Tausendsassa des MV-Tourismus: Tobias Woitendorf ist gleich in mehreren Funktionen aktiv.
Tausendsassa des MV-Tourismus: Tobias Woitendorf ist gleich in mehreren Funktionen aktiv. Jens Büttner/Bernd Wüstneck
Tobias Woitendorf

Seine Doppelrolle stößt im MV-Tourismus auf Kritik

Der Geschäftsführer des Landestourismusverbandes fungiert künftig auch als Tourismusbeauftragter der Landesregierung. Kann das funktionieren?
Schwerin

Für Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Wirtschafts- und Tourismusminister Reinhard Meyer (beide SPD) ist der Fall ganz einfach. „Tobias Woitendorf wird die Arbeit als Tourismusbeauftragter des Landes in Doppelfunktion mit seiner bisherigen Tätigkeit als Geschäftsführer des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern ausführen. Tobias Woitendorf ist ein erfahrener und vernetzter Tourismusakteur“, sieht die Regierungschefin in der Personalie Woitendorf keine Brisanz.

Weiter heißt es aus dem rot.-roten Lager: Tobias Woitendorf sei ein ausgewiesener Fachmann. Er habe ein hohes Ansehen in der Branche und auch in der Landespolitik, über Parteigrenzen hinweg. Er sei verlässlich und voller Ideen. Sie sei sicher, dass gemeinsam mit Woitendorf der Tourismus im Land weiter gestärkt werde, zeigte sich Schwesig ebenso wie Meyer vom doppelten Woitendorf überzeugt. Der Tourismusminister wörtlich: „In der personellen Identität des Tourismusbeauftragten und des Geschäftsführers des Tourismusverbandes sehen Land und Verband die erfolgversprechendste Variante für die Weiterentwicklung des Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern.“

Kritik vom Dehoga-Chef

Meinungen, die in der Branche so nicht überall geteilt werden. Denn kaum war die Personalie Woitendorf gestern Mittag durchgesickert, gab es aus dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) heftige Kritik. „Auch wenn sich öffentlich kaum noch jemand traut, Kritik zu äußern, weil befürchtet wird, dann eventuell bei der nächsten Förderung leer auszugehen, können wir diese Personalie nicht gutheißen“, wagte sich Lars Schwarz, Chef des Dehoga-Landesverbandes in MV, in gewohnter Form mutig in die Öffentlichkeit.

„Wir brauchen in der Tourismusbranche unabhängige und kritische Interessensvertreter gegenüber der Politik. Nur so können wir glaubwürdig agieren. Das ist auch in der Satzung so festgelegt. Doch wie soll der Geschäftsführer des Tourismusverbandes als Tourismusbeauftragter des Landes agieren, wenn in seinem neuen Job Tourismusminister Meyer sein unmittelbarer Vorgesetzter ist?“, fragt Schwarz mit spitzer Zunge. Und noch etwas stört den Dehoga-Chef: „Ein Tourismusbeauftragter muss im Tourismusland Nummer eins zu 100 Prozent seinen Job ausfüllen. Das kann aber nicht funktionieren, wenn er auch noch parallel Geschäftsführer des Landestourismusverbandes ist.“

Zweifel am neuen Tourismusbeauftragten

Hart ins Gericht mit der Personalentscheidung der Landesregierung geht auch Sven Müller, Geschäftsführer der Vereinigung der Unternehmerverbände MV. „Wir sind gespannt, wie es gelingen soll, dass der Tourismusbeauftragte und gleichzeitige Geschäftsführer des Tourismusverbandes auch noch die Zukunftsagentur verantwortlich mit aufbauen soll“, betont Müller und verweist in dem Zusammenhang auf eine gestrige Aussage Meyers zu einem zusätzlichen Aufgabenbereich, der ebenfalls von Tobias Woitendorf beackert werden soll. Demnach soll „die in der Koalitionsvereinbarung vorgesehene Zukunftsagentur Mecklenburg-Vorpommern (ZAG MV) vom Tourismusbeauftragten vorbereitet und unter den dafür relevanten Akteuren und Institutionen beraten werden, so der Tourismusminister.

Die ZAG MV solle nach 2024 relevante Kommunikationsstrukturen zusammenführen, eine kommunikative Gesamtaussage für MV entwickeln sowie Marketingkompetenz mit Ansiedlungs- und Wirtschaftsförderungsexpertise vereinen, teilte Meyer mit.

Müller hält dagegen: „Die Zukunftsagentur sollte und muss sich vor allem um den Standort Mecklenburg-Vorpommern als Industrieland 2030 kümmern. So ist es auch im Industriekonzept MV beschrieben. Leider spricht keiner mehr von dieser Strategie. Die künftige Aufgabenvielfalt des Tourismusverantwortlichen der Landesregierung scheint unsere Sorge zu bestätigen.“

zur Homepage