KLIMA DER ANGST

Schulleiter zeigt Abiturient nach kritischer Rede in Prerow an

Ein Schüler hat mit seiner Rede auf dem Abiball einer Schule in Prerow für Aufsehen gesorgt. Der Direktor hat ihn nun wegen übler Nachrede angezeigt.
dpa
In Prerow auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst gibt es Ärger: Der 18-Jährige Schüler Fiete Korn hat während der Abiball-Rede seinen Direktor kritisiert, dieser zeigte ihn daraufhin an.
In Prerow auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst gibt es Ärger: Der 18-Jährige Schüler Fiete Korn hat während der Abiball-Rede seinen Direktor kritisiert, dieser zeigte ihn daraufhin an. Stefan Sauer
Prerow.

Nach seiner kritischen Rede auf dem Abiball der Freien Schule Prerow (Halbinsel Fischland-Darß-Zingst) ist ein Schüler von seinem Direktor wegen übler Nachrede angezeigt worden.

Ihr Sohn habe ein Schreiben der Polizei bekommen mit der Aufforderung, eine Stellungnahme abzugeben, sagten Annette Korn und Klaus Schütt am Freitag. Der 18 Jahre alte Fiete Korn hatte in seiner teils ironischen Ansprache die Art und Weise kritisiert, wie die Schulleitung mit den Schülern umgehe und ein Klima von Angst und Einschüchterung erzeuge. Schüler sollen motiviert worden sein, ihre Mitschüler zu überwachen.

+++ Aktualisierung: Wenige Tage nachdem dieser Vorfall bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hat, hat Jan Böhmermann dem Abiturienten einen Praktikumsplatz angeboten. +++

 

Video wurde in den sozialen Medien geteilt

Obwohl über den Schulleiter bereits zuvor viel geredet worden sei, habe aus Angst kein Schüler den Mund aufgemacht, sagte Korn Beim Abiball sei ihm dann bewusst geworden, dass dies die letzte Gelegenheit war, dem Schulleiter im Beisein von anderen die Meinung zu sagen, berichtete er. "Ein Brief wäre im Sande verlaufen", meinte er. Der Videomitschnitt eines Schülers von seiner Rede sei dann in den sozialen Medien weitergereicht worden. Gäste des Balls applaudierten dem Abiturienten.

Schulleiter Gerald Schaarschmidt war am Freitag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Er hat noch Urlaub, da der Unterricht erst am 31. August beginnt, wie die freie Schule mitteilte.

Mehr lesen: Schweriner Schule bleibt trotz Corona-Fall geöffnet.

Verhältnis zwischen Schule und Ort zerrüttet

An der Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe lernen nach Angaben von Prerows Bürgermeister René Roloff (Wählergemeinschaft) etwa 440 Schüler. Scheinbar hat die Schule nicht nur mit ihrem Nachwuchs Probleme: "Das Verhältnis zwischen der Gemeinde und der Schule ist zerrüttet", sagte er. Einer der Gründe sei der Sanierungsbedarf am Schulgebäude.

Roloff zufolge hatte der Träger des Darßer Bildungszentrums das Objekt bereits sanierungsbedürftig gemietet. Die Gemeinde als Eigentümer sei dafür zuständig und wolle auch sanieren. Es habe bei diesem Millionenprojekt jedoch ein ständiges Hin und Her gegeben. Im Land habe sich die Fördergesetzgebung geändert, und auch die Trägerschaft habe gewechselt. Schließlich habe die Semper-Holding mit Hauptsitz in Dresden als Schulträger die Miete zu 100 Prozent einbehalten. Zudem wollte die auch im Immobiliengeschäft tätige Holding die 2,5 Hektar Schulgelände in bester Lage im Ostseebad Prerow gerne kaufen. Die Gemeinde lehnte einen Verkauf ab.

Nach einem Gerichtstermin sei die ausstehende Miete von 180.000 Euro gezahlt worden. Der Rechtsstreit ist Roloff zufolge aber noch nicht beendet. Ein Teil des Geldes werde zurückgefordert. 

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Kommentare (9)

Der Umstand, dass kritisierte Menschen das Gericht bemühen müssen, um sich zu rechtfertigen, ist in Deutschland leider nicht unüblich. Es sollte Dich stärken, denn hier fehlt es offenbar jemandem an Streitkultur, der es den Kindern eigentlich beibringen sollte.

Wo kann man sich eine eigene Meinung bilden? Wo findet man den Mitschnitt?

Frische Abiturienten sind meist abgehoben! Glauben, ihnen gehört die Welt. Erst das Leben lehrt ihnen Demut. Ein Lehrer aus Amerika hielt auf einer Abschlussrede einmal eine grandiose Rede: "...Ihr seid nichts Besonderes. Ihr seid nicht außergewöhnlich...Klettert nicht auf den Berg, um dort eure Fahne hinzupflanzen, sondern um die Herausforderung anzunehmen, die Luft zu genießen und die Aussicht zu betrachten. Besteigt ihn, damit ihr die Welt sehen könnt, nicht damit die Welt euch sehen kann."

Ja, bevor man sich eine Meinung bilden kann, solte man sich die Vorwürfe anhören. Wenn der Schulleiter ihn anzeigt, müsste man schon mal die andere Seite hören. Der Passus fehlt im Artikel. Warum? Um wieder zu polarisieren? Sie haben Recht. Siehe FFF. Rumblöken, stänkern. Hintergrundinformationen hier gleich NULL.

Ich hoffe, Elionore, l daß sie keine Mutter sind. Ihre Tips braucht kein junger Mensch.
Jedem der das Abitur macht, erstmal Glückwunsch.
Ihr seid was Besonderes.
Und jetzt geht das Ganze wieder los. Studium, Lehre, Berufserfahrung.
Viel Spaß...

https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/02/PD19_055_213.html Über 50% der zw. 20 u. 24 jährigen haben Abitur. Glückwunsch auch von mir! Es ist somit aber nichts Besonderes. Thema Demut: in unserer hippen Zeit? Dankbar- u. Bescheidenheit und gibt es immer weniger!

Das kenne ich noch aus meiner Bundeswehrzeit vor 25 Jahren .
Pünktlich zum Sommerende rückten die Rekruten ein, hier speziell die noch nicht weiter orientieren Abiturienten.
Bei der Einschleusung dann die üblichen Fragen: "Ich Beruf? Er ich habe Abitur! Ich Also ungelernt! Er Schluck! "
Es stimmt schon ein Stück weit, dass die Abgänge mit völlig falschen Lebenserwartungen entlassen werden.
Leider treibt es auch solche Blüten, das der Abgänger prima diskutieren und u.U. seinen Namen tanzen kann, jedoch nicht weiss wie man sich arbeitslos meldet.
Melne Meinung

Zweifel am "Wert" eines heutigen Abktures hege ich schon lange.
Speziell, seit ich vor längerer Zeit den Bericht einer Abiturientin aus NS beim Spiegel las welche mit Stolz von einem ihrer Wahlpflichtfächer bei der Abiprüfung berichtete .
Voltigieren!
Da bleibt nur noch Kopfschütteln

Der Blick geht nach vorn und nicht zurück. Schule ist aus und vorbei. Das Leben hält noch ganz andere und schwerere Aufgaben bereit, als die Freude über das bestandene Abi. Viel problematischer sind nicht autorisierte Videos, die in die Öffentlichkeit gestellt werden und namentlich Personen diskreditieren. Hier muss Jugend noch sehr viel lernen, damit dessen Zukunft nicht in Diktaturen egal welcher politischer Farbe enden.