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Schützen blaue Reflektoren vor Tieren auf der Straße?

Vor diesem ausgestopften Wildschwein braucht der blaue Reflektor am Straßenrand niemanden mehr zu schützen.
Vor diesem ausgestopften Wildschwein braucht der blaue Reflektor am Straßenrand niemanden mehr zu schützen.
Fredrik von Erichsen

Während die Zahl der Wildunfälle deutschlandweit steigt, ist sie in MV leicht rückläufig. Das könnte auch den Kunststoffteilchen liegen, mit denen Jäger und Behörden den Tieren beikommen wollen.

Abenddämmerung in einem Wald bei Waren: Ein junger Fahrer ist auf der Landesstraße unterwegs, als von rechts ein Rehbock aus dem Wald springt. Ein lauter Schlag – dann Stille. Fahrer und Beifahrerin haben Glück, sie kommen mit dem Schrecken davon. Das Auto muss abgeschleppt werden, der Bock ist sofort tot.

Ein ähnliches Szenario haben allein im ersten Halbjahr 2013 knapp 6300 Autofahrer im Land erlebt. Und das ist nur die registrierte Zahl – die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Immerhin kann MV damit aber entgegen dem Bundestrend einen leichten Rückgang an Wildunfällen verzeichnen: Im ersten Halbjahr 2012 waren es noch gut 300 Unfälle mehr. Gleichwohl bleibt die Statistik alarmierend. Ein Mensch verlor bei einem Wildunfall in der ersten Hälfte dieses Jahres sein Leben, 13 wurden schwer verletzt, 35 leicht.

Um das Wild von der Fahrbahn fern zu halten, setzen Behörden und Jäger seit Längerem auf Reflektoren. Und neuerdings auch vermehrt auf die Farbe Blau. Sie signalisiert den Wildtieren Gefahr – deshalb werden immer mehr Leitpfosten im Land mit Reflektoren dieser Farbe bestückt. „Das ist alles noch mit Beobachtungen verbunden, wie wirksam es ist“, sagt Volker Koch vom Kreisjagdverband Müritz. Im Bereich seines Verbandes wurden in der Nähe von Waren bereits besonders gefährdete Straßenabschnitte mit den blauen Kunststoff-Reflektoren versehen.

Abblenden, Vollbremsung, Kontrolle behalten

Vieles deutet darauf hin, dass die Reflektoren tatsächlich von Nutzen sind. Bei einem Forschungsprojekt von ADAC und Jagdverband in Schleswig-Holstein seien innerhalb von zwei Jahren die Unfälle mit Wild um bis zu 80 Prozent zurückgegangen, erklärt ADAC-Sprecher Christian Hieff. Man habe hier mit blauen Reflektoren und Duftzäunen gearbeitet.

Auf den Einsatz von Geruchsstoffen verzichten die Jäger in MV gänzlich. „Wir haben hier diverse Teststrecken gefahren. Innerhalb kürzester Zeit tritt hier ein Gewöhnungseffekt für das Wild ein“, sagt Rainer Pirzkall vom Landesjagdverband.

Wer als Fahrer die Wahrscheinlichkeit eines Wildunfalls minimieren will, für den haben die Experten einmütig den immer gleichen Tipp: den Fuß vom Gas zu nehmen, insbesondere in der Nähe von Wild-Warnschildern. Sollte unvermittelt ein Reh auf der Fahrbahn auftauchen, rät Christian Hieff drei Dinge: Abblenden, Vollbremsung – und bloß keine unkontrollierten Ausweichmanöver. Denn dadurch geschehen die meisten schweren Unfälle.