VORSTOß

Schweriner CDU-Bundestagsabgeordneter fordert Jagd auf Wölfe

Das Thema Wolf ist im Bundestag angekommen. Dabei dürfte auch die Aktion eines Schäfers für Eindruck beim CDU-Bundestagsabgeordneten Dietrich Monstadt gesorgt haben.
Man sollte den Wolfsbestand aktiv regulieren, so der CDU-Bundestagsabgeordnete Dietrich Monstadt.
Man sollte den Wolfsbestand aktiv regulieren, so der CDU-Bundestagsabgeordnete Dietrich Monstadt. Boris Roessler
Dietrich Monstadt
Dietrich Monstadt Heike Homp
Schwerin ·

Nach einer Reihe von Wolfsattacken auf Weidetiere fordert die CDU in Mecklenburg-Vorpommern, dass Wölfe auch gejagt und geschossen werden dürfen. „Wir brauchen eine aktive Regulierung”, erklärte der Schweriner Bundestagsabgeordnete Dietrich Monstadt am Freitag. Der EU-weite Schutzstatus müsse gelockert werden.

Schäfer setzte blutiges Zeichen

Kontinuierlich steigende Wolfszahlen belegten, dass sich die Bestände von allein erhielten. Monstadt gehört zum MV-Landesvorstand und ist auch im Bundestagsausschuss für Ernährung und Landwirtschaft tätig. Zuvor hatten Bauernverband und Schaf- und Ziegenzüchter im Nordosten klarere Regeln für den Raubtierumgang gefordert, die auch Abschüsse enthalten sollten.

Zuletzt war der Schäfer Ingo Stoll aus Lindholz im Landkreis Vorpommern-Rügen in den Medien präsent, weil er ein blutiges Zeichen setzte. Er präsentierte vier tote Schafe in der Stralsunder Innenstadt. Damit protestierte Stoll, der auch im Vorstand des Landesschaf- und Ziegenzuchtverbands sitzt, gegen die nach eigenen Angaben fehlende Hilfe durch das Landwirtschaftsministerium im Kampf gegen den Wolf. Er sei aber jederzeit gesprächsbereit. Minister Till Backhaus (SPD) reagierte erbost auf die Aktion. Andere Schäfer sprangen Stoll bei.

Menschen vor dem Wolf schützen

Die Population habe so zugenommen, dass es immer mehr Konflikte in ländlichen Gebieten gebe, auch im Nordosten, meinte nun Monstadt. „Die Tiere fühlen sich in Deutschland wohl.” Auch weil sie trotz Herdenschutzes regelmäßig an Nutztiere kämen und diese rissen. Besonders betroffen seien Weidetierhalter. Man wolle aber weiter Rinder, Schafe, Pferde und andere Tiere auf Wiesen und in offenen Ställen, dies diene auch der Landschaftspflege.

„Die Akzeptanz gegenüber dem Wolf kann nur erhalten werden, wenn wir das Tier nicht nur vor dem Menschen schützen, sondern den Menschen auch vor dem Tier”, sagte der CDU-Politiker. Bundesweit war der Bestand vom Bundesamt für Naturschutz im „Monitoringjahr 2019/20” mit 128 Wolfsrudeln, 35 Wolfspaaren sowie 10 „sesshaften Einzelwölfen” gemeldet worden. Experten zufolge steigt der Bestand jährlich um rund 30 Prozent. Die meisten Wölfe leben im Osten Deutschlands und in Niedersachsen.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Schwerin

zur Homepage

Kommentare (2)

Wer kauft heute noch Produkte aus Schafwolle bzw kann sich diese leisten? Wer ist heute noch Schaf- bzw Hamelfleisch? Eine Schafhaltung ist heutzutage nicht mehr notwendig. Die paar Schäfer und deren Umsatz stehen in keinem Verhältnis zu der Ausrottung des Wolfes!

Der betreffende Herr hat doch bereits 2017 Stimmung gegen den Wolf gemacht:

"CDU-Bundestagskandidat Dietrich Monstadt ist in Sachen Wolf in bisher nicht gekannter Schärfe vorgeprescht. Für ihn gehöre der Wolf in seiner jetzigen unkontrollierten Ausbreitung nicht zu Deutschland. (...) Zudem will Monstadt, selbst Jäger, (...)." (Quelle: svz, 06.09.2017: "Gehört der Wolf zu Deutschland?“)

Damit reiht sich der Herr in die Riege weiterer Jagdgenossen der CDU ein, die die Jagd auf Wölfe fordern.

