Diebes-Bande in Mecklenburg

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Serie von gesprengten Geldautomaten reißt nicht ab

Dieses Zeichen zieht Diebe derzeit magisch an.
Dieses Zeichen zieht Diebe derzeit magisch an.
Roland Weihrauch

14 Fälle von Geldautomaten, die gesprengt worden sind oder werden sollten verzeichnete die Polizei in den vergangenen zwei Jahren. Wir haben eine Übersicht erstellt.

Es ist wie immer, wie schon viele Male zuvor. Die Verbrecher haben sich eine für sie günstige Bank-Filiale irgendwo in Mecklenburg ausgeguckt. Sie warten bis zu den Tagen rund um den Monatswechsel, weil dann besonders viel Geld fließt. Sie kommen meist an einem Wochentag in der Nacht oder am frühen Morgen. Sie dringen in den Vorraum der Bankfiliale ein, in dem die Automaten für die Bankgeschäfte und die Geldausgabe stehen. In einen Geldautomaten leiten sie durch einen Schlauch mitgebrachtes Gas oder ein Gasgemisch und bringen es anschließend mittels einer elektronischen Zündvorrichtung zur Explosion.

Rumms! Und vielleicht nochmal: Rumms! Der Automat ist hin, die Gangster schnappen sich die Geldbox und verschwinden mit 80.000, 100.000 oder auch 200.000 Euro so schnell, wie sie gekommen sind.

Sechs Sprengungen in einer Woche

Mittlerweile mehr als ein Dutzend Male haben Räuber im Westen Mecklenburg-Vorpommerns in den vergangenen zwei Jahren auf ähnliche Art und Weise Geldautomaten von Sparkassen, der Deutschen Bank, der VR-Bank oder der Raiffeisenbank in die Luft gesprengt. Auch in den vergangenen Tagen wiederholten sich entsprechende Meldungen, der jüngste Raub in der Nacht zum Mittwoch im Schweriner Sieben-Seen-Center. Es war der sechste Fall innerhalb einer Woche, wie ein Polizeisprecher am Mittwoch in Rostock sagte. In drei Fällen seien die Täter dabei an das Geld gekommen.

Kriminalpolizei habe die zuständige Ermittlungsgruppe "Transit" für diese Deliktserie in Schwerin deshalb jetzt aufgestockt. Zudem hoffen die Ermittler auf Erkenntnisse aus Überwachungskameras. In Schwerin ereigneten sich drei der sechs Fälle. In dem Einkaufszentrum im Süden Schwerins wurde laut Polizei vermutlich wieder Gas in das Gerät geleitet. Der Automat wurde zerstört, an das Geld seien die Täter aber nicht gekommen. Zur Schadenshöhe könne man noch keine Angaben machen. Die Täter seien auf der Flucht.

Die insgesamt 14 Tatorte lagen dabei stets nahe Autobahnen in Schwerin oder im Umkreis von etwa 50 Kilometern um die Landeshauptstadt herum: Grevesmühlen, Ludwigslust, Lübz, Plau, Krakow – siehe folgende Karte:

Nicht immer war die spektakuläre Tat dabei von Erfolg gekrönt: Manchmal war nur der Automat Schrott, manchmal ließ die Wucht der Sprengung Scheiben zerbersten oder Risse im umliegenden Mauerwerk entstehen. Doch obwohl viele moderne Automaten eigentlich gasgesichert sind, gelangen die Ganoven auch immer mal wieder an das ersehnte Bargeld.

Hoher Sachschaden

"Es scheint für Straftäter ein sehr attraktives Betätigungsfeld zu sein", heißt es vom Bundeskriminalamt, nach den Erfahrungen der Polizei sind dabei meist Banden am Werk, die häufig aus dem Ausland stammen. Für die Geldinstitute sind die Folgen der Sprengungen doppelt bedenklich: Mindestens muss kostspielig ein neuer Automat besorgt und die Schäden an der Filiale gekittet werden, im schlimmsten Fall ist eine größere Geldsumme futsch. Zwar sind die Geldhäuser gegen Sachschäden versichert, wird eine Bank aber öfter Opfer einer solchen Tat, wird die Versicherung in der Regel teurer.

Die Polizei indes tappt im Dunkeln. Man vermute, dass die Taten zusammenhängen, der Verdacht läge nahe, sagte ein Sprecher. Im Frühjahr wurde eine deutsche Bande aus dem Raum Berlin/Brandenburg geschnappt, die Beamten rechneten den Verdächtigen 14 Taten zu. „Weiterhin wird gegen reisende Tätergruppen ermittelt, die aus Polen heraus handeln“, sagte damals ein Polizeisprecher.

Automatensprenger verurteilt

Nach einer Sprengattacke in Lübz wurden zwei Tatverdächtige gefasst, die im März ihr Fahrzeug zurückließen und mit einem Taxi nach Potsdam geflüchtet waren. Einer der beiden - ein 18-Jähriger - wurde am Mittwoch am Landgericht Potsdam zu drei Jahren und zwei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. In das Urteil wegen Herbeiführens einer Sprengstoff-Explosion und schweren Diebstahls habe das Gericht eine weitere Strafe wegen räuberischen Diebstahls und anderer Delikte aus dem vergangenen Jahr einbezogen, berichtete Gerichtssprecher Wolfgang Peters.

Bis die Mecklenburger Automatenknacker allerdings wirklich dingfest gemacht worden sind, dürfte noch so mancher hiesiger Filialleiter insgeheim um sein Bargeld bangen.