NEUE IMPFSTRATEGIE

So erklärt Schwesig das Impf-Desaster in MV

MV liegt bei den Erstimpfungen bundesweit auf dem letzten Platz. Mit einer neuen Impfstrategie soll sich das jetzt ändern. Doch woran liegt das schlechte Abschneiden wirklich?
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) will bis 18. April alle bisher ungenutzten Impfdosen des Herstellers Astrazene
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) will bis 18. April alle bisher ungenutzten Impfdosen des Herstellers Astrazeneca verimpfen lassen, um die Impfquote in Mecklenburg-Vorpommern zu erhöhen. Screenshot Facebook-Seite Staatskanzlei MV
Schwerin ·

Das Land Mecklenburg-Vorpommern will der bundesweit schlechtesten Corona-Impfquote mit einer neuen Ausrichtung der Impf-Strategie begegnen. „Wir müssen beim Impfen wieder an Fahrt zulegen”, sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Freitag im Anschluss an kurzfristig anberaumte Beratungen der Landesregierung mit Vertretern aus den Ärzteverbänden, der Wissenschaft und den Kommunen.

Zu diesem Zweck habe sich die Landesregierung mit den Kommunen darauf geeinigt, die derzeit ungenutzten 53.000 Dosen Astrazeneca bis zum 18. April zu verimpfen. Sollte dies in einer Kommune organisatorisch nicht möglich sein, würden die Dosen in anderen Kommunen verimpft. „Ja, da mache ich jetzt Druck, das ist meine Pflicht”, sagte Schwesig.

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Laut Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) stünden hier 17.500 Dosen in den Impfzentren zu Verfügung, der Rest werde von Hausärzten verimpft. Im Landkreis Vorpommern-Greifswald seien es 3980 Dosen, in der Seenplatte 1110 und in Vorpommern-Rügen 350 Dosen. „Ziel ist es, den Impfberg bis zum 18. April abzubauen”, so Glawe. Dann wäre man im bundesweiten Impf-Ranking wieder im Mittelfeld angekommen.

„Klingt nicht nach systematischem Plan”

Neben dem Impfstart in 1700 Hauspraxen in MV wolle man zudem auf „unkonventionelle Impfmethoden” setzen, so Schwesig. Als Beispiele nannte sie Impfungen ohne Termin, wie sie zuletzt in Wismar, Trollenhagen oder Grevesmühlen stattfanden. Auch die Optionierung des russischen Impfstoffs „Sputnik V”, mehr Personal in den Terminvergabestellen und die Terminvergabe-Verlängerung von einer auf vier Wochen sollen das Impftempo im Land erhöhen.

„Das klingt nicht nach einem systematischen Plan”, urteilte der gesundheitspolitische Sprecher der Linksfraktion im Schweriner Landtag, Torsten Koplin, im Anschluss an den Impfgipfel. „Es ist zwar erkennbar, dass man Druck machen will und die Ministerpräsidentin steht nun auch persönlich im Wort”. Doch was genau nach dem 18. April geschehe, nämlich wenn Impfdosen immer noch nicht verimpft seien, sei weiterhin unklar.

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Woran liegt es tatsächlich?

Mecklenburg-Vorpommern liegt laut Robert-Koch-Institut mit 13,3 Prozent an Erstimpfungen bundesweit auf dem letzten Platz (Stand 9. April, 8 Uhr). Spitzenreiter ist derzeit Brandenburg mit 17 Prozent, der Bundesdurchschnitt liegt bei 14,7 Prozent. Bisher konnte das Land keine plausiblen Gründe für das schlechte Abschneiden im bundesweiten Vergleich nennen.

Gesundheitsministerium und Landesregierung führten bis dato die Diskussionen um den Impfstoff des Herstellers Astrazeneca sowie Probleme mit der Impfhotline und bei der Terminfreigabe an. Allerdings erklärt dies nicht die Tatsache, dass Mecklenburg-Vorpommern nach einem durchaus beachtlichen Start bei den Erstimpfungen auf den letzten Platz aller Bundesländer rutschte. Denn andere Länder haben ähnliche Probleme.

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Über 100.000 nicht-verimpfte Dosen

„Das muss ein logistisches Problem bei uns im Land sein”, sagte deshalb auch Torsten Koplin. In der Rangliste der Lieferungen liege Mecklenburg-Vorpommern auf Platz 10 aller 16 Bundesländer, in der Verimpfung aber sei man Letzter. Laut Koplin habe das Land bisher 374.000 Impfdosen erhalten, aber lediglich 269.000 gespritzt – damit wären 30 Prozent aller gelieferten Impfdosen bisher ungenutzt geblieben.

Die Differenz zwischen gelieferten und verimpften Dosen, die in der letzten Woche zwischen 105.000 und 113.000 Dosen gelegen habe, sei nur mit einer nicht funktionierenden Logistik erklärbar. Für die Logistik wiederum sei der Landtag und für die Umsetzung federführend die Landesregierung verantwortlich. „Das ist schlicht und einfach ungenügend”, sagte Koplin dem Nordkurier am Freitag. Die Zeit der großen Worte sei nun endgültig vorbei.

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Hausärzte müssen Impftermine absagen

Das Impf-Desaster ausbaden müssen nun die Hausärzte in MV, die seit vergangenem Mittwoch auf breiter Basis Patienten impfen dürfen – wenn es denn genug Impfstoff gäbe. „Ich habe heute erfahren, dass der Lieferant erst für kommenden Mittwoch neuen Impfstoff von Pfizer/Biontech liefern kann. Für die ersten zwei Tage der Woche mussten wir damit kurzfristig bestellte Patienten wieder ausladen”, sagte ein Hausarzt aus Neubrandenburg dem Nordkurier.

Von 50 bestellten Dosen dieses Herstellers habe er in der ersten Woche nur 30 erhalten, zudem 20 von Astrazeneca. Gleichzeitig würden im Landkreis nun Sonderimpf-Tage mit Astrazeneca veranstaltet, weil viele Dosen dieses Herstellers ungenutzt herumliegen würden. „Es gibt so viel Bürokratie, die uns ausbremst”, so der Mediziner. „Dabei ist jeder Tag, an dem nicht geimpft wird, ein Tag, an dem unnötig Leute sterben”. Laut Kassenärztlicher Vereinigung reichen die bislang angekündigten Impfstoffmengen nicht annähernd aus, um zeitnah wenigstens alle chronisch kranken Patienten zu impfen.

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Kommentare (2)

Wieso Deaster?
Das ist doch beste Werbung, demnächst nach MV statt nach Florida oder Texas auszuwandern.
Offenbar sind die Leute im Nordosten besser aufgeklärt , was die Gefährlichkeit der Impfung angeht, als im Rest der Republik.
Das liegt wohl auch am Nordkurier.

Leider gibt es ja für die, die sich impfen lassen möchten kein oder zu wenig Impfstoff.