Im niedersächsischen Emsland präsentierten sich gerade zwei CDU-Bürgermeister in der Presse, die angeblich wegen der Wölfe fürchteten, auf den Baugrundstücken ihrer Gemeinden sitzen zu bleiben. Die allgemeine steigende Nachfrage nach Baugrundstücken auf dem Land - auch und gerade in langjährigen Wolfsgebieten - haben die beiden Herren wohl entweder nicht mitbekommen oder einfach nur einen neuen Vorwand gesucht, die Wolfsjagd zu fordern. Fun Fact: Sie sehen sich selbst als „natur- und umweltbewusste Jäger“. (Quelle: NOZ, 27.05.2021: "Nach Wolfssichtung in Renkenberge: Bürgermeister fordern Abschuss" sowie Wolfsmonitor, 27.05.2021: "Emsland: Wolfsschutz soll wegen Erweiterung eines Wohngebietes abgesenkt werden").

Diese ewigen Forderungen nach einer Wolfsbejagung kommen doch immer wieder aus denselben Kreisen. Studien haben ergeben, dass vor allem Jäger im Gegensatz zum Rest der Bevölkerung ein Problem mit dem Wolf haben:

"Jäger sind gemessen an der Gesamtbevölkerung in Deutschland eine sehr kleine Gruppe. (...) Die Einstellung gegenüber Wölfen ist bei dieser Interessensgruppe negativ ausgeprägt, im Gegensatz zum Rest der Bevölkerung, die positiv eingestellt ist. (...) Nicht selten fühlen sich Jäger in vormals wolfsfreien Gebieten auch durch die bloße Anwesenheit von Wölfen in ihrer Jagdausübung gestört, weil das Schalenwild sein Verhalten ändern, gewohnte Einstände wechseln und unvorhersagbarer werden kann. (...) Sie befürchten, der Jagdertrag würde geringer, der Erlebniswert beeinträchtigt, die Jagd schwieriger, manche Wildart fast oder gänzlich ausgerottet. Der Staat, der die Rückkehr der Wölfe dulde bzw. sogar begrüße, solle für Entschädigungen der Jäger aufkommen. (...) Dabei stehen häufig finanzielle Erwägungen im Vordergrund. (...) Generell scheint der Wissensstand zum möglichen Einfluss von Wölfen auf Schalenwildbestände sowie zu Feindvermeidungsstrategien von Schalenwild gering zu sein. (...) Das deckt sich mit den Ergebnissen der Akzeptanzstudie (KACZENSKY 2006). Sie zeigte insbesondere bei den Befragten, die Wölfen negativ gegenüberstehen, eine geringe Bereitschaft, Informationen anzunehmen." (Quelle: Bundesamt für Naturschutz, Skript 201 (2007), Seite 90-92).

Auf einer CDU-Veranstaltung in Niedersachsen wurde Klartext geredet: "Für Ehlen war klar: Die Jagden sollen wertvoll bleiben. Dabei störe der Wolf empfindlich. Wo er auftritt, reißt er unter anderem Schalenwild, Schwarzwild und Hirsche. Ein Dilemma für Jagdbesitzer, weil sich das auf die Wildbestände auswirkt, die im Normalfall von Jagdpächtern geschossen werden können. So sinke der Wert der Gebiete – für die Pacht genauso wie für die Wiederveräußerung. „Das ist auch ein Stück weit Enteignung“, so Ehlen. (Quelle: Rotenburger Rundschau, 24.05.2019: Ehlen, Dammann-Tamke, Wildtier: CDU Sottrum lädt zur Diskussionsveranstaltung: Wolf ja, aber ...")

Wird uns zur Rechtfertigung der Jagd nicht immer erzählt, dass hier doch vor allem der Naturschutz im Vordergrund stünde? Der Wolf entlarvt so manche Rechtfertigungstaktik, bei der es statt Naturschutz vielleicht doch eher um Eigeninteressen einer kleinen Minderheit geht.