CORONA-KRISE

Schülerverkehr in MV – Eltern wollen Taten sehen

Überfüllte Schulbusse und null Corona-Abstand ließen Eltern in ganz MV zu Beginn des Schuljahres auf die Barrikaden gehen. Jetzt wurde Waffenstillstand geschlossen – vorerst.
Der Klassiker, der sich stetig am Morgen und Nachmittag wiederholt: An der Rosenstraße in Jarmen (Landkreis Vorpommern-G
Der Klassiker, der sich stetig am Morgen und Nachmittag wiederholt: An der Rosenstraße in Jarmen (Landkreis Vorpommern-Greifswald) drängeln sich ganz viele Schüler in einen Bus. Stefan Hoeft
Schwerin ·

Mitte August standen sich Eltern und die für den Schülerverkehr verantwortlichen Kommunen noch unversöhnlich gegenüber. Kay Czerwinski, Chef des Landeselternrats in Mecklenburg-Vorpommern, der tausende von Eltern hinter sich weiß, wetterte seinerzeit: „Wenn die meisten Schulbusse vor der Schule halten, dann steigen die Schüler nicht aus – dann fallen die Schüler gleich aus der Tür. Die Schulbusse sind überfüllt – von Corona-Regeln keine Spur“, schilderte der oberste Elternvertreter die Missstände aus seiner Sicht.

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Städte- und Gemeindetag MV sowie Landkreistag MV als Vertreter der Kommunen und Landkreise hielten dagegen. „Es gibt doch zwei Möglichkeiten, um sich vor den Coronaviren zu schützen – den Mindestabstand oder das Tragen einer Maske. Da der Mindestabstand in den Bussen nicht machbar ist, gibt es die Maskenpflicht. Und mit diesen Masken ist das Infektionsrisiko überschaubar“, sagte Arp Fittschen vom Städte- und Gemeindetag.

Kommunikation – offenbar das Zauberwort

Matthias Köpp, Geschäftsführer des Landkreistages, ergänzte: „Es ist wirtschaftlich nicht leistbar und infektionell nicht nötig, zusätzliche Busse einzusetzen. Sicherlich sind einige Eltern verängstigt – vielleicht muss die Kommunikation hinsichtlich der Maskenpflicht noch verbessert werden.“

Kommunikation – offenbar das Zauberwort in dieser über Wochen aufgeheizten Auseinandersetzung. „Es haben alle zu viel übereinander statt miteinander geredet“, sagte Czerwinski am Donnerstag, nachdem sich am Vortag Vertreter von Schülern, Eltern, Lehrergewerkschaft sowie Landkreise und kreisfreie Städte zum Thema Schülerverkehr und Corona-Schutzmaßnahmen an einen Tisch gesetzt hatten. Platz genommen hatten dort auch Verkehrsminister Christian Pegel und Bildungsministerin Bettina Martin (beide SPD).

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Und eben Pegel und Martin hätten nach Einschätzung von Czerwinski einen „richtig guten Job in einem unglaublich konstruktiven und lösungsorientierten Gespräch“ gemacht. Hatte die Halsschlagader des MV-Eltern-Chefs in den Vorwochen oftmals die Ausmaße eines Gartenschlauchs angenommen, präsentierte sich Czerwinski nun im Gespräch mit dem Nordkurier „entspannt und zufrieden“.

Ansprechpartner vor Ort

Man habe klare und kurze Informationswege geschaffen, um dort, wo es wirklich Probleme gibt, schnell und punktuell zu reagieren. Es werde vor Ort Ansprechpartner geben, so dass Kommunen, Schulen und Eltern stets einen direkten Draht hätten.

„Wenn Eltern Angst um die Gesundheit ihrer Kinder haben, sind viele Emotionen im Spiel – die Eltern blicken ganz anders auf Situation als beispielsweise ein Beamter in einer Kreisverwaltung“, berichtete Czerwinski auch von grundsätzlich unterschiedlichen Sichtweisen. „Beim Schülerverkehr wird ja keine Ware transportiert, sondern Kinder befördert“, machte Czerwinski deutlich.

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Aber spätestens als die Wut der Eltern in Sachen überfüllte Schulbusse in einem Nordkurier-Artikel im August in die breite Öffentlichkeit getragen worden sei, habe dies bei den Verantwortlichen Wirkung gezeigt, so der Vorsitzende des Landeselternrates.

Jetzt aber – und da nahm Czwerwinski sprachliche Anleihe beim Dichter und Denker Goethe – „sind der Worte genug gewechselt, lasst mich endlich Taten sehen“. Mit anderen Worten: So ganz traut der Elternsprecher dem ausgerufenen Frieden noch nicht.

Die Politik ist auf alle Fälle gewillt, das „gesetzte Samenkorn“ zu pflegen und hegen. „Es liegt in unser aller Interesse und Verantwortung, dass unsere Kinder gut und gesund zur Schule kommen und auch wieder zurück“, betonte Verkehrsminister Christian Pegel und appellierte an die Eltern: „Achten Sie bitte darauf, dass Ihr Kind während Schulbusfahrten stets den Mund-Nasen-Schutz dabei hat und auch weiß, warum es wichtig ist, ihn zu tragen.“

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Kommentare (1)

Der Chef des Landeselternrats setzt sich leider nicht für die Rechtmäßigkeit der Elternvertretung in den einzelnen Schulen ein. So werden bereits unerwünschte Elternvertreter unter fadenscheinigen Begründungen von den Versammlungen fern gehalten. Es ist bedauerlicherweise nur eine Frage der Zeit, wann infolge des plandemischen Maskenzwangs erste gesundheitliche Schäden und Todesopfer auch in M-V zu beklagen sind.