Nach Rissen
Schutz vorm Wolf durch Abschuss?

Schäfer und Landwirte fordern eine Regulierung der Wolfspopulation.
Schäfer und Landwirte fordern eine Regulierung der Wolfspopulation.
Bernd Thissen

Nach einem erneuten Wolfsangriff in MV sind sich Verbände einig: Sicherheit für Weidetiere wird es mit den bestehenden Gesetzen nicht geben. In Brandenburg gehen Bauern weiter.

Ein Wolfsübergriff im Landkreis Ludwigslust-Parchim erhitzt derzeit die Gemüter mehrere Verbände. Trotz Zaun und zwei Herdenschutzhunden wurden dort vor wenigen Tagen 34 Schafe getötet, etwa 11 verletzt. Um weitere Übergriffe zu vermeiden, setzte der Schäfer nun zusätzliche Herdenschutzhunde ein. „Mehr können Schäfer nicht tun“, heißt es aus dem Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt in Schwerin.

Der Regionalbauernverband Ludwigslust, der Landesbauernverband Mecklenburg-Vorpommern sowie der Landesschaf- und Ziegenzuchtverband Mecklenburg-Vorpommern sehen das anders. Man könnte mehr tun. Sie fordern anlässlich dieses Falls nun, aus den Wolfsangriffen, die es seit Langem im Nordosten gibt, endlich Konsequenzen zu ziehen. Das teilen die Verbände in einer Pressemitteilung mit.

Etablierte Wolfsrudel am Werk?

Bauernverband und Schafzuchtverband vermuten hinter einigen Vorfällen der letzten Zeit etablierte Rudel, nicht nur durchziehende Einzeltiere. Zumindest liege die Vermutung bei einem Blick auf die Zahl der bisher nachgewiesenen und vermuteten Übergriffe sowie den hohen Verlusten an Nutztieren nahe.

Für Jürgen Lückhoff, den Vorsitzenden des Landesschaf- und Ziegenzuchtverbands, geht es in der Debatte nicht nur im den finanziellen Schaden. Das Thema ist für Tierhalter vielmehr ein emotionales. Neben den getöteten Tieren und denen, die aufgrund ihrer Verletzungen eingeschläfert werden müssen, können Schäfer nicht absehen, wie viele Mutterschafe ihre ungeborenen Lämmer nach einem Angriff verlieren. „Da gibt es schon Tierhalter, die resigniert fragen: Macht das Ganze noch Sinn, wie oft sollen wir täglich und nachts die Herden an den verschiedensten Standorten kontrollieren“, sagt Lückhoff.

Schutzstatus des Wolfs herabsetzen?

Die Verbände sehen dringenden und wesentlichen Handlungsbedarf auf Bundesebene. Zum einen solle die Bundesregierung sich dafür einsetzten, den Schutzstatus des Wolfs in der Berner Konvention auf „geschützt“ herabzusetzen, zum anderen müsse eine Übernahme des Wolfs in das Jagdrecht geprüft werden.

Auffällige Wölfe müssten unverzüglich und auf einer einheitlichen Rechtsgrundlage entnommen werden. Zudem solle eine maximale Bestandszahl für den Erhalt der Wolfspopulation festgelegt werden. Im Falle einer Überschreitung solle eine Regulierung der Population erlaubt sein.

Landwirte in Brandenburg gehen noch weiter. Der dortige Bauernbund fordert unter anderem wolfsfreie Zonen. „Überall, wo Menschen und Weidetiere sind, müssen Wölfe konsequent gejagt werden. Nur echte Wildnis darf als Schutzgebiet ausgewiesen werden“, heißt es.

Protest gegen Wolf geplant

Um sich in der Landeshauptstadt Potsdam Gehör zu verschaffen, ist für den 10. November ein Protest geplant. „Das Raubtier zerstört die Existenz der Weidetierhalter, es schädigt die Jäger und es schreckt alle, die einfach nur mit ihrem Hund spazieren gehen, ausreiten, Pilze sammeln oder Holz machen wollen. Das Leben auf dem Lande wird schlechter, auch wenn uns die Wolfsexperten das Gegenteil erzählen. Gegen diese Bevormundung wehren wir uns“, heißt es.

„Es darf nicht sein, dass der Wolf über das Leben unserer Nutztiere und die Sicherheit im ländlichen Raum gestellt wird“, sagte Leberecht. Ein „Schutzstatus“ für Weidetiere und Menschen müsse wichtiger sein als die ungehinderte Ausbreitung der Wölfe. Dafür seinen Instrumente für die Vergrämung der Raubtiere aus Wohn- und Weidegebieten sowie die Möglichkeit zum Abschuss von auffälligen Wölfen nötig.

Der Wolfsmanagementplan für MV stammt noch aus dem Jahr 2010. Eine Überarbeitung ist angedacht, einen Fertigstellungstermin gibt es aber nicht. In Brandenburg wurde der Plan für das Land 2018 überarbeitet. Daran gibt es Kritik, unter anderem von Landwirten. Nach zwei durch einen Gutachter bestätigten Wolfsrissen können Bauern dort die „Entnahme“ eines Wolfs aus dem Gebiet beantragen.