Große Nachfrage in ganz Deutschland: Das 9-Euro-Ticket ist der Renner. Doch wie geht es ab September weiter, wenn das Ti
Große Nachfrage in ganz Deutschland: Das 9-Euro-Ticket ist der Renner. Doch wie geht es ab September weiter, wenn das Ticket ausgelaufen ist. Arne Dedert
Niedersachsen-Idee

Schwesig bremst den Norden beim gemeinsamen Verkehrsticket aus

In den fünf norddeutschen Bundesländern formiert sich ein 9-Euro-Ticket-Zug. Springt Mecklenburg-Vorpommern mit auf – und was wird im benachbarten Brandenburg gefordert?
Schwerin

Ob bei den Bahnkunden oder in der Politik – das günstige 9-Euro-Ticket, mit dem Fahrgäste preiswert durch die Republik reisen können, bewegt die Gemüter. Die politische Diskussion läuft auf Hochtouren, der Zeitdruck für politische Entscheidungen ist groß – bereits Ende August läuft das seit zwei Monaten gültige 9-Euro-Ticket aus. Doch wie weiter ab dem 1. September? Abstellgleis? Rangierbahnhof? Oder gar ein neues Gleis für das beliebte Ticket? Noch ist nicht geregelt, wie es weiter geht.

Norddeutscher Nachfolger des 9-Euro-Tickets

In den fünf norddeutschen Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Bremen, Hamburg und Niedersachsen wächst in diesen Tagen womöglich eine gemeinsame Initiative zusammen. Den notwendigen Anschub hat Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann inmitten des dortigen aktuell laufenden Landtagswahlkampfs gegeben. Er könne sich als Nachfolger des 9-Euro-Tickets für den öffentlichen Nahverkehr ein norddeutsches Modell vorstellen. Dies gelte für den Fall, dass der Bund kein deutschlandweites Folgeangebot auf den Weg bringe, hatte der Christdemokrat aus Hannover am Wochenende einmal laut nachgedacht. Der Bund sollte die Länder in die Lage versetzen, nach dem Auslaufen des 9-Euro-Tickets ein kostengünstiges, bundesweites Ticket anbieten zu können, so Althusmann.

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Die Idee aus Niedersachsen kam in Mecklenburg-Vorpommern gut an. „Die CDU-Fraktion in Schwerin begrüßt den niedersächsischen Vorschlag eines norddeutschen Modells als Nachfolger des 9-Euro-Tickets. Die Bundesregierung ist beim Thema einer Anschlusslösung zerstritten, insofern ist ein verkehrspolitisches Miteinander der Nordländer absolut richtig, um den Druck auf den Bund zu erhöhen, aber auch Chancen eines länderübergreifenden Verkehrskonzeptes zu entwickeln”, sagte der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Daniel Peters.

Unkomplizierter und gut bezahlbarer Nahverkehr

Und da die Grünen derzeit in Mecklenburg-Vorpommern fast alles gut finden, was aus den Reihen der CDU kommt – Stichwort: Jamaika-Opposition –, sprang gestern auch Jutta Wegner von der grünen Landtagsfraktion in MV auf den heranrollenden Zug aus Niedersachsen. „Der Bund muss eine Lösung finden, ansonsten sollten die Nordländer kooperieren. Es ist an der Zeit, den Nahverkehr endlich dauerhaft unkompliziert und gut bezahlbar für alle Menschen zu gestalten”, sagte die Abgeordnete aus Neubrandenburg.

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Bei so viel Jamaika-Rückenwind trat Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) erstmal auf die Bremse – und äußerte sich eher zurückhaltend. „Wir sind natürlich offen dafür zu schauen, wie wir auch im norddeutschen Verbund vorankommen können”, sagte Schwesig. Mecklenburg-Vorpommern aber halte auch eigene Überlegungen der Länder zur Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs für sinnvoll, sieht aktuell aber den Bund in der Pflicht.

Azubi-Ticket und Rufbus-System in MV

Schwesig verwies darauf, dass Mecklenburg-Vorpommern bereits das Azubi-Ticket eingeführt habe, mit dem junge Leute für einen Euro am Tag den Nahverkehr nutzen könnten. Ein solch verbilligtes Ticket werde es künftig auch für Senioren geben. Zudem solle das Rufbus-System, das sich im Landkreis Ludwigslust-Parchim bereits bewährt habe, auf das gesamte Bundesland ausgedehnt werden.

Bisher außen vor bei der Diskussion steht das Bundesland Brandenburg. Dort machte jetzt der Umweltverband Bund Druck auf die Landesregierung unter Führung von Dietmar Woidke (SPD). Der Bund forderte „ein bundesweit gültiges 365-Euro-Jahresticket direkt im Anschluss an das 9-Euro-Ticket und dessen Verlängerung oder ein vergleichbar günstiges Angebot für Menschen mit niedrigem Einkommen”. Beide Angebote sollten auch monatsweise erworben werden können.

Jens Klocksin, Vorstandsmitglied im Landesverband Brandenburg, weiter: „Die aktuelle Nachfrage zum 9-Euro-Ticket legt aber auch schonungslos den Finger in die Wunde, wo es beim ÖPNV in Brandenburg noch hakt. Fehlende Angebote im ländlichen Raum, zu geringe Taktzeiten und zu kurze Züge, vor allem bei der Beförderung der Berufspendler.”

 

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