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So behaupten sich heimische Firmen im Kampf um die Wurst

Mit speziellen Qualitätsprodukten wie die Wild-Salami will sich das Traditionsunternehmen Anklamer Fleisch- und Wurstwaren gegen die Konkurrenz durchsetzen.
Mit speziellen Qualitätsprodukten wie die Wild-Salami will sich das Traditionsunternehmen Anklamer Fleisch- und Wurstwaren gegen die Konkurrenz durchsetzen.
Stefan Sauer

Erst eine Kartellstrafe, dann die Übernahme und zum Schluss das Aus für das Warener Nölke-Werk. In der Fleischbranche wird mit harten Bandagen gekämpft. Für Traditionsunternehmen gibt es im Wettbewerb daher nur ein Rezept.

Für die 130 Mitarbeiter war die Nachricht ein Schock. Der Fleischfabrikant Nölke wird seine Produktion in Waren einstellen. Das Unternehmen aus dem ostwestfälischen Versmold macht Mitte Juli das Werk an der Müritz dicht. Eine Entwicklung, die innerhalb der Fleischwirtschaft keine Überraschung ist.

Noch im Dezember 2014 kaufte die Zur-Mühlen-Gruppe, einer der größten Fleischhersteller Europas, die Firma Heinrich Nölke auf. Zur-Mühlen-Eigentümer Clemens Tönnies, der größte Schlachterunternehmer Deutschlands, verleibte sich damit die Marke "Gutfried" ein, die auch in Waren hergestellt wird. Mit dem Verkauf sollte die Zukunft des Unternehmens Nölke gesichert werden. Doch den Gesellschaftern war das Werk in Waren offenbar nicht mehr rentabel genug, sagen Experten aus der Wurstbranche. Die Schließung habe daher betriebswirtschaftliche Gründe.

Tönnies umgeht Kartellstrafe in dreistelliger Millionenhöhe

Wie es soweit kommen konnte ist unklar. Fest steht, dass das Unternehmen Nölke im vergangenen Jahr eine empfindliche Kartellstrafe zahlen musste. Nölke zählt zu den 21 Wurstproduzenten, denen das Bundeskartellamt wegen illegaler Preisabsprachen ein Bußgeld von 338 Millionen Euro verhängt hatte. Unter den Kartellsündern befindet sich ebenfalls die Zur-Mühlen-Gruppe. Dessen Marken "Böklunder" und "Könecke" wurden Strafgelder von 70 und 50 Millionen Euro auferlegt.

Während das Wurstwerk in Waren schließen muss, arbeitete Zur-Mühlen-Eigentümer Tönnies daran, der Kartellstrafe von 120 Millionen Euro zu entgehen. Er ließ die Firmen Böklunder Plumrose und Könecke Fleischwarenfabrik aus dem Handelsregister löschen. Laut Impressum im Internet heißen sie jetzt Böklunder Wurstfabrikation und Könecke Wurstfabrikation. Medienberichten zufolge könnte es sein, dass das Kartellamt durch diese Umstrukturierung ihre Forderungen abschreiben muss. Das befürchtet auch Kartellamts-Sprecher Kay Weidner. Seiner Ansicht nach nutze Tönnies eine Regelungslücke im Gesetz aus.

Harte Konkurrenz auf dem Fleischmarkt

Dass Großunternehmer Tönnies das Unternehmen Nölke übernommen hat, halten die Wettbewerbshüter jedoch nicht für bedenklich. Die Zur-Mühlen-Gruppe zählt zwar zu den Riesen in der Branche. Unabhängig davon sei die Wurstbranche aber sehr zersplittert, sagt Weidner. Das belegen Zahlen aus dem Landwirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern. Im Jahr 2013 gab es im Land 43 Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern in der Fleischbranche. Das sind fast neun mehr als 1995. Im Jahr 2013 erwirtschafteten die Fleischhersteller 1,05 Milliarden Euro Umsatz. Das ist mehr als doppelt soviel wie im Jahr 1995.

Mit der gestiegenen Konkurrenz sind die Bandagen auf dem Wurstmarkt härter geworden. Hartmut Krüger beeindruckt das wenig. Der Chef der Anklamer Fleisch- und Wurstwaren vertraut auf Qualität und spezielle Wildprodukte wie Hirschkochschinken oder Wild-Kettwurst. Sein Betrieb sei "total liquide" und könne aus eigenen Mitteln in moderne Verarbeitungsanlagen investieren Geld für Weiterbildung der Mitarbeiter ausgeben. Dadurch habe das Anklamer Unternehmen mehr Spielraum gegenüber Mitbewerbern, um die Qualität der Wurstwaren zu sichern.

Qualität und Tradition behaupten sich

Hohe Lebensmittel- und Hygienestandards seien eine Voraussetzung, die nicht nur Vertrauen beim Kunden schaffe, sagt Krüger. Auch große Handelsketten wie Aldi nehmen nur zertifizierte Produkte ab. Aus diesem Grund werden sich seiner Meinung nach in den nächsten Jahren Unternehmen verabschieden, die hohen Zertifizierungen nicht gerecht werden. "Qualität und Tradition behauptet sich", sagt Krüger. Das will die Anklamer Fleisch- und Wurstwaren GmbH bei der mitteldeutschen Handwerksmesse vom 7. bis 15. Februar in Leipzig zeigen. Dort sollen die Anklamer Wildwurstwaren und die Anklamer Bockwurst noch bekannter gemacht werden.

Kommentare (2)

na ja die Test von Stiftung Waren sagen bei den Discoutern aber was anderes aus. Und es ist doch schade das es keine Handwerkliche Metzgerei mehr gibt.

Das ist tatsächlich eine interessante Frage. Das würde mich auch interessieren, wie viele Fleischermeister es überhaupt noch im Land gibt und was die Stiftung Warentest tatsächlich zum Discounterfleisch und im Vergleich zu Fleisch vom Fleischer sagt. Da lohnt es sich nochmal nachzufragen. B.Vorhölter