EINZIGARTIG IM NORDOSTEN

Seemannsdiakonin sorgt für Seelsorge im Hafen Rostock

Es gibt nur wenige Jobs in Mecklenburg-Vorpommern, bei denen die Stelleninhaber sagen können, sie seien die Einzigen. Stefanie Zernikow gehört dazu. Sie ist die einzige Seemannsdiakonin im Nordosten.
dpa
Stefanie Zernikow, Seemannsdiakonin, im Seehafen Rostock. Die 37-jährige Hamburgerin wird am 9. August in der Warnem&uuml
Stefanie Zernikow, Seemannsdiakonin, im Seehafen Rostock. Die 37-jährige Hamburgerin wird am 9. August in der Warnemünder Kirche mit einem Seefahrergottesdienst in ihr Amt eingeführt. Bernd Wüstneck
Rostock.

Seemannsdiakonin Stefanie Zernikow macht schnell deutlich, warum sie im Dezember 2019 nach Rostock gekommen ist. „Ich habe den Hafen hier schon immer geliebt”, sagt die Hamburgerin. Sie wird an diesem Sonntag in der Warnemünder Kirche im Rahmen eines Seefahrergottesdienstes in ihr Amt eingeführt. Die 37-jährige hat in den vier Jahren zuvor die Seemannsmission in Kiel geleitet und tritt nun das Amt als Nachfolgerin von Folkert Janssen an.

Auch wenn ihre „Gemeinde” ganz anders aussieht als in einer Stadt oder einem Dorf, hat die einzige Seemannsdiakonin im Nordosten vergleichbare Aufgaben mit diesen Kollegen. „Wir betreuen Seeleute und leisten Seelsorge”, berichtet Zernikow über ihre Arbeit und die ihres insgesamt sechsköpfigen Teams. Manche Seeleute sieht sie nach dem ersten Gespräch nie wieder, andere kommen mehrmals und mit anderen wiederum hält sie Kontakt über das Internet.

Seeleute brauchen besonders in Corona-Krise auch praktische Unterstützung

„Ich schätze die Arbeit der Seemannsmission sehr”, sagt Tilman Jeremias, Bischof der Nordkirche in Mecklenburg-Vorpommern. Sie schaue auf die Menschen, die sonst nicht gesehen oder gehört werden. „Als Kirche sind wir für alle Menschen da und gerade für die Seeleute, die lange von zu Hause weg sind, von ihren Lieben getrennt, die harte Arbeit leisten und dabei oft beschämend wenig verdienen.” Gerade jetzt zu Corona-Zeiten, wo die Seeleute seit Monaten an Bord eingesperrt sind, zeigt sich, wie wichtig die aufsuchende Seelsorge der Seemannsmission, auch als ganz praktische Unterstützung ist.

„Wir besuchen jedes Schiff, das im Hafen liegt. Da die Seeleute gerade nicht vom Schiff kommen, bringen wir ihnen die verschiedensten Produkte”, berichtet Zernikow. Die Betreuung im Seehafen findet im Seemannsclub „Hollfast” statt, auch mit Billard spielen und gemeinschaftlichem Essen. In dem Zweckgebäude gibt es einen interreligiösen Andachtsraum. „Menschen unterschiedlicher Konfessionen und Religionen können hier gemeinsam Andachten feiern und über Glaubensfragen ins Gespräch kommen. Das ist gelebte Ökumene”, fügt Jeremias hinzu.

Zur „ganzheitlichen Versorgung” gehört ebenso die Seelsorge. Dabei wird der ökumenische Gedanke ganz groß geschrieben, jeder Mensch jeder Glaubensrichtung ist bei Zernikow willkommen. Das merkt sie auch beim Verabschieden: „Segnen ist ganz wichtig. Ich darf meist nicht von Bord gehen, ohne die Besatzung gesegnet zu haben.”

Seelsorgerin ursprünglich Speditionskauffrau gelernt

In den vergangenen Jahren ist wegen des zunehmenden Zeitdrucks, jetzt aber auch wegen der Pandemie die Online-Seelsorge immer wichtiger geworden. Die Seeleute dürfen wegen Corona auch nicht mehr so einfach von Bord. „Man brüllt vertrauliche Gespräch nicht über die Pier”, begründet Zernikow das Online-Engagement.

Dabei hat die Hamburgerin ursprünglich Speditionskauffrau gelernt, mehrere Jahre in einer Reederei gearbeitet und dann erst Theologie studiert. „Ich kann jetzt meine beiden Berufe zusammenbringen.”

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