Globuli-Kongress
Schwesigs neuer Job als Homöo-Patin

MV-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) probiert sich jetzt als Homöo-Patin.
MV-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) probiert sich jetzt als Homöo-Patin.
gina sanders - fotolia.com; Rainer Jensen

Homöopathie gilt Wissenschaftlern als Humbug. Trotzdem schwören viele darauf – MV-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig gehört offenbar zu ihnen.

Finanzwirtin, Steuerfahnderin, Bundesministerin, Ministerpräsidentin – die Karriere von Manuela Schwesig (SPD) wirkte bislang absolut bodenständig. Jetzt überrascht die Politikerin mit der Übernahme eines ganz anderen und eher, nun ja, verstrahlten Amtes. Beim Deutschen Ärztekongress für Homöopathie 2019 übernimmt Schwesig die Schirmherrschaft. Von der Ministerpäsidentin zur Homöo-Patin.

In ihrem Grußwort für die Veranstaltung schwärmt sie, Mecklenburg-Vorpommern sei „als Küstenland geradezu prädestiniert für das Leitthema des Kongresses”. Es lautet: „Homöopathie und das Meer – Vom Ursprung des Lebens“. Homöopathische Mittel, in der Regel in der Form kleiner Kügelchen, so genannter „Globuli”, sind ein weltweites Milliardengeschäft. Bislang gibt es allerdings keine wissenschaftliche Studie, die eine Wirkung dieser Mittel über den Placebo-Effekt hinaus belegt.

Häme und Kritik im Netz

So schreibt etwa Wetter-Experte Jörg Kachelmann: „Wenn PolitikerInnen sich aktiv gegen die Erkenntnisse von Naturwissenschaften und Medizin wenden, werden sie unwählbar für Menschen, die bei Trost sind.” Er schlussfolgert: „Der Vorsitz zur Vereinigung der Hohlerde-Gläubigen wäre genauso abseitig und irgendwie thematisch wesensnäher gewesen.”

Ein anderer Nutzer nennt es „ein erbärmliches Armutszeugnis”, dass Schwesig sich „an die Seite der Pseudowissenschaft, Quacksalber und Betrüger” stelle.

Ein dritter Nutzer findet: „Schwesig und Homöopathie passen hervorragend zusammen: Bestenfalls wirkungslos, schlimmstenfalls schädlich und in jedem Fall sinnlos und verprasstes Geld.”

Auch Ärzte in Mecklenburg-Vorpommern sind nicht begeistert

Ein ranghoher Vertreter der Schulmedizin in MV, Ärztekammer-Vizepräsident Wilfried Schimanke ist darüber durchaus amüsiert. In seinen Augen verdeutlicht der werbende Hinweis auf die gesundheitsfördernde Wirkung von MV und der Ostsee ungewollt die Wirkungsweise homoöpathischer Medizin: „Letztlich ist es auch der Placebo-Effekt, auf dem die Wirkung der Homöopathie beruht – wenn sie denn überhaupt irgendwelche Wirkungen hervorruft”, teilte er auf Nordkurier-Anfrage mit. Der Glaube an die Wirksamkeit sei die Grundlage der Homöopathie, so Schimanke weiter. „Und natürlich steht es auch der Ministerpräsidentin frei, an die Homöopathie zu glauben.”

Themen Schwangerschaft, Geburtshilfe und Kinderheilkunde

Die nicht im Landtag vertretene FDP machte sich einen Spruch der NDR-Satiresendung Extra3 zu eigen, um ihren Unmut über Schwesigs Mitwirken am Homöopathie-Kongress auszudrücken. Das Übernehmen der Schirmherrschaft sei ein politisches Statement, heißt es vom FDP-Landesgeneralsekretär David Wulff. Deshalb ließe sich so auch „das homöopathische Wirtschaftswachstum unseres Landes” erklären, sagte Wulff am Donnerstag. „Bei der kaum messbaren Dosis Wirtschaftspolitik der Landesregierung muss man schon sehr stark an deren Wirkung glauben.”

 

 

Inhaltlich soll es bei dem Kongress den Veranstaltern zufolge um die Themen Schwangerschaft, Geburtshilfe und Kinderheilkunde gehen. Deshalb steht die oppositionelle Linksfraktion des Schweriner Landtages der Teilnahme der Regierungschefin grundsätzlich positiv gegenüber. „Ich finde es gut, dass Frau Schwesig dort auftritt”, sagte der gesundheitspolitische Sprecher Torsten Koplin dem Nordkurier.

Hin und Her um Geburtenstationen in Wolgast und Anklam

Allerdings, ganz so einfach will Koplin die Ministerpräsidentin dann doch nicht davon kommen lassen. Er verkünpft seine Haltung mit Erwartungen. Etwa damit, dass Schwesig sich endlich zu den Geburtenstationen in Wolgast und Anklam äußere, so Kolpin. Während des langen Hin und Hers um die Zukunft beider Stationen sei von der Ministerpräsidentin nicht eine Wortmeldung gekommen. Zudem würde es hohen Bedarf an politischen Konzepten geben – etwa hinsichtlich der Arbeitsbedingungen von Hebammen.

Bis der gesundheitspolitische Sprecher der Linken Antworten auf diese Fragen erhält, muss er sich noch ein wenig gedulden: Der Kongress soll vom 29. Mai bis zum 1. Juni an verschiedenen Orten in Stralsund stattfinden.

Update 17:45 Uhr: Das ist Schwesigs Reaktion

In einer Stellungnahme hat Manuela Schwesigs Sprecher Andreas Timm die Schirmherrschaft verteidigt: „Uns haben seit gestern eine ganze Reihe von Zuschriften zur Übernahme dieser Schirmherrschaft erreicht. Es ging uns nicht darum, uns mit der Schirmherrschaft in den Methodenstreit über die Homöopathie einzuschalten", erklärte Timm. Man habe die Schirmherrschaft vielmehr übernommen, "weil hier ein bundesweiter Medizinkongress zu uns ins Land nach Stralsund kommt. Die Frage, ob und wie Homöopathie sinnvoll eingesetzt werden kann, kann nur Gegenstand von Forschung und wissenschaftlichem Austausch sein.“

Kommentare (2)

Die Tage der Schwesig sind gezählt und nein, damit sind nicht die kommenden Wechseljahre der Mittvierzigerin gemeint sondern vielmehr ihr Amtseinfluss. Wie die meisten anderen Politiker kann sie dorthin zurückkehren, woher sie stammt und dort versuchen, die richtigen ''Glocken zu läuten'', vielleicht klappt es ja dank Homöopathie und dem Placebo-Effekt. Ob es bald wieder eine Regierung mit Leuten gibt, die auch aus der Region stammen und nicht aus anderen Bundesländern? Wahrscheinlich Wunschdenken. Schöne Grüße von der Peene.

Schirmherrschaft heisst Unterstützung für eine Veranstaltung oder Organisation. Nebenher ist es ein Zeichen gemeinsamer Interessen. Zumindest ist ein Werbeeffekt für die Veranstaltung bzw. dessen Inhalten oder Produkten die Konsequenz. Die Stellungnahme des Schwesigschen Sprechers Herrn Timm hat bei ihm sicherlich sehr, sehr nasse Finger hinterlassen.