HASCHISCH-KUCHEN

So erging es den berauschten Trauergästen in Rostock

Nach einer Verwechslung beim Leichenschmaus mussten 13 Trauergäste in Rostock in ärztliche Behandlung. Betroffene erzählen von dem Tag und von teils heftigen Symptomen.
Stefan Tretropp Stefan Tretropp
„Mein Mann hat mehrere Stunden so fest wie ein Stein geschlafen, das war schon sehr ungewöhnlich“, sagt Chris
„Mein Mann hat mehrere Stunden so fest wie ein Stein geschlafen, das war schon sehr ungewöhnlich“, sagt Christa Michl. Stefan Tretropp
Rostock.

Nachdem es während eines Leichenschmauses nach einer Beisetzung in Rostock-Wiethagen zum irrtümlichen Verzehr vom Cannabis-Kuchen gekommen war, werden nun weitere Details bekannt. Witwe Brigitte D. und Trauergast Christa Michl sprechen von teils massiven Gesundheitsproblemen, die sie nach dem Kuchenverzehr hatten.

„Ich aß ein Stück Brownie-Kuchen, mein Mann zwei“, erklärt die 78-jährige Christa Michl, eine Bekannte der Witwe. Nachdem das Beisammensein im Köhlerhof beendet wurde, fuhr der Ehemann von Christa Michl mit dem Auto nach Hause. Dort angekommen habe er eine ungewöhnliche Müdigkeit festgestellt und sich sofort schlafen gelegt, schildert die 78-Jährige.

Spinnweben vor Augen

„Mein Mann hat mehrere Stunden so fest wie ein Stein geschlafen, das war schon sehr ungewöhnlich“, sagt sie. Die 78-Jährige selbst hatte einen „unsicheren Gang“ und sah eine Zeitlang nur noch Spinnweben vor den Augen. „Ich wollte mich dann eigentlich schlafen legen, konnte aber nicht, weil ich so aufgeregt war“, erinnert sich Michl.

Abends hätten sie dann Familienmitglieder der Witwe besucht und erzählt, dass Drogen im Kuchen gewesen seien. „Ich konnte und wollte das einfach nicht glauben“, sagte sie. Noch schlimmer erging es Witwe Brigitte D., die ein Stück des Browniekuchens gegessen hatte.

Witwe war fünf Tage lang in der Klinik

„Erst wurde mir schlecht, dann habe ich die Leute verwechselt und dann brach mein Kreislauf zusammen“, schildert die 74-Jährige, die neben den gesundheitlichen Problemen auch noch den schmerzlichen Verlust ihres Mannes verkraften musste. Der Sohn von D. schildert, wie seine Mutter plötzlich erbrechen musste, Luftnot bekam und schließlich bewusstlos wurde.

„Die Situation war sehr ernst“, sagt er. Erst die Sanitäter hätten sie wieder „zurückgeholt“. Sie kam mit einem Rettungswagen in die Boddenklinik und wurde dort fünf Tage lang behandelt. Da die Witwe an dem für sie ohnehin sehr aufregenden Tag eine doppelte Dosis Beruhigungstabletten nahm, könnte es zu einer Wechselwirkung der Medikamente gekommen sein. Zumindest vermuten das Familienmitglieder.

Weiterhin berichten die Betroffenen, dass insgesamt 21 Gäste der Trauergesellschaft Symptome zeigten, jedoch nur 13 von ihnen zum Arzt oder ins Krankenhaus gingen. Die Schwester der Schwiegertochter musste auf der Rückfahrt vom Köhlerhof mit ihrem Auto anhalten und einen Notarzt rufen, weil ihr schwindlig wurde.

„Waren Sie bei einem Junggesellenabschied oder bei einer Trauerfeier?”

„Viele durften auch am nächsten Tag gar nicht zur Arbeit gehen“, erzählt sie weiter. Kurios: Als die Betroffenen bei der Polizei sitzen und den Fall anzeigen, können die Beamten es selber kaum glauben und fragen: „Waren Sie bei einem Junggesellenabschied oder wirklich bei einer Trauerfeier?“

Trotz allem macht Witwe Brigitte D. den Verantwortlichen vom Köhlerhof keinen Vorwurf: „Es war halt eine Verwechslung.“

Dennoch: Einen Anwalt hat sie eingeschaltet und geht jetzt gegen die junge Bäckerin des Kuchens, die Tochter einer Angestellten, vor. Von der gab es bislang keine Entschuldigung, vom Köhlerhof jedoch schon. Das Angebot von dessen Chef, eine Gratis-Fackelwanderung durchzuführen, wolle die Familie annehmen – mit einer Einschränkung: Es gibt keinen Kuchen.

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Kommentare (6)

Doch ein Irrtum ist kein Verbrechen.

...behauptet, dass ein Verbrechen vorliegt? Es ist Anzeige erstattet worden. Die "Verwechslung" hat mehrfache Körperverletzung nach sich gezogen.

Nur hat die junge Bäckerin nicht die Verwechslung verursacht.
Und auch nicht Kuchen aufgetischt, der irgendwo, von irgendwem, irgendwie privat gebacken wurde.
Aber Sie soll jetzt die einzig Schuldige sein und hat tausend Anzeigen am Hals, mit ihren 18 Jahren?!

Toll, wie es belohnt wird, sich ehrenamtlich zu engagieren.

... hat fahrlässig gehandelt. Sie hat den Auftrag übernommen keinen Haschischkuchen zu backen bzw. bei sich zu Hause Verwechslungen auszuschliessen, wenn die Mutter den Kuchen mitnimmt. Was das mit Ehrenamt zu tun hat, erschliesst sich mir nicht.

Sie hat den Kuchen ehrenamtlich gebacken, in ihrer Freizeit, für lau.
Dass sie fahrlässig gehandelt hat, ist doch unstrittig.
Mir passt nicht, dass sie die einzig Schuldige in diesem Fall sein soll.
Und warum wegen "Wer eine Bestattungsfeier absichtlich oder wissentlich stört, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. " ermittelt wird, ist mir ebenfalls unklar.

Kann mich den nur anschließen. Das Handeln war grob fahrlässig. Nun stellt sich mir noch die Frage, wie es sein kann, dass der Kuchen zu Hause von der Tochter der Mitarbeiterin gebacken wird. Ich dachte immer, dass es da bestimmte Anforderungen an die Küche etc. gibt. Handelt es sich dabei um Schwarzarbeit?