ERNST MORITZ ARNDT

Senat der Uni Greifswald stimmt im Namensstreit für Kompromiss

Die Uni Greifswald wird künftig auf ihren Namen „Ernst Moritz Arndt” verzichten. Allerdings gibt es ein Zugeständnis an die Befürworter.
dpa
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Vor dem Hauptgebäude der Universität Greifswald steht das Rubenowdenkmal mit einer Skulptur des Dichters Ernst Moritz Arndt.
Vor dem Hauptgebäude der Universität Greifswald steht das Rubenowdenkmal mit einer Skulptur des Dichters Ernst Moritz Arndt. Stefan Sauer
Greifswald.

Die Universität Greifswald wird künftig auf ihren 1933 zuerkannten Namen „Ernst Moritz Arndt” verzichten. Allerdings kann der Namenszusatz optional vorangestellt werden. Das entschied der Senat, das höchste Hochschulgremium, am Mittwoch mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit.

Der Kompromiss ist noch nicht rechtskräftig. Das Bildungsministerium muss der Änderung der Grundordnung nun zustimmen. Von 35 Senatoren stimmten 27 für den Antrag, 8 dagegen. Zuvor war ein Antrag gescheitert, auf den Namenszusatz „Arndt” komplett zu verzichten.

Der in Pommern geborene Arndt (1769-1860), Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung und Kämpfer für ein einheitliches Deutschland, ist wegen nationalistischer und antisemitischer Äußerungen umstritten. Seit mehr einem Jahr wird an der Uni und in der Stadt heftig über den Namenspatron gestritten.

Demo mit 600 Teilnehmern

Zuletzt fand am Sonnabend in Greifswald eine Demonstration von rund 600 Arndt-Befürwortern statt. Mehrere Politiker, darunter der Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor (CDU), der Kreistagspräsident Michael Sack (CDU) oder die Greifswalder Bürgerschaftsmitglieder Sascha Ott (CDU) und Peter Multhauf (Linke) forderten die Senatoren dazu auf, den Namen beizubehalten.

Der Senat der Uni hatte bereits im Januar vergangenen Jahres die Ablegung des Namens mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit beschlossen. Den Beschluss erkannte später das Bildungsministerium wegen formaler Mängel nicht an. Daraufhin beseitigte die Universität die Rechtsmängel und führte im November eine Meinungsumfrage unter den Uni-Mitarbeitern und Studierenden durch.

Zwei studentische Abstimmungen mit unterschiedlichem Ergebnis

Knapp 49 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden Studierenden, wissenschaftlichen und Verwaltungsmitarbeiter sowie Professoren stimmten für Arndt. Rund 34 Prozent votierten für die Namensstreichung. Für rund 15 Prozent waren beide Varianten gleichermaßen akzeptabel. An der Umfrage, die nicht rechtsverbindlich ist, nahm rund ein Drittel der etwa 15.100 Universitätsmitglieder teil.

An einer späteren studentischen Urabstimmung stimmte eine knappe Mehrheit für die Ablegung des Namens. Allerdings nahmen an der Umfrage nur 15 Prozent der Studierenden teil. Am vergangenen Samstag demonstrierten rund 600 Greifswalder dafür, dass die Universität an ihrem Namenspatron festhält.

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Kommentare (1)

Optional einen Namen nutzen ist so ziemlich das Dümmste, was hochgebildeten Personen einfällt. An der Uni werden Rektoren und Professoren sicherlich nicht im Dienstgebrauch optional auf den Namen Rektor oder Professor verzichten. Nicht mal die Kommunisten in der DDR-Ära kamen auf das Brainstorming Ernst-Moritz Arndt zu begraben (siehe 1954). Während die Evangelische Kirche und die Deutschen im Allgemeinen lediglich Luthers masslosen Antisemitismus aber nicht dessen Namen ablehnt und regelmäßig Luther feiert, vollzieht die Uni Greifswald die ultimative Auslöschung Arndts. Hätte Arndt die Bibel ins Vorpommersche übersetzt, wäre er womöglich weiter gelistet und hätte eine kritische Auseinandersetzung mit einigen seiner Schriften in der Modernen erhalten. Aber so, wie jetzt geschehen, wird ein Teppichhügel errichtet, der einer Bildungsstätte nicht gerecht wird.