Bienen

Schwesig blamiert sich mit falschem Einstein-Zitat

Wenn Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig den Physiker Albert Einstein zitiert, dann sollst Du wachsam sein, sagte schon der römische Feldherr Julius Cäsar. Hmm. Irgendwas stimmt mit diesem Zitat nicht.
Carsten Korfmacher Carsten Korfmacher
Mag Bienen: MVs Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD)
Mag Bienen: MVs Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) NK-Repro/Hannes Ackermann
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Schwerin.

Generationen von Umweltschützern und Hummel-Freunden haben bereits in dieses Wespennest gestochen: ein Zitat über die Wichtigkeit der Bienen für den Fortbestand der Menschheit, das fälschlicherweise dem Physiker und Nobelpreisträger Albert Einstein zugeschrieben wird, in Wahrheit aber aus der Feder eines in Deutschland nahezu unbekannten belgischen Literaten stammt. Spott und Häme sind dem zitierenden Gläubigen dann stets sicher. Das letzte Opfer der stillen Bienenpost: Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD).

So lief das Ganze ab: Schwesig eröffnete am Samstag das Bienenhaus im vorpommerschen Stolpe an der Peene - und trank dabei auch einen Schnaps. Am selben Abend veröffentlichte sie auf ihrem Twitter-Konto, das sie wie ihre Instagram-Seite selbst bedient, Fotos von der Eröffnung und kommentierte diese mit folgenden Worten: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben” (Albert Einstein, 1949).

Im Urteil der Kommentatoren steht nicht zur Debatte, ob dieser Satz wahr oder falsch ist, sondern ob er tatsächlich von Albert Einstein stammt. Und das scheint eindeutig widerlegt, wie zahlreiche Wissenschaftsblogs und andere Seiten vermelden, die sich mit der Geschichte des Zitats auseinandergesetzt haben.

„Einstein hat diese Prophezeiung nie gemacht”, urteilt der Wiener Gerald Krieghofer, der falsche Zitate sammelt und ihre Hintergründe aufarbeitet. „Ein konfuser Imker, der anscheinend Aussagen Darwins und Maeterlincks mit Gedanken von Albert Einstein verwechselte, startet 1941 mit der Zuschreibung einer Bienenprophezeihung an Albert Einstein.” Diese falsche Zuschreibung habe sich in den 1960ern in Imkerzeitschriften in Frankreich und Irland fortgesetzt und „wird jedesmal, wenn irgendwo auf der Welt viele Bienen sterben, wieder belebt”, so Krieghofer.

Im Jahr 2007 beendete das Albert-Einstein-Archiv an der Hebräischen Universität Jerusalem jedwede Zweifel und bezeichnete das Zitat als „nicht authentisch”. "Auch in den zwölf Jahren, die seit damals vergangen sind, ist keine belegbare Aussage von Einstein zum Thema "Bienen" aufgetaucht", berichtete der Kurator des Archivs, Roni Grosz, dem Nordkurier am Dienstag. Sein Urteil: "Das Zitat ist ein urbaner Mythos, der alle paar Jahre wieder Prominenz erreicht."

Auch die SPD hat „nur noch vier Jahre zu leben”

Mit einer Mischung aus Häme und Humor reagierten dann auch die Kommentatoren unter Schwesigs falschem Bienen-Zitat: „Du sollst nicht alles glauben und schon gar nicht zitieren, was irgendwo im Internet steht”, schreibt der Nutzer „Kempersbuur” und will damit den 1865 verstorbenen US-Präsidenten Abraham Lincoln zitiert haben.

„Doch”, entgegnet Friederike Krick, die Inhaberin des Landwirtschafts-Redaktionsbüros „Agrar-Press”, „Einstein war Bienenblogger” – kommentiert mit einem Lach-Smiley. Und der oberbayerische Landwirt Gerhard Langreiter schreibt Albert Einstein eine weitere – selbstverständlich ebenfalls nie getätigte – Aussage zu, nämlich: „Wenn die Fakezitate einmal von der Erde verschwinden, hat die SPD nur noch vier Jahre zu leben.” (Albert Einstein, 2015).

Ehemann kann nun in Forstfragen beraten

In Schwerin ging man mit der ganzen Sache pragmatisch um: „Wir können als Landesregierung natürlich nicht abschließend klären, ob das Zitat nun wirklich Albert Einstein zuzurechnen ist oder nicht”, sagte Regierungssprecher Andreas Timm dem Nordkurier. „Ganz unabhängig von dieser Frage ist die Botschaft entscheidend: Wir müssen uns um den Schutz der Bienen kümmern.”

Um sich zukünftig böse Kommentare in der Sparte „Natur und Umwelt” zu ersparen, kann die Ministerpräsidentin neuerdings auf Mithilfe ihres Ehemannes Stefan hoffen. Der ist nämlich seit Kurzem in leitender Funktion in der Landesforstanstalt, die dem Agrarministerium von Till Backhaus (SPD) untersteht, tätig. Es ist nicht bekannt, seit wann er dort ist und was genau er macht. Man darf aber annehmen, dass er zumindest den Unterschied zwischen Bienen, Hummeln und Wespen kennt....

Kommentare (1)

Komischer Zungenschlag im nordkurier. Bei den Bienen blamiert sich Frau Schwesig? Woander aber nicht? Ich denke da an Homöo-Patin, Brodkorbs Nachfolge oder die spezielle Stellenbesetzungspolitik.