Corona-Einschränkungen

Schulen sollen weiter offen bleiben

Deutschlandweit werden die Corona-Regeln immer weiter verschärft, doch die Schulen sollen weiter offen bleiben. Das kritisieren nicht nur Schüler.
Regelmäßig Lüften: So sieht der Alltag in Deutschlands Klassenzimmern aus.
Regelmäßig Lüften: So sieht der Alltag in Deutschlands Klassenzimmern aus. Guido Kirchner
Neubrandenburg

Auch wenn die Einschränkungen in der Corona-Pandemie wieder schrittweise angezogen werden, soll es weiterhin keine Schulschließungen geben. Darauf haben sich am Montag Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder verständigt. So twitterte etwa Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD): „Für unser Land hat Priorität, Kita & Schule offen zu halten.”

Im „heute Journal” des ZDF wurde zu diesem Thema am Montagabend auch der Bildungsminister von Nordrhein-Westfalen, Joachim Stamp, interviewt. Er musste sich viele kritische Fragen des Moderators Claus Kleber gefallen lassen.

Trotzdem mussten bislang einzelne Klassen und Lehrer in Quarantäne geschickt werden, weil es in der Schule oder im Umfeld Positiv-Testungen gegeben hat. Allein in Vorpommern-Rügen sind aktuell acht Schulen betroffen, wie der Landkreis mitteilte. Seltener wird eine ganze Schule geschlossen.

Viele Schüler halten es inzwischen für besser, die Schulen wieder ganz zu schließen. Auch unser Leser Roman-Dieter Olbricht hat sich zu diesem Thema an die Misch-Redaktion gewandt. Er hat bis 2017 die Fritz-Reuter-Schule in Neubrandenburg besucht und war Schülersprecher, Vorsitzender des Kreisschülerrates in der Seenplatte und dann auch im Landesschülerrat von Mecklenburg-Vorpommern.

Noch immer verfolgt er die Bildungspolitik genau, inzwischen ist der 21-Jährige auch Mitglied der CDU. Trotzdem kritisiert er die Bundesbildungsministerin Anja Karliczek, die auch in der CDU ist. So hatte die Ministerin vergangene Woche zum Thema Stoßlüften in Klassenräumen gesagt: „Es ist in der momentanen Lage den Schülern zuzumuten, einen dickeren Pullover anzuziehen.” Zudem sprach sie sich für eine allgemeine Maskenpflicht im Unterricht aus, und zwar auch für Grundschüler.

Maskenpflicht für Grundschüler nicht zumutbar

Roman-Dieter sagt dazu: „Die aktuellen Forderungen unserer Bundesbildungsministerin sind nicht hinnehmbar und weit vom Realismus entfernt.” Seiner Meinung nach sollten die Schulen in der derzeitigen Corona-Lage schrittweise wieder heruntergefahren werden. Unterricht sollte es nur noch für die Klassen 1 bis 6 geben. Denn Maskentragen sei sicherlich effektiv, um die Verbreitung des Virus zu verhindern, aber es störe auch im Unterricht. Gerade Grundschülern sei es nicht zumutbar, so Roman-Dieter.

Für die Schüler der Stufen 7 bis 9 schlägt er vor, die Klassen zu halbieren und sie getrennt voneinander zu unterrichten, damit weniger Schüler in einem Raum sind. Die eine Hälfte bleibt zu Hause und lernt dort, die andere Hälfte im Klassenraum. Dann wechseln sie sich ab.

Die höheren Stufen könnten auch ganz zu Hause bleiben, denkt Roman-Dieter. Schließlich seien sie schon alt genug, um auch mal alleine zu lernen.

Zum Thema Stoßlüften hatte Anton Fischer aus dem Landesschülerrat zuletzt gesagt: „Mit Handschuhen oder blauen Fingern wird das Mitschreiben zur Qual, Frau Karliczek. Auch ein dicker Pulli schützt da nicht unbedingt vor einer Lungenentzündung.” Anton Fischer gehört zum Vorstand des Landesschülerrates und ist somit ein Nachfolger von Roman-Dieter Olbricht. Und Roman-Dieter unterstützt ihn bei seiner Kritik. „Mit kalten oder Handschuhen im Unterricht zu sitzen bedeutet Stress. Dabei sollen die Schüler doch etwas lernen”, sagt er.

Kritik: Bildungspolitik wird immer vernachlässigt

„Die Bildungspolitik wurde schon immer vernachlässigt”, bemängelt Roman-Dieter Olbricht. So berichtet er, dass er sich bereits vor einigen Jahren mit seinen damaligen Mitstreitern aus dem Landesschülerrat dafür eingesetzt hatte, digitale Plattformen für die Schulen in MV einzuführen. Der Hintergedanke sei damals gewesen, etwa eingeschneiten Schülern, die in einem harten Winter nicht zur Schule kommen, das Lernen von zu Hause zu ermöglichen. „Wir müssen doch mit der Zeit gehen.“ An eine Pandemie hatte damals noch niemand gedacht, doch genau so eine Plattform wäre im Jahr 2020 natürlich hilfreich gewesen. Jetzt werden sie nach und nach eingeführt.

Roman-Dieter sagt, dass sie damals mit ihrer Idee zum Bildungsministerium in Schwerin gegangen sind. Dort seien sie aber abgewiesen worden.

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