CORONA-PANDEMIE

Schwesig und Merkel zoffen sich um Schulschließung

Lockdown light, harter Lockdown, Mega-Lockdown: Eine zunehmend verzweifelte Politik suchte in einem achtstündigen Showdown einen Ausweg aus der Corona-Pandemie.
Geht bei den Schulen und Kitas weiter den MV-Weg: MV-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig.
Geht bei den Schulen und Kitas weiter den MV-Weg: MV-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Jens Büttner
Schwerin ·

Irgendwann mittendrin in der zähen Nervenschlacht zwischen Länderchefs und Kanzlerin prallten die Meinungen von Manuela Schwesig und Angela Merkel frontal aufeinander. Die MV-Ministerpräsidentin, so hieß es aus Teilnehmerkreisen, machte deutlich, dass man bei den Schulschließungen nicht alles von den Kindern abverlangen könnte und gleichzeitig die Arbeitgeber beim Homeoffice für ihre Mitarbeiter kaum Zugeständnisse machen würden – eine Attacke in Richtung Kanzlerin, die seit Wochen dafür eintritt, die Schulen bis auf eine Notbetreuung dicht zu machen. Merkel polterte zurück, dass sie sich nicht anhängen ließe, die Kinder zu quälen und Arbeitnehmerrechte zu missachten.

Mehr lesen: In MV besucht fast die Hälfte der Kinder derzeit Kita oder Hort, weniger sind es in der Schule. Scharfe Kritik der neuen Lockdown-Regeln kommt von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

MV geht bei Schulen und Kitas weiter eigenen Weg

Eine Auseinandersetzung, die exemplarisch für das mehrstündige harte Ringen beim Kampf um die richtige Strategie gegen das Virus stand. Auf der einen Seite die Hardliner Merkel und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, auf der anderen Seite die durchaus moderatere Position der SPD-Länderchefs. Und so machte Manuela Schwesig in einer mehrstündigen Videositzung, die bis in den späten Abend andauerte, immer wieder deutlich, dass es Mecklenburg-Vorpommern nicht reichen würde, nur die Notbetreuung in den Schulen zuzulassen. Im Nordosten sollen weiter, wie schon seit dem 11. Januar, die Abschlussklassen in den Genuss von Präsenzunterricht kommen.

Mehr lesen: Hier finden Sie die aktuellen Regelungen für MV.

Für die Klassen 1 bis 6 gilt weiter der Appell an die Eltern, die Kinder möglichst zu Hause zu lassen. Damit geht MV erneut einen eigenen Schul-Weg. Denn im Gipfel-Beschluss heißt es, dass der Lockdown bis zum 14. Februar fortgesetzt wird – inklusive geschlossener Schulen und der Aussetzung der Präsenzpflicht. Analog soll dies auch für die Kitas gelten. Trotz des MV-Weges: Für die Schulen in MV bedeutet es in Anbetracht der noch zweiwöchigen Winterferien, dass die Schulen – mit den genannten Ausnahmen – bis Ende Februar geschlossen bleiben.

MV-Wirtschaft sieht „etwas Licht und viel Schatten”

Schärfere Schulregeln sollen in MV ab nächsten Montag für die Landkreise Mecklenburgische Seenplatte, Vorpommern-Greifswald und Ludwigslust-Parchim gelten. Aufgrund der dortigen Inzidenz über 150 soll die Notbetreuung nur für Eltern greifen, die in systemrelevanten Berufen arbeiten. Reaktionen auf den Gipfel gab es am späten Dienstagabend bereits aus der Wirtschaft in MV.

Sven Müller, Geschäftsführer der Vereinigung der Unternehmerverbände, sprach von „etwas Licht und viel Schatten”. „Es ist gut, dass nun auch im Bund angekommen ist, dass es eine Strategie zum Einstieg in den Ausstieg bedarf. Eine Verordnung zur Verpflichtung von Homeoffice braucht niemand und ist weltfremd. Wir werden uns sehr konkret mit dem Entwurf des Bundesarbeitsministeriums auseinandersetzen. Homeoffice, mobiles Arbeiten und Hygienestandards am Arbeitsplatz werden jetzt schon umgesetzt. Die Verordnung sehen wir als einen versteckten Einstieg in das von Arbeitsminister Heil gewollte Gesetz zum Homeoffice. Dieses lehnen wir strikt ab.”

Müller weiter: „Die jetzt wieder in Aussicht gestellte Ausdehnung der Hilfen liest sich gut, allein es fehlt derzeit der Glaube. Hier muss endlich Verbindlichkeit an den Tag gelegt werden. Ankündigungen gibt es genug.”

