WILDTIERE IM ZIRKUS

Schwimmen mit Seelöwen – tolles Erlebnis oder Tierquälerei?

Mit einem deutschlandweit einmaligen Angebot gastiert der Circus Berolina im Nordosten: baden mit einer 400 Kilo-Robbe. Das Publikum ist fasziniert, Tierschützer nicht.
Seelöwe Andrew ist einer der tierischen Stars beim Circus Berolina. Wer möchte, kann mit dem Riesen baden.
Seelöwe Andrew ist einer der tierischen Stars beim Circus Berolina. Wer möchte, kann mit dem Riesen baden. Katja Richter
Der 400 Kilo-Koloss scheint sich auf Mitschwimmer zu freuen.
Der 400 Kilo-Koloss scheint sich auf Mitschwimmer zu freuen. Katja Richter
100.000 Liter Wasser stehen den Seelöwen im Außenbecken zur Verfügung.
100.000 Liter Wasser stehen den Seelöwen im Außenbecken zur Verfügung. Katja Richter
Torgelow ·

Baden mit Seelöwen: Das gab es noch nie in Mecklenburg-Vorpommern. Circus Berolina macht's möglich. Das Unternehmen tourt derzeit durch den Nordosten und bietet eine nach eigenen Angaben deutschlandweit einmalige Attraktion an: Schwimmen mit Andrew, einer ausgewachsenen Ohrenrobbe, um die 400 Kilogramm schwer.

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Während in Zinnowitz auf Usedom und in Torgelow bereits mutige Tierfreunde das ungewöhnliche Angebot ausprobierten und von einem unvergesslichen Erlebnis schwärmen, beobachten Tierschützer die Attraktion mit Sorge.

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Von „Missbrauch in der Manege” spricht die Tierrechtsorganisation Peta. Etwas sachlicher formuliert es die Tierschutzorganisation Vier Pfoten. „Seelöwen und andere Wildtiere können in Zirkussen nicht artgerecht gehalten werden. Das ist unmöglich”, sagte Sprecherin Susanne von Pölnitz am Freitag. Es sei nicht möglich, Seelöwen zu domestizieren. Alles, was sie in Zirkussen tun, ob vor oder hinter den Kulissen, widerspreche ihrem natürlichen Verhalten. Abgesehen davon, dass schon eines ihrer wichtigsten Grundbedürfnisse, das Schwimmen in endlosen Ozeanen, in einem mobilen Becken niemals erfüllt werden könne.

Finger weg von Wildtieren

Das neue Angebot des Circus Berolina, Publikum zu den Tieren ins Wasser zu lassen, sei noch einmal ein spezielles Kapitel. Wer Wildtiere schützen möchte, sollte jede Interaktion mit ihnen vermeiden, sagt Susanne von Pölnitz. „Elefanten reiten in Thailand, Stierkämpfe in Spanien oder Löwen streicheln in Südafrika: Von vielen im Urlaub angebotenen Touristenattraktionen sollten Urlauber die Finger lassen, denn meist steckt Tierquälerei dahinter.” Das gelte auch für das Schwimmen mit Seelöwen, das neuerdings in Deutschland angeboten wird.

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Marcello Spindler, beim Zirkus unter anderem für Marketing zuständig, weist die Vorwürfe zurück. „Die Frage, ob wir unsere Tiere artgerecht halten, ist schon fast eine Beleidigung.” Selbstverständlich gehe es allen Tieren in seinem Unternehmen gut, ob Pferden, Elefanten oder eben den beiden Seelöwen. „Wir tun nichts Illegales, werden 25 Mal im Jahr vom Veterinäramt kontrolliert. Unseren Tieren geht es besser als vielen Senioren in den Heimen.”

Seit Generationen befänden sich die Seelöwen „in menschlicher Obhut”. Ein Leben in freier Wildbahn hätten schon ihre Urgroßeltern nicht gekannt. Keine der Robben wäre in Freiheit lebensfähig. Trainiert werde nicht mit Strafen, sondern ausschließlich mit Belohnung. Hering sei die Leibspeise der Seelöwen. „Jeder frisst zehn Kilogramm pro Tag.” Wenn die Robben partout keine Lust haben, ließen sie sich aber auch mit den tollsten Leckerbissen nicht überzeugen. „Wenn die nicht wollen, dann wollen die nicht. Da kann man ihnen mit einem meterlangen Hering kommen, sie machen dann einfach nichts. Für uns ist das immer ein bisschen peinlich, fürs Publikum lustig.”

Nur zum Jagen ins Wasser

Während der Tournee stehe den Tieren ein zwölf mal acht Meter großes Außenbecken mit 100.000 Litern Wasser und rund 1,35 Metern Tiefe zur Verfügung. Dazu ein Innenbecken mit 25.000 Litern und Liege- und Ruheflächen. Bei jedem Umzug werde das Wasser abgepumpt und durch frisches ersetzt. Im Winterlager sei das Platzangebot größer. Mehr bräuchten die Seelöwen nicht. Auch in freier Natur würden sie sich größtenteils an Land aufhalten, nur zum Jagen ins Wasser gehen.

Dass sich Wildtiere nur in freier Wildbahn wohl fühlen können, sei ein Irrglaube. Dort gehe es nämlich keinesfalls paradiesisch zu. „Viele Seelöwen werden mit spätestens drei Jahren Orca-Futter. Oft finden sie nicht genug zu fressen.” Auch Revierkämpfe seien Stress für die Tiere.” Das alles bleibe ihnen im Zirkus erspart. Der riesige Andrew sei bereits 20 Jahre alt.

Die Seelöwen gehören nicht dem Circus Berolina, sondern den freiberuflichen Tiertrainern Conchi und Gary Jahn. Beide Unternehmen arbeiten seit diesem Jahr zusammen. „Corona hat uns zusammengebracht. Beide waren arbeitslos. Da haben wir uns zusammengetan.”

Skeptiker sind ausdrücklich eingeladen, sich selbst ein Bild zu verschaffen, sagt Marcello Spindler. Unter 01578/3693322 könne ein Termin vereinbart werden. Diese Nummer können auch diejenigen wählen, die einfach nur zu den Tieren ins Wasser, sie streicheln oder sich durch den Pool ziehen lassen möchten.

Von Freitag bis Sonntag, dem 3. bis 5. September, gastiert der Zirkus in Torgelow, vom 10. bis zum 12. September in Pasewalk und vom 17. bis zum 19. September in Templin.

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Kommentare (2)

gibt es die Tierfreunde von Zirkus.
Natürlich leben die Robben lieber in ihrer eigenen Scheiße und Pisse, in 1,35m Wassertiefe.
Gut, daß die armen Robben so vor den bösen Orcas geschützt werden. Und vor diesem stressigen Leben mit den Revierkämpfen...
Ich finde, alle Wildtiere sollten zu ihrem eigenen Wohl eingesperrt werden.

Wenn die Sprache auf Tiere im Zirkus oder Tiershows kommt muß ich mich immer bremsen und sage besser nichts dazu. Warum springen die Typen nicht selber durch ihre Reifen? Weil sie zu blöd dazu sind? Es gibt weltbekannte Zirkusse ohne Tiere.