „Einige Themen waren in der Prüfungsvorbereitung überhaupt nicht behandelt worden. Davon hatten die Schüler noch nie gehört. Das haben sogar Lehrer bestätigt.“

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Konsequenter Schritt

Kay Czerwinski, Vorsitzender des Landeselternrats, sagte auf Nordkurier-Anfrage, „das Problem war die Art und Weise der Aufgabenstellung. Die Aufgaben waren völlig unverständlich.” Selbst Lehrer hätten das nicht verstanden.

Der Abiturjahrgang 2021 ist der erste, der nach einer neuen Verordnung Prüfungen geschrieben hatte. Aufgaben gab es auf Grund- und Leistungskursniveau. Das Ministerium hatte die Stoffgebiete eingegrenzt, weil aufgrund der Corona-Pandemie die Vorbereitungen eingeschränkt waren.

Und so schrieb dann auch der Landesschülerrat: „Hinzu kommt, dass die Schülerinnen und Schüler zum ersten Jahrgang zählen, die nach der neuen Abiturprüfungsverordnung ihren Abschluss machen. Dementsprechend war eine Orientierung an vergangenen Abiturprüfungen während der Vorbereitung nicht möglich.”

Die neue Prüfungsverordnung sei viele Jahre vorbereitet worden, sagte Czerwinski. „Die Umstellung von alter zu neuer Verordnung bedarf einer gründlichen Vorbereitung der Schüler und Lehrer”, sagte er. Die Corona-Pandemie habe diesen Prozess erheblich behindert. Weder Schüler noch Lehrer hätten vorbereitet werden können. Dementsprechend sei die Anhebung um zwei Notenpunkte ein konsequenter Schritt.

Scharfe Kritik von Linke und FDP

„Die niederschmetternden Ergebnisse sind auf das komplette Versagen im Bildungsministerium zurückzuführen”, sagte die Fraktionsvorsitzende der oppositionellen Linken, Simone Oldenburg, am Montag. „Das Ministerium ist für die Auswahl der Prüfungsaufgaben verantwortlich. Diese enthielten in diesem Jahr Aufgabenstellungen, die nicht Bestandteil des Unterrichts waren. Es ist nur recht und billig, den Abiturientinnen und Abiturienten für das Mathe-Abi einen Punkteausgleich zu gewähren.”

Oldenburg warf Martin vor, dass „ein derartiges Desaster, ausgelöst durch die Verantwortlichen im Ministerium” geeignet sei, den Jugendlichen die Zukunft zu verbauen.

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Die FDP sagte, Bildungsministerin Bettina Martin wolle mit der Notenanhebung eigenes Versagen verschleiern. Sie wolle Noten präsentieren, die keine Spur ihres „schlechten Krisenmanagements” in der Corona-Krise zeigten. Aus Sicht der FDP hätten zum Beispiel die Lehrer früher geimpft und die Kapazitäten im Onlineunterricht schneller ausgebaut werden müssen.

Eine Nordkurier-Anfrage beim Schweriner Bildungsministerium blieb zunächst unbeantwortet. Dem NDR gegenüber nannte ein Sprecher als Grund für die schlechten Leistungen „mehrere Rahmenbedingungen”, mit den Folgen der Corona-Pandemie und den Lockdown-Maßnahmen in den Schulen habe das nichts zu tun.

Weinende und verzweifelte Abiturienten

Auswirkungen zeigen das Krisenmanagement und die Matheprüfungen bei den Schülern schon jetzt. Der Landesschülerrat befragte in Zusammenarbeit mit dem Landeselternrat 2441 der rund 4600 Schülerinnen und Schüler, die in diesem Jahr eine schriftliche Mathematikprüfung ablegten. „Wir waren erschrocken über die emotionalen Nachrichten von Prüflingen, die uns erreichten. Trotz guter Vornoten und intensiver Vorbereitung seien einige weinend aus ihrer Prüfung gegangen, während andere verzweifelt um ihr Bestehen bangen würden”, schrieb Hanna Suhr, Pressesprecherin des Landesschülerrats, in der Pressemitteilung.

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Kommentare (1)

sondern der instrumentalisierte Landesschülerrat MV begrüßt. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Schüler nicht mit dmn Makel politisch hochgestuft zu sein, zufrieden sind. Immerhin weiß das nun jeder vom Handwerksbetrieb bis zur Uni. Wie immer sollte man sich auch hier fragen: "Wem zum Nutzen?" hat das Bildungsministerium entschieden?