Anteil der positiven Corona-Tests in MV gestiegen

Unabhängig vom Gipfel am Dienstag wurden gestern in MV 18 weitere Tote im Zusammenhang mit dem Coronavirus gemeldet. Damit erhöhte sich die Gesamtzahl auf 327, wie aus dem Lagebericht des Landesamtes für Gesundheit und Soziales hervorgeht. Die Zahl der Ansteckungen in den vergangenen sieben Tagen je 100.000 Einwohner sank leicht auf 117,8. Das höchste Infektionsgeschehen wies der Landkreis Vorpommern-Greifswald mit einer Inzidenz von 199 auf. Bei mehr als 100 lag dieser Wert auch an der Mecklenburgischen Seenplatte (191), Ludwigslust-Parchim (159,1) und in der Stadt Schwerin (112,9). Weniger als 50 Infizierte je 100.000 Einwohner hatte die Hansestadt Rostock mit 44,5.

Und noch eine Zahl ließ gestern aufhorchen: Der Anteil der positiven Ergebnisse bei Corona-Tests ist in MV weiter gestiegen. In den ersten beiden Januarwochen lag diese Quote bei 8,29 Prozent. Dies ist den Angaben zufolge ein Höchstwert. Der bisherige Höchstwert lag demnach bei 6,58 Prozent im Dezember.

+++ Lesen Sie hier die aktuellen Corona-Regeln +++

 

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Kommentare (1)

Da wird sich auf höchster Ebene darum gezofft, ob Schulschließung oder nicht. Was nützt Maskenpflicht und Abstandsregel, wenn die Kids im Schulbus zusammengepfercht sind? Nichts...Die Erreger werden da weiterhin von Familie zu Familie übertragen. Die in MV hohen Altersdurchschnitte des Lehrkörpers offenbaren schon fast eine eigene Risikogruppe. Wer unterrichtet also die Kinder, wenn die Lehrer in Quarantäne sind?
Ein praktisches Beispiel, warum Internet-Unterricht nicht funktionieren kann:
Eine alleinerziehende Mutter muss arbeiten gehen, damit das Licht im Kühlschrank brennt. Die Oma beaufsichtigt das Kind. Oma hat leider nur keine Ahnung von Internet, weil sie vermutlich zu ihrer aktiven Arbeitszeit vielleicht mal im Konsum gearbeitet hat und von der Wende abgehängt wurde. Die Mutter des Kindes wird aber von der Lehrerin angezählt, weil Sohnemann in der ersten Klasse nicht im Internetunterricht anwesend war.
Das offenbart die Krux unseres Schulsystems: Weder die vielen älteren Lehrer noch die betreuenden Angehörigen sind IT-mäßig geschult. Jede Schulleitung, jeder Bezirk, jedes Bundesland versucht auf seine eigene Weise, seinen Namen zu tanzen. Ein Glück, dass nunmehr das erste Sozialgericht beschlossen hat, die Kosten für einen Rechner für eine Schülerin zu übernehmen.
Fakt ist, dass unser föderales Schulsystem in der Pandemie seine Schwachstellen offenbart. Man mag viel über die ehemalige DDR schimpfen, aber damals konnte man von Suhl nach Rostock ziehen und die Kids hatten keine Lücken beim Schulwechsel. Einheitliches Bildungssystem im gesamten Land. Dass es nicht das Schlechteste war, beweist, dass skandinavische Länder es mehr oder weniger übernommen haben. Natürlich ohne den ganzen sozialistischen Quatsch...
Versuchen wir ein Fazit: Die Schüler sind abgehängt und der Lehrplan lässt keinerlei Luft, Stoff nachzuholen. Eigentlich müssten wir alle Schüler dieses verlorene Jahr de facto wiederholen lassen.
Kritisieren können wir alle gut. Aber wie könnten wir es besser machen?
Schnelltest bei Schülern und Lehrern. Lehrer und Busfahrer als Hochrisiko-Gruppe klassifizieren und impfen.
Nicht nur bei ALG II Empfängern einen Rechner finanzieren (ich hoffe, dass nicht jeder Betroffene nach wie vor einzeln klagen muss), sondern besonders bei den Geringverdienern, die nur wenige Euro über dem ALG II Satz liegen, unbürokratisch nicht nur den Rechner, sondern auch einen Drucker finanzieren. Der Internetzugang ist horrend. Rund 30 € im Monat belasten den Haushalt bei rund 75% (geschätzt) aller Haushalte in MV. In vielen dritte-Welt-Ländern ist der Internetzugang kostenfrei. Vielleicht gibt es hier auch Nachbesserungsbedarf. Ich sehe hier die Internetanbieter als Corona-Profiteure und die Politik in der Handlungspflicht.
Vielleicht sollten sich Frau Merkel und Frau Schwesig über solche Banalitäten zoffen und sich davon abwenden, dass jedes Bundesland seine eigen föderale Suppe kocht.
Doch dazu sind sie nicht in der Lage, weil die Landes- wie auch Bundespolitiker die Bodenhaftung zu der Realität der vielen Kleinverdiener verloren haben.
Aber ein Schelm, wer Böses dabei denkt....