:

Seiteneinsteiger bekommen die Chance auf eine Lehrerstelle

Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD)
Jens Büttner

Michaela Kronenberg aus Greifswald bewirbt sich seit Jahren um eine unbefristete Stelle als Lehrerin. Vergebens. Ohne Staatsexamen hatte sie bisher keine Chance. Jetzt äußerte sich Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) im Gespräch mit Ralph Sommer zu diesem Fall.

Frau Kronenberg ist ganz offensichtlich hoch qualifiziert. Warum geben Sie ihr keine Festanstellung an einer öffentlichen Schule in Mecklenburg-Vorpommern? 
 
Auch wenn Frau Kronenberg vielleicht hoch qualifiziert ist: Sie ist keine ausgebildete Lehrerin. Eine unbefristete Einstellung wäre daher rechtswidrig. Denn laut Lehrerbildungsgesetz haben bei Einstellungen ausgebildete Lehrer Vorrang. Und ich denke, das finden auch die meisten Eltern richtig so. 
 
Also keine Chance für Lehrer, die wie in diesem Fall, nur einen Magisterabschluss haben? 
 
Sie ist ja gerade keine ausgebildete Lehrerin. Aber auch Seiteneinsteiger haben eine Chance auf eine Lehrerstelle. Frau Kronenberg könnte zunächst zwei Jahre befristet eingestellt werden, wenn es für die Stelle keine anderen Bewerber gibt. Warum sie ihre Bewerbung bei der Regionalen Schule Penkun zurückgezogen hat, kann ich nicht nachvollziehen. So kann sie jedenfalls nicht eingestellt werden.
 
Aber ist eine zweijährige Anstellung ohne Aussicht auf eine weiterführende Beschäftigung nicht eine Zumutung, zumal, wenn man zum Arbeitsort jeden Tag 300 Kilometer fahren müsste? 
 
Wer Lehrer sein will, muss nun einmal dort arbeiten, wo die Kinder sind – und nicht umgekehrt. Außerdem: Ein Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst ist niemals eine Zumutung, sondern gerade in unserem Land eine große Chance. Wir bieten allen befristet eingestellten Seiteneinsteigern zudem eine berufsbegleitende Qualifikation. Demnach hätte Frau Kronenberg zeitgleich zum zweijährigen Job in Penkun eine berufsbegleitende Qualifikation durchlaufen müssen. 
 
Wie sähe diese aus? 
 
Wir haben dafür landesweit vier spezielle Ausbilder im Einsatz. Sie begleiten ein Jahr lang Seiteneinsteiger. Schwerpunkte der Ausbildung sind zum Beispiel Pädagogik, Didaktik sowie die Vermittlung praktischer Kenntnisse zum Beispiel zum Zensieren oder zur Zusammenarbeit mit Eltern. Zudem begleiten erfahrene Lehrkräfte die Seiteneinsteiger im Unterricht. 
Nach einem Jahr gibt es eine Prüfung, und wenn diese bestanden ist, kann man auch fest angestellt und gegebenenfalls sogar verbeamtet werden, und zwar ohne Staatsexamen. Wer diesen Weg einschlägt, verdient im besten Fall nach fünf Jahren so viel wie jeder andere Lehrer auch.