GEBURTENSTATION

Schwesig nennt Schließung von Crivitz "falsche Entscheidung"

In Schwerin wurde am Dienstag gegen die Schließung der Geburtenstation in Crivitz demonstriert. Es zeichnet sich ab: Die Entscheidung wird nicht so kommen, wie Minister Harry Glawe (CDU) sie verkündet hatte.
dpa
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Manuela Schwesig (SPD) sprach vor Beginn der Kabinettssitzung am Dienstag zu Demonstranten, die gegen die geplante Schlie&szli
Manuela Schwesig (SPD) sprach vor Beginn der Kabinettssitzung am Dienstag zu Demonstranten, die gegen die geplante Schließung der Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Mediclin-Krankenhaus Crivitz protestieren. Bernd Wüstneck
Viele Demonstranten aus Criwitz und Parchim hatten sich vor der Staatskanzlei versammelt.
Viele Demonstranten aus Criwitz und Parchim hatten sich vor der Staatskanzlei versammelt.
Viele Demonstranten aus Criwitz und Parchim hatten sich vor der Staatskanzlei versammelt.
Viele Demonstranten aus Criwitz und Parchim hatten sich vor der Staatskanzlei versammelt. Bernd Wüstneck
Viele Demonstranten aus Criwitz und Parchim hatten sich vor der Staatskanzlei versammelt.
Viele Demonstranten aus Criwitz und Parchim hatten sich vor der Staatskanzlei versammelt. Bernd Wüstneck
Viele Demonstranten aus Criwitz und Parchim hatten sich vor der Staatskanzlei versammelt.
Viele Demonstranten aus Criwitz und Parchim hatten sich vor der Staatskanzlei versammelt. Bernd Wüstneck
Schwerin.

Die Schließung der Geburtenstation in Crivitz bei Schwerin sorgt für Bürgerproteste und Streit innerhalb der SPD/CDU-Koalition. „Auch ich bin von der Entscheidung überrascht worden und ich halte sie für falsch”, sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Dienstag vor der Staatskanzlei in Schwerin. 

Klinik-Streit sorgt für massive Spannungen zwischen SPD und CDU

Unmittelbar vor Beginn der Kabinettssitzung hatten dort knapp 100 Demonstranten lautstark gegen die vom Klinikbetreiber Mediclin zum Jahresende geplante Schließung der Geburtshilfe-Station protestiert. Das derzeit ohnehin sehr angespannte Klima in der Großen Koalition von SPD und CDU dürfte sich damit noch weiter zuspitzen.

Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) hatte am Freitag mitgeteilt, dass die Asklepios Klinik Parchim und das Mediclin Krankenhaus Crivitz ihre Abteilungen für Gynäkologie und Geburtshilfe in Parchim bündeln wollen. Der Minister stellte sich am Dienstag dem Gespräch mit den Demonstranten, seine Erklärungen gingen jedoch weitgehend in einem Pfeifkonzert unter. Schwesig machte deutlich, dass sie sich mit der Lösung für Crivitz und Parchim nicht zufrieden geben will: „An der Stelle muss nachgebesserte werden”, sagte sie und kündigte dazu Gespräche in der Ministerrunde an. Massive Proteste hatte es in der Vergangenheit schon wegen der Schließung der Kinderstation im Krankenhaus Wolgast gegeben. Auch in Anklam hatten ähnliche Pläne 2015 für einen Proteststurm gesorgt - am Ende blieb die Kinderstation.

Auftrag an Glawe: Nachverhandlungen!

Bei der anschließenden Kabinettssitzung erhielt Glawe eine kollektive Watsche: Er wurde mit erneuten Gesprächen mit den Klinikbetreibern mit dem Ziel beauftragt, zu einer anderen Lösung zu kommen und die Geburtsstation in Crivitz zu erhalten. „Es ist die gemeinsame Auffassung beider Regierungspartner, dass die Probleme in Parchim nicht auf Kosten der Geburtshilfestation in Crivitz gelöst werden dürfen“, erklärte Regierungssprecher Andreas Timm.

