Eine Schülerin klagt an

„Sie riskieren unsere Gesundheit”

Stoßlüften im Klassenraum soll die Ausbreitung des Coronavirus verhindern. Doch bei herbstlicher Kälte führt das erst recht dazu, dass die Kinder krank werden. Eine Schülerin fordert daher, die Schulen lieber gleich zu schließen.
Saskia geht in die zehnte Klasse und den Spaß an der Schule verloren. Sie denkt, dass die Schulen wieder geschlossen wer
Saskia geht in die zehnte Klasse und den Spaß an der Schule verloren. Sie denkt, dass die Schulen wieder geschlossen werden sollten. privat/NK-Grafik
Neukloster

Deutschland im Corona-Herbst 2020: Das Land befindet sich in einem Teil-Lockdown, um die zuletzt rasante Ausbreitung des Coronavirus irgendwie bis Weihnachten wieder unter Kontrolle zu bringen. Anders als im März, als das ganze Land herunter gefahren wurde, dürfen die Schulen weiter offen bleiben. Denn darauf hatten sich die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten der Länder geeinigt: Schulen sind wichtig und die Kinder sollen nicht unter den harten Maßnahmen leiden.

Offene Schulen bedeutet aber auch, dass dort verschärfte Hygiene-Maßnahmen gelten. Und das die Fenster ständig offen stehen. Laut Vorschrift muss während des Unterrichts alle 20 Minuten gelüftet werden und da kann man im November schon mal krank werden. So geht es auch Saskia Kaluga, die die 10. Klasse am Gymnasium in Neukloster (Nordwestmecklenburg) besucht. Hier berichtet sie aus ihrem Alltag.

„Wollen alle, dass das Virus verschwindet”

„Es herrschen unzumutbare Temperaturen im Klassenzimmer, was dazu geführt hat, dass ich krank wurde”, schreibt Saskia. So habe sie schon mehrere Blasenentzündungen gehabt. „Wir alle wollen, dass das Virus endlich verschwindet, doch die Regierung schickt uns jeden Tag auf's Neue in die Schule, wo mehrere hunderte Haushalte aufeinander treffen”, schreibt Saskia. „Sie riskieren unsere Gesundheit und die unserer Familie!”

Die Zehntklässlerin strebt im nächsten Jahr ihren Abschluss an, doch so richtig könne sie sich derzeit nicht auf das Lernen konzentrieren. „Unsere Eltern und viele weitere Erwachsene werden in Kurzarbeit geschickt und wir sitzen jeden Tag acht Stunden in der Schule, mit der Angst an COVID-19 zu erkranken.” Sie hat nicht den Eindruck, dass die Regierung trotz der vielen Maßnahmen die Lage nicht im Griff hat. Derzeit sieht sie nur einen vernünftigen Weg: „Meiner Meinung nach sollten die Schulen nach und nach wieder schließen, um eine weitere Verbreitung des Virus zu stoppen.” Ausnahmen könne man für Tests und Klausuren machen, schlägt sie vor.

Spaß habe sie derzeit am Besuch der Schule sowieso nicht mehr.

Anfang der Woche hatte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) zum Thema Stoßlüften gesagt: „Es ist in der momentanen Lage den Schülern zuzumuten, einen dickeren Pullover anzuziehen.” Der Landesschülerrat in MV, der die Interessen der Schüler vertritt, reagierte empört. So sagte Anton Fischer aus dem Vorstand des Rates: „Mit Handschuhen oder blauen Fingern wird das Mitschreiben zur Qual, Frau Karliczek. Auch ein dicker Pulli schützt da nicht unbedingt vor einer Lungenentzündung.” Und dabei hat der Winter noch gar nicht begonnen.

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