Die parteilose Bürgermeisterin von Crivitz, Britta Brusch-Gamm, beklagte, dass die Stadt vor vollendete Tatsachen gestellt worden sei. Mit der Schließung der Geburtshilfe würde ein großes Loch in die medizinische Grundversorgung der Region gerissen, heißt es in einem von ihr verfassten offenen Brief an die Landespolitiker. Darin fordert Brusch-Gamm, die Entscheidung für ein Jahr auszusetzen, um gemeinsam eine Lösung zu finden.

Landrat Sternberg (SPD): Kleine Krankenhäuser bald ganz weg?

Kritik kam auch vom zuständigen Landrat des Kreises Ludwigslust-Parchim, Stefan Sternberg (SPD). „Das ist der Ausverkauf des ländlichen Raums. Wenn das weiter Schule macht, brechen die kleinen Krankenhäuser bald ganz weg“, sagte er. Für die Klinikbetreiber gehe es vor allem um Zahlen und Rendite. Die jüngste Debatte hatte sich an der Kinderstation der Asklepios Klinik in Parchim entzündet. Dort waren im Frühjahr binnen weniger Wochen fünf Kinderärzte gegangen, so dass die Station wegen Ärztemangels zu Pfingsten geschlossen wurde. Weil keine neuen Ärzte hätten verpflichtet werden können, werde „der Versorgungsauftrag für die stationäre pädiatrische Versorgung zum 31.12.2019 zurückgegeben“, teilte Klinik-Geschäftsführer Matthias Dürkop mit.

Die Versorgung junger Patienten aus der Region soll ambulant in einer Tagesklinik mit vier Betten erfolgen, hatte Glawe angekündigt. Einen Arzt dafür will Glawe gar aus der Landeskasse finanzieren. Die Bündelung von Gynäkologie und Geburtshilfe in Parchim erfolge aus „qualitätsmedizinischen Erwägungen im Zusammenhang mit der seit langem rückläufigen Geburtenzahl an beiden Standorten in Folge des demografischen Wandels“, hieß es in einer Erklärung der beiden Kliniken.

Spießrutenlauf für Minister Glawe ist noch nicht beendet

Im laufenden Jahr wurden an beiden Standorten jeweils weniger als 400 Kinder zur Welt gebracht. Als Mindestrichtwert für eine routinierte und auf Eventualfälle vorbereitete Geburtshilfe würden Experten aber mehr als 500 Geburten an einem Standort ansehen.

Der Spießrutenlauf ist für Glawe noch nicht beendet: Für die am Mittwoch beginnende Landtagssitzung haben die Oppositionsfraktionen Linke und AfD Dringlichkeitsanträge zum Thema vorgelegt. Nach Einschätzung von Linksfraktionschefin Simone Oldenburg hat die Regierungschefin den Streit der Landesregierung um die Schließung der Geburtenstation in Crivitz in aller Öffentlichkeit eskalieren lassen. „Schwesig stellte Gesundheitsminister Harry Glawe bloß und bezeichnete dessen Entscheidung als falsch. Es rappelt gewaltig in der Kiste der großen Koalition“, konstatierte Oldenburg. Warum Glawe die Entscheidung übereilt und offenbar ohne Rücksprache mit Kabinett, Kommune und Klinikpersonal bekannt gegeben habe, bleibe sein Geheimnis.

Bürgerproteste in Criwitz und Parchim geplant

In Crivitz und Parchim sind weitere Bürgerproteste und Mahnwachen geplant. Der jüngste Bürgerprotest erinnert an die Reaktionen auf die heftig umstrittene Schließung der Kinderstation im Krankenhaus Wolgast. Dort wurde nach massiven Protesten schließlich eine „Portalklinik“ als Ersatz geschaffen, stationäre Fälle werden an die Universitätsklinik Greifswald überwiesen. Die Empörung in der Bevölkerung war groß. Der Wahlerfolg der AfD in der Region Vorpommern bei der Landtagswahl 2016 wird von Beobachtern auch mit der Schließung der Kinderstation in Wolgast in Verbindung gebracht.

Dieser Artikel wurde im Laufe des Tages mehrfach aktualisiert.

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Kommentare (1)

»Ich möchte so gern einen Sonnenuntergang sehen … Tut mir bitten einen Gefallen … Befehlt der Sonne unterzugehen …«